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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-22 · Heft 39 (22.9.1885) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 39 (22.9.1885)
Date
1885-09-22
Page
Seite 625 (sequence 9)
Language
German
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'adcVCx vwcpvuxc ij 'tX'cfyfovx. Deutschland. j! Berlin, 7. Sept. (Privatmitth.) Für Berlin stehen in naher Zeit dreifache Wahlen bevor: zum Landtage, zur Ergänzung der Stadtverordnetenversammlung und für die Kirchenvorstände. Daß hierdurch in das öffentliche Leben Bewegung kommt und kommen wird, ist selbstverständlich. Allein wie es den Anschein hat, wird diese Bewegung gegen die letzte Wahlperiode an Stärke und sagen wir an Rohheit viel schwächer sein. Die Sozialistenpartei ist am rührigsten und sucht jetzt den Personenhader zu beschwichtigen, der in ihrer Mitte entstanden war. In den Arbeitervierteln wird sie hinsichtlich der dritten Wählerklasie obsiegen. Allmälig fangen auch die Freisinnigen sich zu rühren an, und wollen die Sitze, die sie das letzte-Mal aus Mangel an Thätigkeit und aus Siegesgewißheit verloren haben, wieder zu gewinnen suchen. Endlich beginnt auch die „Deutsche Bürgerpartei", d. h. die conservativantisemitische, Versammlungen zu halten. Es fehlt ihr aber an Führern; Leute, wie Henrici, Förster, Ruppel, Cunow, Cremer, von Liebermann. sind vom Schauplatze abgetreten. Nur der Stadtverordnete Pickenbach führt das Wort, und gerade diesen von der Stadtverordnetenversammlung fern zu halten, werden die Freisinnigen sich anstrengen. Uebrigens stellen auch die Conservaliven in dem Wahlbezirk Pickeubachs einen eigenen Candidaten auf, so daß dieser Antiseunt wenig Aussicht hat. Stöcker beschränkt sich bis jetzt auf seine „Christlich-Sozialen'". Ob er aber in letzter Stunde, verbunden mit seinem Jünger Pros. Wagner, der freilich für sich auf ein Mandat verzichtet hat, mit um so größerem Elan erscheinen werde, ist abzuwarten. Wie gesagt, der Kamps wird dies Mal wahrscheinlich gemäßigter sein und die Ruhe der Bewohner weniger stören. vr. Straßmann will kein Mandat für das Abgeordnetenhaus mehr annehmen. Berlin, 9. Sept. Eine „streng vertrauliche" Sammlung von 60 000 Mrk. zur Arbeitserleichterung Stöckers. Um Stöcker „vor der Wiederkehr ähnlicher Gefahren zu bewahren", wie sie ein unzureichendes Erinnerungsvermögen für denselben bei den bekannten letzten Prozeßverhandlungen mit sich gebracht hat, soll Stöcker eine Arbeitserleichterung geschaffen werden. Denn „seine jetzige umfassende, fast allzuvielseitige Thätigkeit übersteigt die Kräfte eines einzelnen Mannes, deren frühzeitige Abnutzung und der Sache schädliche Zersplitterung sie gleichzeitig zur Folge haben muß". Also heißt es in einem der „Freis. Ztg." vorliegenden „streng vertraulichen" Cirkular, welches von der Redaktipn der „Kreuz-Zeitung" versandt worden ist. Das Cirkular theilt sodann mit: „Es ist gelungen, in der Person eines mit Stöcker eng befreundeten Geistlichen, welcher mit Wort oder Schrift seine treue christlich-konservative Gesinnung seit Jahren öffentlich und mit anerkanntem Erfolg vertreten und bewährt hat. eine für diesen Zweck durchaus geeignete Persönlichkeit zu finden. Der Mann ist bereit, seine jetzige Stellung aufzugeben und mit Familie nach Berlin überzusiedeln, sofern ihm eine bescheidene Existenz auch für die Zukunft hier gesichert wird. Ein Kapital von 60000 Mark ist dazu nöthig." Die Sammellisten sino baldmöglichst au die Expedition der „Kreuz-Ztg." einzusenden. Wer mag der außerhalb Berlins wohnende Mann, der für 60^00 Mark bereit ist, Hilfsgeistlichcr bei den antisemitischen Agitationen Stöckers zu werden, wohl sein? Etwa der Pastor a. D. Dietz in Bielefeld? Das Cirkular trägt 26 Unterschriften, darunter von bekannten Namen Pastor v. Bodelschwingh-Bielefeld, Freiherr v. Diergardr- Morsbroich, Pastor Diestelkamp (Berlin), Graf v. Dönhoff Friedrichstein, Freiherr v. Durant, Pastor Engel (ReichSbvtc). Freiherr v. Hammerstein (Kreuzzeilnug), v. Haas (Nürnberg), Graf v. Hagen-Möckern, Regierungspräsident a. D. Graf v. Krafiow, Dr. Lotz (Kassel), Luthardt (Augsburg), vr. Pfaff (Erlangen), Divisionspfarrer vr. Rochol (Köln), Graf v. Rothkirch-Trach, Schwartzkopf-Lichterfelde. Außerdem find unterzeichnet Eisenbahn Inspektor Bartels-Hagen. Gymnasiallehrer Eichhof Schleswig, Superientendeut Huchzermeier-Ichildefche, Fabrikant Hüttenhain-Haardt a. d. Sieg, Pfarrer- Schlosser Frankfurt a. M., Pfarrer Schmalenbach-Mcnnighüffen, Direktor Tietz-Hannover und Lic. Weber-Gladbach. Hierzu bemerkt die „Nord. A. Ztg.": „Der streng vertrauliche Charakter" der Sammlung ist durch das Richter sche Blatt durchbrochen, und nun wäre es wohl zweckmäßig, I wenn die in dem Cirkular ausgesprochene Absicht vollends ( das Bisir ausschlüge. Ein ehrliches Gesicht braucht sich nicht! zu verstecken." | Hierdurch charakterisirt sich jener „vertrauliche Aufruf" der „Kreuz-Ztg.' als recht zweideutig. Er wirft keinen just freundlichen Rückblick auf die bisherige Thätigkeit Stöckers,! sowie auf die bisherigen Berliner Gehnlfen Stöckers. Weiteres interessirt uns an diesem Manöver nicht. In officiösen Blättern wird das Bestreben bemerklich. für die bevorstehenden Wahlen eine Bereinigung der Confer vativen und Nationalliberalen zu Stande zu bringen, rvobei man den Antisemitismus in den Hintergrund stellt. — —. Der antisemitische „Deutsche Bürgerverein" hielt eine Versammlung behufs der Wahlen von Stadtverordneten.

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