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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-08 · Heft 37 (8.9.1885) · p. Seite 597

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 37 (8.9.1885)
Date
1885-09-08
Page
Seite 597 (sequence 13)
Language
German
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bourg in Paris in die Firma ausgenommen wurde. Im s Jahre 1881 starb Hermann Joseph Baer. Die Pariser Firma i ging in Folge dessen im vorigen Jahre in andere Hände I über. — In eigenem Berlage hat die Firma Dr. I. H. Bender's Handbuch des Frankfurter Privatrechts, desselben Verfassers Handbuch des Frankfurter Civilprozeffes, und dessen Sammlung Frankfurter Verordnungen aus den Jahren 1808 bis 1816; ebenso des Senator vr. Ph. Fr. Gewinner's „Kunst und Künstler in Frankfurt am Main vom dreizehnten Jahrhundert bis zur Eröffnung des Städel'schen Kunstinstituts," nebst Zusätzen. Daneben aber erwarb die Handlung die ganzen Borräthe einer Reihe von Werken aus dem Cotta'schen Verlag in Stuttgart, dem Weidemann'schen Verlag in Leipzig, dem Engelmann'schen Verlag in Heidelberg und dem Carl Hoffmann'schen Verlag in Stuttgart, größtentheils Werke streng wissenschaftlicher Richtung, darunter Autoren wie Fichte, Ranke rc. Um einen kleinen Begriff von dem Umfange der Bücherlager zu geben, sei hier nebenbei erwähnt, daß seit Ausgabe des ersten Katalogs im April 1864 von der Handlung 170 große Fachkataloge und 355 monatliche Anzeiger ausgegeben wurden. Das hiesige Geschäft wird heute von dem schon genannten Sohne Leopold Joseph Baer's: Simon Leopold Baer (ein zweiter Sohn Julius war bereits 1873 gestorben) in derselben umsichtigen, ehrenhaften und thätigen Weise geleitet, welche es bei Vater und Großvater schon aus' zeichneten. Hermann Joseph Baer hinterließ drei Söhne von welcher einer, Sally Hermann Baer, vor drei Jahren hier, ein zweiter, Joseph Baer vor einem Jahre in Paris starb. Der dritte Sohn, vr. Moritz Hermann Baer ist als Anwalt in unserer Stadt thätig. Wir schließen diese Ju> biläumsbetrachtung mit einem herzlichen Vivat,', tloreat'. erssoat'. F. Rittweger. Turek, 16. August. (Literarische Notizen.) Wir haben heute von einer literarischen Novität Mittheilung zu machen: Der agadische „Midrasch Tanchuma" zum Pentateuch von Rabbi Tanchuma ben Abba ist soeben zum ersten Male nach Handschriften aus den Bibliotheken zu Oxford, Rom, Parma und München herausgegebcn, kritisch bearbeitet, commentirt und mit einer ausführlichen Einleitung versehen von Salomon Buber, bei Wittwe und Gebr. Romm in Wilna in 3 Theilen 212, 254 und 265 Seiten gr. 8, erschienen. Außer der umfänglichen Einleitung, welche einen gründlichen Umriß der Geschichte dieses Buches giebt, hat der Cemmentator den Text kritisch festgestellt und zwar ganz besonders durch Angabe der Parallel- oder verwandten Stellen aus den Babyl. und Jerusal. Talmuden, der Tosifta, der Sifra, Siffre der Mechilta, Pesikta, sämmtlicher Midraschim, des Jalkut und sonstiger Citate der Geonim und Rischonim, und den Midrasch commcntirt. Der Stoff ist sidraweise, alphabetisch geordnet. — Wie schon diese so kurze Inhalts» i angabe zeigt, hat der verdienstvolle, geniale Gelehrte die jül dische Literatur bereits mit einer Meisterschaft so vielseitig ■ streng wissenschaftlich bereichert, Daß dieses Werk im Interesse der agadischen Literatur die weiteste, wohlverdiente Berbreii tung finden möge. (Wir kommen auf dieses treffliche Werk i noch zurück. Red.) Moses Feinkind. Jeurltelon. Erinnerangeu. hatten — denn öffentliche Versammlungen waren um diese IV. Was hinsichtlich der Braunschweiger Rabbinerversammlung (1844) in nichtjüdischen Kreisen eine große Verwunderung erregte und in den öffentlichen Blättern mehrfach ausgesprochen wurde, war, daß hier ein Biertelhundert Rabbiner versammelt waren, welche das reinste, correkteste Deutsch sprachen, wenige nur mit Anklang des jüdischen Accents. Man dachte sich damals in Deutschland die Juden, und namentlich die Rabbiner, „mauschelnd." und fand sich nun höchst überrascht, daß aus den verschiedensten Gegenden des deutschen Vaterlandes Rabbiner erschienen waren, die sich so vortheilhast durch ihre deutsche Bildung auszeichneten. Nicht minder machte es einen sehr günstigen Eindruck, die tadellose parlamentarische Ordnung und Sicherheit hier herrschen zu sehen und zwar unter Männern, die noch niemals einer parlamentarischen oder öffentlichen Versammlungen angehört Zeit in den deutschen Staaten noch nicht gestattet, und außer etwa Stadtverordnetenversammlungen durften Juden zu jener Zeit Körperschaften, wie Kreis» und Provinzialständen oder den Landtagen in den drei südlichen deutschen Staaten, in denen solche schon bestanden, nicht angehören. Die Rabbmerversammlungen sind auch nicht einen Augenblick aus ihrer Würde. Ruhe und parlamentarischen Ordnung gekommen, selbst dann nicht, wenn die Debatten einen etwas erregteren Charakter annahmen, wie in Frankfurt bei der Berathung über die hebräische Sprache im Gottesdienste. Befördert wurde dies allerdings durch den Umstand, daß, da die Orthodoxen auch nicht mit einem einzigen Vertreter erschienen waren, die Versammelten im Grunde einer Richtung angehörten und sich nur hinsichtlich des Details in ihren Meinungen schattirten; man konnte höchstens extreme und gemäßigte Reformer unterscheiden. Fiel, wie es den Rednern in der Hitze ihrer Expectoration leicht begegnet, irgend eine

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