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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-15 · Heft 38 (15.9.1885) · p. Seite 609

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 38 (15.9.1885)
Date
1885-09-15
Page
Seite 609 (sequence 9)
Language
German
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609 zum Opfer gefallen und aus der ReichLhauptstadt ausgewiesen worden. AaS Schlesien, 4. September. Schon wieder ist ein israelitischer Cultusbeamte, Koch au in Zülz, ausgewiesen, der fast ein Jahrzehnt in Preußen angestellt war. Auf die Vorstellungen der Gemeinde ist die Antwort ertheilt, daß er bis zum 1. October Preußen verlassen müsse und schon jetzt sich jeder amtlichen Handlung zu enthalten habe. AuS Mecklenburg-Schwerin, 4. September. Aus der Stadt Wittenburg wird folgender Beitrag zur Würdigung christlicher und jüdischer Humanität gemeldet: Vor einer Reihe von Jahren wurde der Sohn des dortigen Kaufmanns Martens von der Confirmation zurückgewiesen, was den Vater veranlaßte, seinen Austritt aus der Wittenburger evangelischlutherischen Kirchengemeinde für sich und seinen Sohn zu erklären. Der Sohn ward später in dieselbe wieder auf- Lehramtskandidaten, der Fürsorge für dienstunfähig gewordene Beamte beziehungsweise deren Wittwen und Waisen und der Subvention schwacher Gemeinden zur Anstelluug qualisizirter Lehrkräfte gipfelt, in intensiverer Weise fortzusetzen und gegründete Hoffnung vorhanden ist, bei noch regerer Betheiligung von Privatpersonen als außerordentlichen Mitgliedernimmer wesentlicher zur Hebung der Gemeinden und ihrer Institutionen beitragen zu können. Der Verband gehört dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund als korporatives Mitglied an und, wenn er mit demselben auch zum größten Theile gleiche Bestrebungen verfolgt, so erscheint seine Sonderexistenz gerade geeignet, die gemeinsamen Zwecke im engeren Bezirke zu fördern und eine größere Anzahl von Personen zu thätigen Mitarbeitern auf diesem sonst so vernachlässigten Gebiete zu machen. Der dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde von der Versammlung entbotene Gruß wurde von dem genommen, auch confirmirt, während der Vater außerhalb Vorsitzenden des letzteren, G. R. Kristeller-Berlin, auf das des Gemeindeverbandes verblieb. Kürzlich starb der letztere, I Wärmste erwidert. Der Bericht des Vorsitzenden der Schul- und die Wittenburger Geistlichen sahen sich nun vor die! inspection, Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, dem eine schwierige Frage gestellt, wie es mit der Beerdigung gehalten gedruckte Uebersicht der im verflossenen Jahre bewirkten Jnwerden solle. Nach Verhandlung mit dem Oberkirchenrath spection von 16 Schulen zu Grunde lag, ließ ersehen, wie zu Schwerin wurde verfügt, daß die Leiche an einem Orte > vieles schon in der verhältnißmäßig kurzen Zeit erreicht woran der Kirchhofsmauer und nicht, wie üblich, in der Lage! den ist, wenn auch noch Mehrere» zu erstreben bleibt. Der von Osten nach Westen, sondern von Norden nach Süden vorgelegte Plan für die im Jahre 1885,86 zu bewirkende beerdigt werden solle. Die Wittwe ließ sich dies noch gefallen und begehrte nur, daß ihr ein Platz neben ihrem verstorbenen Gatten auf dem Friedhofe gesichert werde. Dies wurde ihr jedoch verweigert und zugleich angeordnet, daß Inspection von 26 Schulen wurde genehmigt und den Mitgliedern der Inspektion der Dank für ihre selbstlose Mühewaltung ausgesprochen. Ein Referat des Rechtsanwalts Gutfeld-Ortelsburg über Gemcindeabgaben streifte fast sämmtum das Grab ein Graben mit einem Walle errichtet und j liche Zweige der Gemeindeverwaltung mit Hinweisung aus dadurch, sowie mittelst dichter Bepflanzung eine gänzliche! erforderliche Verbesserungen bei einzelnen Institutionen und Absonderung desselben hergestellt werde. Dazu aber wollte wurde beschlossen, über die von dem Referenten beantragten die Familie sich nicht verstehen. In dieser Bedrängniß er- Resolutionen, mit denen die Versammlung sich schon jetzt im hielt sie nun von der jüdischen Gemeinde das Anerbieten, Princip einverstanden erklärte, in der nächsten Generalverder Leiche auf dem Friedhofe der letzteren eine Grabstelle zu sammlung des Weiteren zu verhandeln und zu beschließen. gewähren und neben derselben auch der Wittwe einen Platz vorzubehalten. Dies wurde mit Dank angenommen und ein Leichengefolge, so zahlreich, wie es Wittenburg noch nicht gesehen, geleitete nun den Verstorbenen zu seiner letzten Ruhestätte. Rastenburg, 2. Sept. (Versammlung des Synagogenverbandcs.) Am 31. August c. tagte hier die fünfte ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens, nachdem am Abende vorher eine Sitzung des Berbandsausschuffes daselbst stattgefunden hatte. Aus dem von dem Verbandsvorstehcr Elösser-Jnsterburg vorgetragenen Berwaltungsbcricht für das Jahr 1884;S5 entnehmen wir, daß dem Verbände nunmehr bereits 42, also mehr als drei Viertel sämmtlicher Gemeinden Ostpreußens, angehören und derselbe in der Lage war, seine Thätigkeit, welche in einer geordneten Schulinspection, der Unterstützung von Die an die einzelnen Vorträge sich anschließende Diskussion war eine äußerst anregende und obwohl, dem Verbandsstatut entsprechend, nur die Delegirten der Gemeinden zur Beschlußfassung berechtigt sind, nahmen an der Diskussion nicht nur diese, sondern auch die außerordentlichen Mitglieder, und darunter mehrere Gemeindebeamte, theil, so daß jeder einseitige Standpunkt vermieden wurde. Der Kassenbericht ergab die erfreuliche Thatsache, daß der Verband ungeachtet eines in Einnahme und Ausgabe mit 1725 Mk. balancirendeu Etats bereits ein Vermögen von 3500 Mk. besitzt. Die Wiederwahl sämmtlicher Ausschußmitglieder sowie des um den Verband hochverdienten Vorstehers bildete den Beschluß der fast sechsstündigen Verhandlungen. An die ernsten Verhandlungen schloß sich ein Festmahl, bei dem in gewohnter Weise ernste und heitere Trinksprüche wechselten. Die Gemeinde Rastenburg, und insbesondere deren erster Vorsteher A. Jakoby 38

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