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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-22 · Heft 39 (22.9.1885) · p. Seite 623

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 39 (22.9.1885)
Date
1885-09-22
Page
Seite 623 (sequence 7)
Language
German
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623 finstern Zelotismus imponirenden Charakter Jakob Emdens, der die Ruhe eines gut situirten Privatmannes, die Achtung eines großen Theils seiner Zeitgenoffen preisgiebt, ehe er duldet, daß das Heiligthum seines Glaubens durch fremde Zuthat, durch unreine Lehren entstellt werde. Die selbstlose Hingabe an das allgemeine Beste, wie sie uns noch in der neuen Zeit an dem lange nicht genug gewürdigten David Azulai und Wolf Heidenheim entgegentritt, welche nichts weiter kennen, als die Wiffenschaft ihrer Religion und die Wiffenschaft wieder nur um der Religion willen. Wer vermöchte sich diesem Eindrücke völlig zu entziehen? beschickt wurde. Ein Jahr hernach errichteten die Wiener Israeliten (den Namen Gemeinde zu führen, war ihnen vor dem Jahre 1848 nicht gestattet) eine Religionsschule in Verbindung mit einer zweiklassigen Volks- oder, wie man sie damals nannte. Normalschule. Sie führte jedoch ein sieches Leben und erst mit der Erbauung des Gotteshauses und der Berufung Mannheimers, d. i. seit dem Jahre 1826, besteht eine eigentliche Religionsschule.') Mannheimer selbst führte bekanntlich in der ersten Zeit den Titel Religionslehrer und nicht Prediger. Dieses geschah auch aus dem angeführten Grunde. Da die Wiener Israeliten, wie bemerkt, keine Ge- Freilich ist es noch weit hin, bis diese Erkenntniß allgemein meinde bilden durften, so war es ihnen auch nicht gestattet, durchgedrungen sein wird. Da sind noch viele Private und einen Prediger zu bestellen, wohl aber einen Religionslehrer ganze Gemeinden, welche als Ziel des weiblichen Religionsfür die concessionirte Schule. Mannheimer versah das Amt Unterrichtes das „Dawenen" betrachten und auf die Leistungen. als Religionslehrer bloß drei Jahre. In Folge von lieberder Religionsschulen, wo sie das nicht vollständig erzielt, verbürdung mit Amtsgeschäften, trat er von demselben 1829 ächtlich herabblicken. Da sind noch mehr, welche dem Relizurück. An seine Stelle kam vr. Josef Levin Saalschütz, gionsunterrichte jede bildende Wirkung absprechen. Da sind nachmals Prediger der israelitischen Gemeinde und Proseffor endlich die meisten Lehrer, die ganz planlos aus der großen an der Universität zu Königsberg. Hierauf wurde im Jahre Fülle des Stoffes herausnehmen, was ihnen gerade naheliegt, 1835 Herr Leopold Breuer, bis oahin Erzieher in angeseheohne zu bedenken, daß auch der Religionsunterricht seiner konj nen Privathäusern, zum Religionslehrer ernannt. Dieser verzentrischen Erweiterung und seines Abschlusses bedarf. sah bis zum Jahre 1819 allein dieses Amt. Nachdem jedoch Aber die stets zunehmende Erkenntniß von der Aufgabej durch die Ereignisse des Jahres 1848 die Zahl der Juden der Zeit, die Bereinigung der Fachmänner zu gemeinsamem in Wien sich bedeutend vermehrt hatte, wurde noch ein zweiter Ideenaustausch wird es über kurz oder lang dahin bringen, daß wir nach dem Worte des Propheten „die Herzen der Väter zu den Kindern und die Herzen der Kinder zu ihren Vätern" zurückgeführt sehen werden; daß in dem geistigen Jerusalem, der Vereinigung des idealen Israel wieder nach den Worten Zacharias „sitzen werden Greise und Greisinnen, ein jedes seine Krücke in den Händen wegen der Fülle der Jahre und daß die Straßen der Stadt erfüllt sein werden von spielenden Knaben und Mädchen", und daß die Vereinigung hergebrachter, geoffenbarter religiöser Anschauung mit moderner Bildung, so wunderbar es uns erscheinen möge, doch sich vollziehen werde. _ Wien, im September. Der Religionsunterricht in Wien. In Nr. 34 ver Allg. Ztg. des Judenthums veröffentlichen Sie einen Artikel: „Entwickelungsgeschichte der jüdischen Religionsschule", der eine Lücke enthält. In demselben wird nämlich der Religionsschule in Wien, die doch keinesfalls zu den letzten dieser Gattung gehört, gar nicht gedacht, statten mir. Sie hier diese Lücke auszufüllen und will ick nur bemerken, daß die historischen Daten G. Wolf's Publicationen entnommen sind. Im Jahre 1812 errichtete der bekannte Herz Homberg, Verfasser des „Bne Zion" berüchtigten Angedenkens, eine Religionsschule, die jedoch, wie es scheint, nicht oder nur sehr wenig Religionslehrer, vr. Mandel, bestellt. Dieser fungirte bis zum Jahre 1852 und es kam an dessen Stelle Dr. G. Wolf. Nach dem Ausscheiden Breuers 1857, wurde Herr S. Hammerschlag gewählt, dem 1873 Herr vr. Jonathan Wolf folgte. Inzwischen war jedoch die Zahl der Schüler und Schülerinnen wieder gewachsen und es mußte noch eine dritte Kraft hinzukommen. Nachdem der bekannte Schriftsteller H. Zirndorf eine kurze Zeit provisorisch das Amt versehen hatte, wurde Herr Jonas Jellinek mit demselben 1860 betraut (derselbe begeht am 1. October das 25. Amtsjubiläum). Bald hieraus kam noch eine weitere Kraft hinzu, Herr Prediger vr. Jellinek, der den Unterricht in den obersten Gymnasialklassen ertheilte, dessen Stelle dann vom Rabbiner vr. Güdemann ausgefüllt wurde. Der Unterricht wurde damals sämmtlichen Schülerinnen und den Schülern der Volks-, Bürger- und Mittelschulen (Gymnasien und Realschulen) mit Ausnahme der verhältnißmäßig geringen Zahl der Schüler des Herrn vr. Güdemann in den Localitäten der Religionsschule, im Gemeindehause, ertheilt. Es bestand kein Zwang, daß jeder Schüler oder jede Schülerin die Religionsschule besuchen müsse (Mädchen besuchten überhaupt dieselbe erst seit dem Jahre 1852); aber jene, die 1) Es wurde wohl wiederholt verlangt, daß die Israeliten in Wien eine israelitische Volksschule errichten, doch wollten sie auS socialen Gründen nicht daraus eingehen.

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