Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 36 (1.9.1885)
- Date
- 1885-09-01
- Page
- Seite 570 (sequence 2)
- Language
- German
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570 da die jüdischen Meister ein dürftiges Dasein führen, daß die jüdische Jugend sich immer weniger zum Handwerk angezogen fühlt. Die Wiener Allianz giebt eine jährliche Subvention von 2500 Fl. für 25 jüdische Handwerkszöglinge, die jedoch bei jüdischen Handwerkern untergebracht, ihren christlichen flußreichsten und begütertsten jüdischen Grundbesitzer Podoliens zu verdanken, welcher sich bald mit aller Wärme für die Sache erklärte. Als wir nun der Mitwirkung des Herrn Kimmclmann sicher waren, begaben wir uns, nachdem ich voraus noch in Stanislau und anderswo diesbezügliche Anregung Collegen dereinst nicht gewachsen sein werden. Als einziges gegeben hatte, nach dem in Podolien gelegenen Marktflecken Mittel zur Hebung und Verbreitung des Handwerks unter den galizischen Juden empfiehlt sich deshalb die Errichtung vorerst wenigstens einer eigenen, mehrere Werkstätten umfassenden Handwerkerschule für jüdische Zöglinge. Hierfür ist ein sprechendes Muster in der nur für Christen bestimmten Handwerkerschule in Drohowize aufs Glänzendste gegeben, welche vom Grafen Skarbeck mit seinem ganzen koloffalen Ber-! mögen gegründet worden und 5 —600 Kinderbeiderlei Geschlechts aufnimmt, in einer Volksschule unterrichtet und dann die Knaben in den Werkstätten zu den tüchtigsten Handwerkern ausbildet. Der Lehrplan ist ein über alle Fächer ausgedehnter, und wenn die Zöglinge entlasten werden, erhalten sie Borfchüste zu ihrer Wanderschaft, zu einschlägigen Werkstätten und Fabriken. Will man also den gänzlichen Ruin des jüdischen Handwerkerstandes verhüten, so muß eine Anstalt nach diesem Muster errichtet werden, in welcher ein Internat für 50—100 Zöglinge eingerichtet und externen Zahlungsfähigen Aufnahme gestattet werde. Die Unterhaltung würde jährlich circa 16—18000 Fl. kosten, welche sich später bei Berwerthung der producirten Maaren stark vermindern würden. In dem Berichte heißt es: „Fände sich doch ein jüdischer Skarbek, der für seine unglücklichen galizischen Glaubensgenossen eine hochherzige Stiftung zur Gründung einer Handwerkerschule machen würde, er würde sich ein unsterbliches Verdienst erwerben und es könnte unverzüglich mit der Schöpfung begonnen werden." Uebrigens bietet die Bernstein-Stiftung und die bereits von der Allianz gewährte Subvention wenigstens 6000 Fl. jährlich zu diesem Zwecke, so daß nur höchstens noch 12 000 Fl. zu beschaffen wären. Noch intereffanter ist, was der Bericht des Herrn Fried Länder über die Förderung des Ackerbaues sagt, und wir geben deshalb diese Stelle des Berichtes wörtlich wieder: „Ich habe auf meiner diesjährigen Reise mein Haupt- Ulaszkowce, woselbst fast sämmtliche jüdischen Grundbesitzer Podoliens zur Besprechung und definitiven Beschlußfassung versammelt wurden. Es muß hier anerkennend hervorgehoben werden, daß Herr Diamond die weite und in der Julihitzc höchst beschwerliche Reise nicht scheute, um mich mit seinem anregenden Eifer in meiner Mission zu unterstützen. Unsere Sendung hatte denn auch überraschenden Erfolg. Unterstützt von dem für die Sache glühenden Herrn Kimmelmann, welcher sich bereit erklärte, 30 Knaben aufzunehmen, wurden in wenigen Stunden sämmtliche anwesende jüdische Oekonomen dermaßen für unsere Intentionen erwärmt, daß 30 derselben sofort erklärten, zusammen 248 Kinder aufzunehmen und sich alle Mühe geben zu wollen, sie zu arbeitsamen Ackerbauern heranzubilden. Das mit diesen Oekonomen getroffene schriftliche Uebereinkommen lautet: Ulaszkowce, den 7. Juli 1885. „Die heute hier am Markte zu Ulaszkowce versammelten „gefertigten Gutsbesitzer und Pächter begrüßen freudigft die „von Seite der „Israelitischen Allianzzu Wien angeregte „segenverheißende Idee betreffs Zuführung jüdischer Knaben „im Alter von 15 Jahren und aufwärts zum Ackerbau in „der Weise, daß Jeder von uns eine Anzahl von etwa 10 „Knaben übernehmen, für deren Erhaltung („Ueberwachung in moralischer") und religiöser Beziehung sorge; wogegen die Allianz die Bekleidung und den Unterricht in den entsprechenden Gegegenständen aus Eigenem zu bestreiten haben wird." „Wir wollen gerne die religiösen Uebungen der uns an- .vertrauten Kinder sorgfältig überwachen und sie an den ,Sabbathen und sonstigen jüdischen Feiertagen von jeder .körperlichen Arbeit fern halten" (Folgen die 30 Unterschriften.) Dieser in Ulaszkowce unter großer Begeisterung gefaßte Beschluß wurde nicht blos von den in dieser Beziehung gcaugenmerk diesem Gegenstände gewidmet und denselben, wo.' wiß maßgebenden Oekonomen selbst, sondern auch von allen, hin ich kam, in Anregung gebracht. Meine in Galizien ge-! um die Zukunft ihrer heimathlichen Glaubensgenossen besorgten wonnenen Erfahrungen sagten mir jedoch, daß wir dieses j galizischen Juden mit Freuden begrüßt und verspricht man sich sehnlich angestrebte Ziel nur dann erreichen werden, wenn es' allenthalben von demselben eine gründliche Besserung der begelingt, die jüdischen Grundbesitzer und Pächter dieses Landes stehenden traurigen Verhältnisse. dafür zu gewinnen, daß sie Knaben im Alter von 15 Jahren Unsere Aufgabe wird es nun fein, möglichst bald Ciraufwärts in Gruppen von etwa je 6—10 aufnehmen, um sie culare an die galizischen Gemeinden zu richten, mit der Aufzu tüchtigen Feldarbeitern heranzubilden. Unser bewährtes forderung, arme arbeitsfähige, mit einiger Schulbildung bereits Mitglied Herr Diamond in Lemberg, hat mich auch in dieser! ausgerüstete Kinder (Ausnahmen wären allenfalls zulässig) Richtung auf das Kräftigste unterstützt. Seiner Vermittelung I auszusuchen, um uns das nöthige Material für den Ackerbau ist die Gewinnung des Herrn Kimmelmann, eines der einj zuzuführen.