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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-08 · Heft 37 (8.9.1885) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 37 (8.9.1885)
Date
1885-09-08
Page
Seite 599 (sequence 15)
Language
German
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599 suche in M. sagte er mir geradezu, daß ihm das Memoriren seiner Predigten unmöglich sei und er lieber jede Art von Arbeit vorziehen würde. Er las also ab, jedoch auf eine so geschickte Weise, daß es nur der bemerken konnte, der auf einer Galerie über der Kanzel sich befand. Er schrieb seine Rede auf ein Papier von geringem Format in kleinster, zierlichster jüdischer Cursivschrift, und sein scharfes Auge that das Uebrige. Seine Reden in der Rabbiuerversammlung machten stets Eindruck, da sie gedankenreich, präzis und mit Sarkasmen gewürzt waren; aber auch hier hatte er die Hauptstellen seines Vortrags auf ein Papier geworfen, das er, indem er die Arme über die Brust kreuzte, lose in der einen Hand hielt. Mir mußte er eigentlich näher stehen, da er ein Freund meines sel. Vaters gewesen, deffen Biographie er in einer eigenen Schrift geschrieben hatte und unser Vormund war. Jndeß, da er bald darauf zum Prediger am Hamburger Tempel gewählt worden, veranlaßte il)u diese letztere Eigenschaft nicht, sich um uns zu kümmern. In einer Abhandlung über die jüdische Homiletik hatte ich eine ganz allgemeiu gehaltene tadelnde Bemerkung gemacht, bei welcher ich auch nicht im Entferntesten an Solomon gedacht, und doch bezog er sie auf sich und richtete in der Vorrede zu seinem „David" die härtesten Vorwürfe gegen mich. Ich antwortete durchaus maßvoll; aber er scheint es mir nachgetragen zu haben. Er benahm sich auf der Versammlung sehr kühl gegen mich, und im folgenden Jahre erließ er anonym ein Pamphlet gegen mich, worüber mau jedoch so entrüstet ward, daß der eigene Verleger sich bei mir entschuldigte, er habe von dem Inhalt keine Kenntniß gehabt, und sich erbot, eine Gegenschrift zu verlegen, was ich jedoch ablehnte, da ich der Sache keine Bedeutung beilegte. Dennoch feierte ich ihn bei seinem 25 jährigen Amtsjubiläum in einem großen Leitartikel, von welchem ich ihm einen Prachtabzug übersandte. Auch widmete mein älterer Bruder dem Leben und Wirken Salomon's das dritte Hest seiner „Biographischen Skizzen", die ich durch das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" herausgab. Bei meinem Aufenthalte in Hamburg machte ich ihm, der schon leidend war, einen Besuch, bei welchem er mir mit großer Befriedigung die vielen schönen Zeichen der Anerkennung und so! wohl verdienten Verehrung vorzeigte, die ihm zu seinem i Jubiläum geworden. Darunter befand sich besonders ein Album, zu welchem viele bedeutende Männer Deutschlands, darunter auch christliche Theologen, Beiträge geliefert hatten. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Ty| werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- Xlldd uC folgende'Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Budolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Lehrlingsgesuch. Für mein Tuch-, Herrenu. Knaben | Coufcctions - Geschäft suche ich per 11. Octbr. a. c. einen Lehrling bei volln ständig freier Station und Wohnung. Julius Friede, Cottbus. i Ein Lehrling für Fellu. Produkten- (Jesehäft findet mit freier Station zum 1. Octoder Stellung bei [B.3985! R. Wertheim, Stralsund. | Eine mit guten Zeugnissen versehene gepr.! Erzieherin (musikalisch.-, sucht zum i.Öclbr. i oder früher ein Engagement anzutrcten. Refereuzen ertheitr Herr Rb. Dct. Gold schmidt, Colberg. [L.c-2602 Zu den bevorstehenden Festtagen empfehlen wir von Neuem: Schire beth Jaäcob. Israelitisches Schul- und Gemeinde-Gesangbuch Gebrauch beim Unterricht in der Liturgie und beim Öffentlichen Gottesdienste herausgegeben von Ij. Liebling und R. Jacobsohn ehern. Cantor in Ilambnrg. Cantor in Leipzig. Preis gebunden 2 Mk. 40 Pf. Zur selbstständigen Führung eines nur aus einem altern Ehepaar bestehenden, jüdischen Hausstandes auf dem Lande, wird, da die Hausfrau leidend, eine altere Dame zum sofortigen Eintritt gesucht« Offerten mit Zeugniffeu über bisherige Führung unter H. 1987 an Kndolf Waffe, Leipzig erbeten. [L.2*99 (In elegantem Einband zum Gebrauch in der Synagoge 2 Mk. 60 Pf.) Herr Cantor B. Jacobsohn ist zur Zeit mit der Ausarbeitung einer Partitur zu der Instrumentalbegleitung der in dem Werke befindlichen Gesänge beschäftigt und wird diese Partitur in einiger Zeit erscheinen. Das schon jetzt vielfach eingefuhrte Buch ist durch jede Buchhandlung zu beziehen. Sollte bei einer Neucinfiihrung desselben in einer Gemeinde oder Schule eventuell eine vorherige Rücksprache sich als wünschenswerth erweisen, so wolle man sich gefl. an Herrn Cantor Jacobsohn in Leipzig, An der Pleisse 9 f I, wenden. LEIPZIG. BAUMGÄRTNER’S BUCHHANDLUNG.

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