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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-24 · Heft 141 (24.11.1838) · p. Seite 569

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 141 (24.11.1838)
Date
1838-11-24
Page
Seite 569 (sequence 3)
Language
German
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369 zürntest mir fast, weil ich zu den Lasten eines Königs nicht auch königlichen Genuß hinzu fügte, allein, wer darf sich denn nun rühmen, einen schönem Genuß des Lebens zu haben als ich? Freilich habe ich meine eigenen Ansichten, und finde im Herrschen an und für sich kein Glück, sondern nur in der großem unumschränktem Gewalt, der Mitmenschen Wohl zu fördern. Eine solche Gewalt nur nenne ich königlich, und in dem Sinne bin ich König. Du magst Recht haben, entgegnete Eleazar nur halb überzeugt, allein auch ich hatte Recht auf meine Weise. Wenigstens meinte ich es stets gut mit Dir. Trotz allem innern königlichem Glücke, denk' ich, ist doch nur der eigentlich König, welcher König ist. Ganz recht, lächelte Antipater, aber wer einmal König ist, soll es auch bleiben. Das ist Recht und Gerechtigkeit, und überall anerkannt. Sehen manche Leute nicht schon argwöhnisch und scheel auf mich, weil ich nur königliche Gewalt habe, mag ich sie auch zu den besten Zwecken anwenden. Und was würden sie thun, hätte ich wirklich den Namen hinzugefügt! — Nein, Eleazar, mag es sich immerhin auch nur um einen Namen handeln, so halte ich auch den heilig, denn er ist der Körper menschlicher Gedanken. Du bist uneigennützig, und eine Zierde des Landes, entgegnete der Krieger, allein das wirst Du mir zugeben, daß Du wenigstens für Deine Söhne besser gethan haben würdest , auch den Königstitel anzunehmen. Ist der Herodes nicht ein geborner Fürst? Man darf ihn nur einmal einherschreiten sehen, einmal seine Worte gehört haben. Aber was nützt es ihm, da der Vater ihn nicht an den rechten Platz gestellt hat. Freund, rief Antipater erregt, jetzt sehe ich, »Du vermagst die Worte eben so tapfer zu führen, wie die Waffen. Daran hättest Du mich nicht erinnern sollen; das trifft meine schwache Seite. Ich selbst möchte auf Alles verzichten, wenn ich nur meine Kinder glücklich, und namentlich den wackern Herodes an seinem Platze, wüßte. Oft schon durchdrang der Gedanke ihm den Weg zum Throne zu bahnen, meine Seele wie Feuer, allein die Stimme des Rechtes redet strafend dagegen. Herodes wird nimmer rechtmäßiger König und darum mag er bleiben, wo er steht. Sein und des Landes Glück, beruhen schwerlich, schwerlich darauf, daß seine tapfere schwertgewohnte Hand auch das Scepter ergreift. Aber die Bahn zu Feldherrn-Ruhm will ich ihm eröffnen, das will ich, und dazu reicht meine Macht aus. Dieses Plans gelingen soll meines Lebens höchste Genugthuung sein. Voll innerer Bewegung stand Antipater von seinem Sitze auf, und schaute, auf des Daches Geländer gestützt, in den tiefblauen, vom Lichte der sinkenden Sonne durchglühten Abendhimmel. Seine Gedanken flogen schneller, als der Blick über der Fläche, und kaum bemerkte er, daß sein kriegerischer Freund, dem Antipaters Wein wacker gemundet hatte, einschlafend den geheimen Entwürfen des Feldherrn zunickte. Er lebte für den Augenblick in einer andern, in seiner Gedankenwelt. Aber die gefaßten Entschlüsse setzte er mit Kraft durch. Schon nach dem Verlaufe einiger Monate reiste Herodes als Statthalter in die Provinz Zdumäa ab. Antipater stand herrlich und groß an einem großen herrlichen Ziele, und die Ueberzeugung, recht und edel gehandelt zu haben, zog sich wie Maihimmel so mild und beseligend über sein Leben. Ende der ersten Skizze. Ein Literat«rbrief. Es ist schon öfter darüber geklagt worden, daß in der Gegenwart zu aller Zeit das Mittelmäßige sich zu sehr anhäufe, und das Treffliche selbst zurückdränge. Wenn auch die Zeit ihren Vernichtungskrieg gegen das Ueberflüsiige unermüdet fortführt, das vornweg bei Seite Geschaffte wächst hinterher vervielfältigt aus dem Boden wieder hervor. Die Menschheit erscheint im bewußtlosen Schaffen begriffen, so daß es einer breiten Unterlage des Gewöhnlichen bedürfe, um nur das Ungewöhnliche, das Bedeutsame, das Vortreffliche in die Höhe zu bringen. Und das Schlechte zu vernichten, kostet dann eben so viele Anstrengungen: die welken Gräser, welche der Weg der Schlange zurückgelaffen, wieder zu beleben, bedarf es vieler und kräftiger Sonnenstrahlen. Namentlich im ganzen Bereiche des jüdischen Literaturwesens, ser es in Bezug'auf Theologie und auf Schulwesen, sei es in Betreff der bürgerlichen Angelegenheiten, war es eine natürliche Folge der Entwickelung, daß ein drängen und heranstreben sich einstellte, welches eine Ueberschwemmung des Gewöhnlichen, selbst deö Untauglichen bewirkte, der wiederum eine schon fühlbare Uebersättigung folgen mußte. Indem der Zustand des jüdischen Wesens an die europäische Kultur herangebracht werden sollte, glühte ein Jeder, der einen Schritt nach vorn gethan, sich berWigt, die Anderen noch rückwärts zu vermuthen, und berufen, sie zu sich zu bringen. Wie viele Täuschung, wie viele Selbstüberschätzung mutzte da entstehen! Wie viele Gefahr mußte da eine halbe, eine unreife Bildung, die sich schon stark genug dünkte, nach innen und außen bringen!-Sie sehen, mein Freund, über die Thatsache bin ich mit Ihnen einverstanden. Aber es ist nicht genug der Zeit an den Puls zu faffen, und sie imFieber zu erklären: man muß den inneren Bewegungen nachspüren, vielleicht ergeben sich da Causalmomente für die starken und schnellen Pulsschläge, die den Tadel schwächen," und'dem Connexus eine höhere Bedeutung geben. Mein Freund! Wenn der verborgene, zurückgehaltene Strom des Lebens endlich einmal die Felsrinde durchbrochen, und sich aus der Steinspalte ergießt: wer will da sagen, hierhin! und bis hierher! wer will ihm sein Bette graben, und seinen- Lauf anwei-

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