Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 575 (sequence 7)
- Language
- German
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575 der Fall sein könnte. Daher sind Bauern und Arbeiter um! stimmungen des Talmuds und Schulchan Aruch. Wir wollen so mehr zum Egoismus geneigt, als sie von ihrer Wichtig-1 allerdings nicht mit denselben Waffen kämpfen, deren sich keit überzeugt sind. Der Jude, in dessen Brot der Arbeiter j unsere Gegner bedienen, wir wollen, geleitet von dem als steht, dem der Bauer seine Produkte verkauft, gilt ihm als > Grundsatz unserer Religion anerkannten Gesetze: „Du sollst Müßiggänger, der sich vom Schweiße des Armen nährt. Weil, lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst" uns nicht bekehren er in jedem Besitzenden einen von der Vorsehung widerrechtzu dem rohen Egoismus unserer Gegner, welche ihre Ratiolich Bevorzugten sieht, so sieht er in dem Juden erst recht j nalität und ihren Stand als ausschließlich herrschend prokladie Drohne in dem großen Bienenstöcke, welcher die Welt miren, wir meinen von der religiösen Anschauung ausgehend, bedeutet, zumal ihm alles das von der Kanzel herab welche ja auch philosophisch gerade in neuester Zeit wieder wie in den Volksversammlungen und Zeitungen unzählige zur Geltung gekommen ist, daß das Heil der Welt der Mal vorgepredigt wird.; Zukunft, daß der Kampf Aller gegen Alle der Vergangenheit Ja! Könnte man mit gleichen Waffen kämpfen, wäre angehört und das kommen wird die Zeit, in der man bees den Juden gestattet, in gleicher Form Bilder aus dem greifen wird das im Talmud und Midrasch so oft ausgc- Leben des Clerus und des Adels zu geben, dürsten die Jusprochenc Wort: den ungescheut die Genesis des Lanfundenbesitzes enthüllen, :r3~: p-no jo dann würden Arbeiter und Bauern noch ganz anders zum daß das Heil der Welt ist Friede, auf gegenseitiger Rechts- Haffe gegen diese Herren gestimmt sein, als sie jetzt gegen achtung beruhen; dann wird sich auch erfüllen an uns das die Juden eingenommen sind. Die Lehren, welche man durch Wort des Psalmisten: der Herr segnet sein Volk mit trockene Aneinanderreihung von Thatsacken gewinnen kann, Frieden, würden viel eindringlicher wirken, als die vermeintlichen Be- %cWt H lCJ IWCLcijzicij Xc VI. Deutschland. Berlin, 20. August. (Privatmitth.) Seit Monaten ist die Ausweisung russischerUnterthanen aus Preußen ein stehender Artikel der Zeitungen. Sie zählen die polnischen Arbeiter und Handwerker, ja Studenten auf, die ausgewicsen werden, die Arbeitgeber, welchen dadurch Arbeitkräfte entzogen werden u. s. w. Die Staatsregierung selbst hat im Landtage auf eine Interpellation als Motiv angegeben, daß durch jene Polen die Polonisirung der Ostprovinzen gefördert, die Germanisirung verhindert werde. Zeitweise wurde sogar betont, daß weniger Juden von dieser Maßregel betroffen würden. Demungeachtet nahmen sog. liberale Blätter Berlins die Auslaffungen der als fanatisch-antisemitisch bekannten „Nowoje Wremja" auf, in welcher die Urtheile russischer Beamten in Berlin eine Hauptrolle spielen, und die dahin lauten, daß die Ausgewiesenen entweder in der Mehrzahl', oder Alle Juden sind, ja daß der ganze Lärm von Juden ausgeht und die preußischen Juden wünschten, daß die ausländischen Juden ausgewiesen werden. Weder die „Nationalzeitung," noch die „Vossische Zeitung", die doch bis jetzt ganz anders berichteten, machen hierzu die geringste Gegenbemerkung. Im Gegentheil, die erstere meint, jene russischen Beamten und ihr Berichterstatter sind jedenfalls im Stande, „ihre Mittheilungen zu vertreten." Es ist offenbar, daß von Seiten Rußlands gegen diese Maßregel Preußens nichts eingewendet werden soll, vielleicht im Einverstandniß beider Regierungen sind getroffen worden. Die russischen Beamten wollen daher dem Vorgehen Preußens eine wesentliche Bedeutung absprechcn, und das Bequemste ist dann. Alles aus die Inden zu wälzen. Naiv ist cs, daß die „Nationalzeitung" gleich darauf mitthcilt, daß aus dem Kreise Jnowrazlaw 700 russische Unterthanen ansgewiesen worden — und das sind doch wahrlich nicht blos Juden. Berlin, 21. August. (Privatmitth.) Hinterdrein ist die „Vossische Zeitung" doch zur Besinnung gekommen. Vom 20. d. berichtet sie, daß soeben aus der Stadt Posen 180 Personen, zumeist Handwerker, ausgewiesen worden, auch der Rittergutsbesitzer Heinrich v. Potworowski, welcher Garde- Artillerie-Ofsizier der Reserve ist und als solcher den Feldzug gegen Frankreich mitgcmacht hat. Dazu fügt die „Vossische Zeitung" hinzu: „Wir geben es den Auskunstsgcbern der „Nowoje Wremja" anheim, ihre Auslaffnngen mit diesen Angaben in Uebereinstimmung zu bringen." Dies hätte sie gestern schon und zuvor aus ihren früheren Berichten bemerken können. Aber eine Auslastung gegen die Juden, wenn sie von Anderen gemacht wird, schlägt man nicht gern ab. Sicher ist, daß alle Stände, Berufsarten und Confcssioncn ihr Contingent zu den Ausgewiesenen stellen. Die Auslastungen jener russischen Beamten in Berlin sind also völlig aus der Luft gegriffen. Berlin, 23. August. (Privatmitth.) Das Bravourstück der Nationalzeitung und der Vossischen Zeitung, die Aus-