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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-22 · Heft 39 (22.9.1885) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 39 (22.9.1885)
Date
1885-09-22
Page
Seite 627 (sequence 11)
Language
German
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627 In Galizien ist wieder einmal die Frage der Leichen- > die Juden käme. Dies unterläßt denn auch der citirte Arbestattung auf der Tagesordnung. Die Statthalterei hat tikel nicht: nämlich, wie die Corr. Wien meldet, die bei den Juden zumeist noch übliche Beisetzung der Leiche ohne Sarg verboten. Die jüdischen Gemeinden haben gegen dieses Verbot an das Ministerium recurrirt, aber jedenfalls ohne jede Aussicht auf Erfolg. Nach der „Elbe-Zeitung" hat Herr v. Schönerer jetzt Nordböhmen zum Schauplatz seiner Thätigkeit und kürzlich in Reichenberg einen politischen Bortrag gehalten, der den Erfolg hatte, daß noch in derselben Nacht an die Ladenthüren jüdischer Kaufleute in kalligraphisch ausgeführter Schrift allerlei Verse geschrieben wurden, die die gröblichsten Jnvectivcn enthielten. Die extrem Deutsch-Nationalen, welche mit „Als den allzeit hilfsbereiten Genosien des „Kulturträgers von der Spree" schildert der „Dnewnik" den Juden. Der eingewanderte Deutsche, der nur seine Muttersprache kennt, finde überall an dem Juden eine willkommene Stütze. Die Juden hätten niemals und nirgends gegen deutsches Vorgehen und deutsche Unternehmungen eine Gegenwirkung ansgeübt; sie seien nicht Gegner des Fortschritts der fremden Kolonisation, sondern ihre Pionire, und sie allein verstünden es, aus derselben Nutzen zu ziehen als Mittelspersonen und eifrige Förderer der deutschen Industrie. Der Absatz von Maaren ans Lodz u. s. w. auf russischen Märkten gehe aus- I schließlich mit Hilfe jüdischer Agenten und Kommissionäre vor den Antisemiten zu Kaaden einen förmlichen Vertrag gesich, die aus dieser Vermittelung nicht geringen Gewinn schlossen haben, liefern dadurch einen neuen Beweis ihrer! ziehen. „Die Deutschen und Juden fördern dadurch, daß Gesinnung. ^sie Hand in Hand miteinander gehen, ihre Interessen ganz! vortrefflich und sichern sich immer mehr und mehr in wirth- Frankrcich schaftlicher Beziehung die Herrschaft in unserem Lande." jDazu bemerkt die „Pvs.Ztg.": „Sollten diese Ausführungen Paris, im September. Die Beerdigungen werden hier des einzigen öffiziösen Blattes in Warschau nickt ein Bormit großem Pomp vollzogen. Sie sind zu diesem Behufe: spiel sein zu ernsteren Maßnahmen? Die Befürchtung liegt in neun Klaffen mit steigenden Kosten vertheilt. Die erste jedenfalls sehr nahe." Klasse kostet ca. 2000 Frcs. Bon diesen Kosten erhalten die! (Man sieht, die ganze Weisheit dieser Publizisten besteht Pfarrkirchen einen Theil für den geistlichen Beistand. So wurden im Jahre 1d83 zusammen 2144400 Frcs. an die nur in der Nationalitätensucht und dem Nationalitätenhaß. Auch die volkswirthschaftlichen Interessen unterliegen diesen Gemeinden gezahlt, und zwar 1832 827 Frcs. an die katho- Leidenschaften. Ob fremdländisch oder einheimisch, ist ihr lischen Gemeinden, 48 656 Frcs. an die reformirte. 28 040, gleichgültig, was nicht national-russisch ist, wird gehaßt und Frcs. an die lutherische und nur 34 234 Frcs. an die israeverfolgt. Dies erweist sich an den gegen die Juden gerich. litische, obgleich diese eben so zahlreich ist. wie die beiden tcten Jnvectiven. Ob Production und Handel durch diese protestantischen zusammengenommen. Hieraus geht hervor,, nichtrussischen Elemente in großem Maßstabe gefördert und daß die Juden bei ihren Begräbnissen in viel einfacherer und j dadurch wieder dem Staate und dem Volke große Bortheile darum weniger kostspieligen Weise Vorgehen. . sugefütjrt werden, erscheint ihr gar nicht berücksichtigungsj werth. Es soll Alles verdrängt und erdrückt werden, was! nicht national-russisch ist.) Z^usilaud.! —Man schreibt der „Kreuzztg." ausWarsch au: Sicherem! Vernehmen nach soll in nächster Zeit eine Verordnung in Kraft Warschau, 3. September. Die Ausweisungen russischer treten, welche den Israeliten den Ankauf und die Pach- Unterthanen nehmen selbstverständlich die russischen Blätter tung größerer und kleinerer ländlicher Grundstücke in Polen vielfach in Anspruch. Zunächst wird dabei an Repressalien' sehr bedeutend erschwert. Bekanntlich besteht bei dem Ministebezüglich der in Rußland sich aufhaltenden Deutschen gedacht, rium des Innern seit einiger Zeit eine besondere Kommission Die Regierung selbst stellt an diese die Forderung, russische! für die Angelegenheiten der Juden. Ans Veranlassung dieser Unterthanen zu werden. Ueber den Häuptern derer, die diesem Kommission, wie auch auf Grund bezüglicher, von verschie- Berlangen nicht genügen wollen oder können, schwebt die Aus-> denen Gouverneuren cingegangener Anträge ist jene Verweisung. In auffallender Weise beschäftigt sich der hochofficiöse ordnung erlassen worden. Neuerdings hat diese Kommission „Warszaw ski Dnewnik" mit den in Rußland ansässigen Deutschen, auch ein Projekt eingebracht, nach welchem alle Juden von Er wirft ihnen die Ausbeutung aller wirthschaftlichen Hilfsj der Pachtung von Bahnhofs-Restaurationen und Militär-Kanquellen vor, und daß sie dabei sich unter einander verbinden; tinen ausgeschlossen sein sollen." — und möglichst Alles Deutschen zuwenden. Es wäre nun ge-! _ wiß auffallend, wenn ein russisches Organ dabei nicht auch auf j ss*

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