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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-08 · Heft 37 (8.9.1885) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 37 (8.9.1885)
Date
1885-09-08
Page
Seite 598 (sequence 14)
Language
German
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598 schroffe Aeußerung, welche in der Versammlung einige Un ruhe hervorbrachte, so sprach sich diese doch in mäßiger Form aus und ging schnell vorüber. Die gleiche Verwunderung gab sich betreffs der Versammlung zu Frankfurt (1845) in den öffentlichen Blättern kund. Verliert aber eine solche Erscheinung ihre Neuheit, so hört auch das Erstaunen auf, und die Versammlung in Breslau (1846) begegnete demselben nicht mehr. Gerade hieraus erkennt man die günstige Wirkung jener Versammlungen nach Außen; man gewann in Deutschland, auch in weiteren Kreisen, doch eine ganz andere Meinung von der jüdischen Theologie und deren Vertretern, und allmählich verbreitete fich die Ansicht, daß man es hier mit einer neuen wiffenschastlichen Bearbeitung des Judenthums zu thun und zukünftig mit ihr zu rechnen habe. Bon den Männern, die damals in Braunschweig zusammentraten, leben jeßt außer mir nur noch vier, Formstecher in Offenbach, Heidenheim in Sondershausen, S. Adler in New-Iork und S. Hirsch in Philadelphia. Die anderen deckt der Rasen, aber ihr Andenken lebt in ihren Gemeinden noch heute in vollen Ehren, und mehrere haben sich in der Literatur einen bleibenden Namen erworben. Wenn ich hier nicht Aller er-! Zusammenhänge, während sie in diesem gemildert und begründet waren. Als daher die Protokolle erschienen waren, häuften fich Klagen, Proteste und Berichtigungen über das Haupt des guten Frankfurter, der sich doch seinem Berufe so angestrengt hingegeben hatte. Der Schreiber dieses war besonders schlecht weggekommen. Dies hinderte jedoch nicht, daß zwischen Frankfurter und mir, als ich 1854 in Hamburg wegen der orientalischen Angelegenheit weilte, die freundschaftlichste Begegnung stattfand. Er suchte mir den Aufenthalt alldort so angenehm wie möglich zu machen, sagte mir aber voraus, daß, wie die Dinge in Hamburg lagen, nichts auszurichten wäre. Er hatte Recht. Eine Versammlung der hervorragendsten Männer der Gemeinde war zwar mit meinem Anträge, auch in Hamburg eine Anzahl jüdischer Knaben aufzunehmen, völlig einverstanden, und war über die erforderlichen Geldmittel in vollster Zuversicht; dann aber, als die Ausführung berathen werden sollte, gerieth sie in den heftigsten Streit, den meine und Frankfurter's begütigende Worte nicht zu schlichten vermochten. Und worüber? lieber die Frage, die alsbald erhoben wurde: in welche Schule die Knaben zu bringen wären, in die, in welcher die wähne, so soll dies in keiner Beziehung ein Urtheil über, Schüler das H-bräische mit bedecktem, oder in die, in welcher ihren Werth, ihre Verdienste, ihre Persönlichkeit bedeuten, sie dieses mit unbedecktem Haupte erlernen? Hierüber erhitzte Aus dem Kreise derselben treten uns in der Erinnerung zwei man sich so sehr, daß man sich resultatlos trennte und nicht entgegen, welche sich durch die Feinheit in der Erscheinung einmal den beliebten Ausweg einer Commission einschlug, und ihrem Wesen besonders auszeichnen: Bodenheimer. Ich sah ein, daß hier nichts zu machen sei, daß man, wenn damals Landrabbiner in Hildesheim und Frankfurter, erst der Gedanke zur Thatsache geworden, man in Hamburg Prediger am israelitischen Tempel zu Hamburg. Der Ersterei auf reichliche Geldunterstützung rechnen könne — und reiste erschien wie ein wahrer Prälat in voller Würde und Ge-)ab. — Auch der College Frankfurters, der ältere Prediger meffenheit, verbunden mit herzerfreuender Freundlichkeit. Er am Hamburger Tempel, Gotthold Salomon, war ein stand an der Spitze der Gemäßigten. Aus Köln und Aachen! eifriges Mitglied aller drei Rabbinerversammlungen. Er waren Vorstandsmitglieder in Braunschweig erschienen, mit! war von kleiner Statur, wohlbeleibt, mit vollem runden Geber Absicht, für die vacante Oberrabbinerstelle des Consistorialsichte und etwas stechenden Augen, sanftem, angenehmen, aber sprengels Crefeld, zu welchem auch jene Gemeinden gehörten, nicht starkem Organe. Willig gestand man ihm große Vereine Wahl zu treffen. Sie fiel hernach auf Bodenheimer, dienste zu. Er hatte die jüdische Kanzelberedtsamkeit, die in der sich schnell Ansehen und Wirksamkeit in diesem, von religiös ) Joseph Wolf zu Dessau ihren ersten Vertreter gefunden, in sehr gemischten Elementen bewohnten Sprengel erwarb. Er i eminenter Weise entwickelt, ihr Gedanken- und Formreichthum vollendete auch dort feine anerkennenswerthe Schrift über das! gegeben, und viel dazu beigetragen, die deutsche Predigt .Testament", verfiel aber bald einer langjährigen lähmenden unter den Juden populär zu machen. Auch hatte er eine Krankheit. So ereilte ihn nach verhältnißmäßig kurzer Amvorzügliche Gewandheit in der Polemik bethütigt, gegen Rühs tirung dasselbe Geschick eines frühzeitigen Todes, wie seinen und Fries, mehrere Male gegen Hartmann in dem Ham- Amtsvorgänger Ullmann, den trefflichen Uebersetzer des Koran, burger Tempelstreit, weniger glücklich gegen Bruno Bauer. Frankfurter hingegen war mehr weltmännisch gebildet, eine Mit großem Geschick wußte er Verthcidigung und Angriff so durchaus sympathische Natur, von feinsten Manieren, ruhig, zu gruppiren und in lebhaftem Tone auszuführen, daß er vermittelnd. Man wählte ihn zum Schriftführer, und dies war ein undankbares Geschäft. Stenographen hatte die Versammlung nicht; jeder Redner wünschte seine ganze Auslassung in den gedruckten Protokollen zu sehen. Da nun Alles nur kurz und gedrängt wiedergegeben werden konnte. den Gegner in den Sand streckte. Einen besonderen Ruf besaß er auch in den maurerischen Kreisen und wenn er in der Loge einen Vortrag hielt, war stets eine große Zuhörerschaft versammelt; er ließ auch später einen Band seiner maurerischen Reden drucken. Und doch, wer sollte es glauben, lasen sich hernach viele Aeußerungen schroff und außer dem) hat er niemals improvifirt und memorirt. Bei einem Be-

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