Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 573 (sequence 5)
- Language
- German
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573 Aehnlich war es mit dem Gewerbegesetz, das hauptsächlich ergeben hat, daß zur Ausübung der für handwerksmäßig erklärten Gewerbe der Befähigungsnachweis erforderlich sei. Auch hier richtete sich die Spitze des Gesetzes hauptsächlich gegen die Juden, welche, wie man sagte, als Confectionäre und Fabrikanten durch unreelles Geschäftsgebahren das Kleingewerbe ruiniren. So wurde bei jeder Gelegenheit der Zündstoff in das Volk getragen, und man kann sich wahrlich wundern, daß Ausbrüche der Bolksleidenschaft gegen die Juden nicht intensiver ausgetreten find als bisher. Wäre die Sache abgethan, so könnte man sich zufrieden geben; aber leider sind die Anzeichen vorhanden, daß es schlimmer werden wird. Zunächst haben die Clericalen erklärt, daß sie die Schulnovelle nur als Abschlagszahlung betrachten, sie wollen die confesfionelle Schule mit dem Katecheten als Schulleiter und dem Dechanten als Schulinspector, und, wenn sie auch das in absehbarer Zeit nicht erreichen können, so hoffen sie doch für ihre der Regierung zu leistenden Dienste eine neue Abschlagszahlung zu bekommen, die sie ihrem Ziele, die Juden aus allen Zweigen der Staatsverwaltung zu verdrängen, näher bringen soll. doch leicht Gelegenheit zu politischen Manifestationen, er begann auch für unverfälschtes Deutschthum zu streiten; Schönerer wurde in den Centralausschuß gewählt; Abgeordneter vr. Weitlof. dem die Aufgabe zusiel, den Schulvereiu, dessen Präsident er ist, im Reichsrath zu vertheidigen, hob hervor, daß der Schulverein eine Nothweudigkeit sei, damit in den gemischtsprachigen Ländern nicht ausschließlich Juden zullnterofsiciern befördert werden sollen, und endlich hat sich in Wien eine akademische Ortsgruppe des deutschen Schulvereins gebildet, welche in ihr Statut einen Paragraphen aufnahm, daß kein Jude Mitglied werden dürfe. Um ihren Standpunkt gleich von vornherein zu kennzeichnen, hatten die Gründer nur die „Deutsche Zeitung" geladen, alle andern Blätter aber als Judenpresse ausgeschlossen. Nun ereignete sich aber das Ungeheuerliche, daß die Nase des auf diese Einladung hin erschienenen Vertreters der Deutschen Zeitung gar nicht indogermanisch aussah und der arme Reporter wurde sofort hinausbefördert. Die Folge war nun allerdings, daß der Vereinsobmann vr. Weitlof einige väterliche Ermahnungen an die Studenten richtete, welche versprachen, diesen Paragraphen nach den Ferien noch einmal in Bera- Die Nationalen, besonders die Deutschen, müssen danach zu ziehen, da sie ihrerseits von diesem einstimmig streben, ihre Ideen immer schroffer zum Ausdruck zu bringen,! gefaßten Beschluß nicht abzugehen vermöchten. Also dieser je mehr sie sich von dem Ziele ihrer Wünsche, die Regierungsgewalt wieder in die Hand zu bekommen, entfernt sehen. Die Wähler selbst verlangen immer lauter „Männer von der schärferen Tonart", wie man das nennt, d. h. Männer, deren politisches Wirken einzig und allein das nationale Moment umfaßt. Derartige Männer müssen auf der Säuberung der Schulverein, der in hervorragender Weise von Juden unterstützt wird, gründet antisemitische Ortsgruppen, unterhält Schulen an Orten, wo jüdische Schulen mit deutscher Unterrichtssprache bestehen, stellt keinen jüdischen Lehrer an und läßt.keinen jüdischen Religionsunterricht ertheilen. Alles um nur nicht den Schein der Judenschule zu erwecken. Das deutschen Partei bestehen, sie sind also, wenn auch nicht dem i ist also die deutsche, den Juden zunächst stehende Partei, der Namen, so doch der Sache nach, Antisemiten. Das hat man i die meisten jüdischen Abgeordneten angehören, dem zuletzt in den Reichsrath entsendeten vr. Knotz, dem Mit den andern Nation alp artcien sieht es um kein Jota Abgeordneten von B.-Leipa oder wie man jetzt mit Hinweg-! besser aus. Bon ihnen stehen die Slovenen und die Jtalassung des fatalen Wortes „Böhmisch" sagt, dem Abgeord-, liener durch die Natur der Verhältnisse der Judenfrage ganz neten von Leipa, gesehen, der in der letzten Saison die rohesten j fern, obwohl die Ersteren ihrem Haß gegen Liberalismus Ausfälle gegen die Juden geleistet hat. Außerdem wird und centralistische Politik auch gelegentlich durch Angriffe aui Schönerer mit seiner drei Mann starken Armee, dem alle > die Juden Luft machen. Die Ruthenen sind wieder ihrerseits Vertreter des deutschen Volkes nur „Auch-Deutsche" sind, wie! so sehr bedrückt, daß sie fremde Angelegenheiten gar nicht bisher gegen die allgemeine Verjudung ankämpfen und die auf sich wirken lassen. Hingegen sind die Polen, die ver- Männer von unbestimmter politischer Färbung, wie der wöhnten Kinder Europas, deren phrasenhaften Patriotismus Schneidermeister Kreuzig, der Advocat Dr. Lueger, der Magerade ein Dichter jüdischer Abstammung so ausgezeichnet gistratssecretär vr. Kronawetter, die als Demokraten gewählt persiflirte, während die deutschen Dichter sie unausgesetzt sind, werden ihm wacker sekundiren.! feierten, die erbittertsten Gegner der Juden, wo ihnen diese Dann steht zunächst der deutschen Partei der deutsche jnicht in der Unterdrückung der Deutschen und Ruthenen bei- Schulverein, von den Juden in hervorragender Weise unter-; stehen. Trotzdem die Juden sich stetig polonisiren, werden sie stützt, der immer mehr und mehr in das Fahrwasser „der von den Polen als Fremde verfolgt und bei jeder Gelegenheit schärferen Tonart" und des Antisemitismus hineinsegelt. Ter! in beleidigendster Weise zurückgesetzt. Die Schulnovellc, welche deutsche Schuloerein ist hauptsächlich gegründet worden, um den jüdischen Lehrern an vielen Orten Galiziens die Aussicht den deutschen Minoritäen in gemischtsprachigen Orten Schulen: eröffnet», Schulleiter zu werden, weil dort oft die jüdischen zu verschaffen. Obwohl also kein politischer Verein, giebt er! Schulkinder die Majorität bilden, durfte aus Galizien keine