Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1885)
- Date
- 1885-09-08
- Page
- Seite 586 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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586 ernsten Festtage, zu einer ebenso das Gemüth wie den religiösen Geist fesselnden Feier eingesetzt und zugleich mit ihm erhabene Feste in Verbindung gebracht hat. Mögen wir Alle diese in rechter Weise, mit ganzer Seele und vollem Herzen benutzen und mit den Unsrigen in Liebe und Erhebung begehen! Zählen wir unsere Jahre und werden wir weisen Herzens! Friede! Und wenn in dem verflossenen Jahre weder für die Menschheit, noch für Israel der Friede, der ersehnte, vorhanden war, vielmehr der Kampf zwischen den Nationen und im Innern derselben in den verschiedensten Gestalten fortdauert, nnd die Feinde Israels nicht müde wurden, es zu befehden und zu bedrängen — so wollen wir um so mehr den Frieden pflegen in unseren Gemeinden, in unseren Familien und in den Kammern unserers Herzens. „Friede dem Fernen und dem Nahen!" „Es sei die Liebe des Ewigen unseres Gottes über uns und festige das Werk unserer Hände an uns, das Werk unsrer Hände festige er!" Vom Lapidarstyl iu der Dibel. bildete sich der Gegensatz zum Lapidarstyle immer mehr aus, und je weiter wir in der h. Schrift selbst kommen, desto mehr wird die Ausführlichkeit, die Angabe der Motive und der Wirkungen, das Spiel der Phantasie und die Betrachtung des Verstandes in die Niederschrift eingeführt — wenn auch alle aus den ftüheren Zeiten stammenden Schriften noch weit entfernt sind von der Ausführlichkeit und Weitschweifigkeit der modernen Darstellungsweise. Während der Lapidarstyl dem Leser überläßt, an der Hand des Hauptsächlichen alles Nähere selbst zu denken, aus der kurzen, gedrängten Dcittheilung alles Weitere selbst zu folgern und aufzufinden, ist man dahin gekommen, dem eigenen Denken und der Phantasie des Lesers garnichts mehr zu überlassen und ihm selbst das Detail des Details nicht zu ersparen. Der Lapidarstyl hat in seiner Einfachheit etwas Großartiges und sehr Wirksames. Was er giebt, steht da, wie ein unerschütterliches Monument, das aus! den Fluthen der Zeit, aus dem Sande des Gewöhnlichen! hervorragt, und den Blick aller Borüberziehenden fesselt, der > ungestörter auf ihm ruht, weil er von anderen Dingen nicht! abgezogen wird. Dies übt einen großen Reiz durch alle i Jahrhunderte hindurch aus, und so lebhaft wir auch wünschten. Ein Leser dieses Blattes ersucht uns, da er in demselben! noch vieles Nähere über den betreffenden Gegenstand zu wissen, und auch anderswo bisweilen von dem in der Bibel häufigen I sg möchten wir doch um keinen Preis diese einfache und edle Lapidarstyle sprechen gehört, um eine nähere Erklärung und > Gestaltung verändert sehen. Diese im Lapidarstyle verfaßten Auseinandersetzung des Sinnes dieses Ausdruckes. Wir ver-1 Mittheilungen geben den Jahrhunderten, geben den vorzügsuchcn, diesem Wunsche zu genügen. Unter Lapidarstyl ver-Wichsten Geistern Stoff zu deuten und zu erklären, und von sieht man ursprünglich die Ausdrucksweise, deren sich die In-! ihm aus mit Scharfsinn die verdeckten Fluren alter Zustände schriften (von l^uxis, Stein) bedienten und wegen des beschränkten i und Begebenheiten zu durchsuchen und soweit es möglich ist, Raumes bedienen müssen. Ueberall also, wo die Thatsachen j aufzudecken. Selbstverständlich beschäftigen ausführliche. nur kurz und bündig angegeben, die Gründe höchstens angedeutct, jede nähere Beschreibung, jedes Eingehen in die Details > vermieden ist, wo eben nur das Faktum in einfacher, concentrirter,! aber bestimmter Weise zum Ausdruck kommt, sagt man, daß! hier im Lapidarstyl geschrieben ist. Und dieser ist es, dem wir in einigen Theilen der h. Schrift begegnen. Es ist dies namentlich in den älteren Theilen derselben der Fall, und kann deshalb für ein Kriterium des Alterthums gelten. Die Inschriften auf Tafeln oder sonst an Monumenten, auch an Felswänden, sind eben das älteste Mittel zur Ueberlieferung detaillirte Schilderungen Einbildungskraft und Gefühl weit mehr, aber die Wirkung verliert sich auch schneller, während die Ereignisse, die uns in jenem überliefert werden, sich dem Geiste unverlöschlich einprägen. Der Lapidarstyl kümmert sich nicht im Geringsten um das, was Du dabei denkst und fühlst; er sagt Dir kaum durch eine Andeutung, was Du dabei denken und fühlen sollst; sein Gegensatz aber spricht hiervon zu viel, und es verwischt sich dies deshalb aufs Leichteste. Natürlicher Weise blieb der Lapidarstyl nicht immer innerhalb! seiner grandiosen Grenzen; oft daher finden wir ihn mitten und Verewigung der Geschehnisse gewesen. So treffen wir! in mehr ausführlichen Schilderungen, oder schon übergehend in die Aufrichtung solcher Tafeln mit Inschriften auch an mehreren Stellen der Schrift an'). Mit der Erfindung größeren Materials und passender Werkzeuge hatte man das Mittel, um ausführlichere Berichte, umfangreichere Mittheilungen, Beschreibungen und Reflexionen niederschreiben zu können. Mit der größeren Bequemlichkeit und Leichtigkeit des Schreibens dehnte sich daher auch der Styl aus, die Lust am Beschreiben und an der ausführlichen Rede wuchs, und so entstand und 1) Z. B. 2. Mos. 24, 22. 5. Mos. 27, 2. Jos. 24, 26. Jes. 30, 8. Habak. 2, 2. diese, bis er allmählich ganz verschwindet. Doch es ist Zeit, durch einige Beispiele den Gegenstand zu verdeutlichen. Wir wählen da zuerst die Geschichte Kains und Abels (1. Mos. 4.). Nach der Geburt der beiden Söhne Adams heißt es: „Da ward Hebel ein Schafhirt und Kain ward ein Landbebauer." Es ist leicht zu erkennen, daß mit diesen einfachen Worten der Eintritt der Menschen in getrennte Berufsarten, in die Verschiedenheit der Thätigkeit angedeutet werden soll, welche nicht blos bei den Individuen stehen blieb, sondern die Bölkerstämme von einander trennte.