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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-09-01 · Heft 36 (1.9.1885) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 36 (1.9.1885)
Date
1885-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 111) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buch- Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippjon in Bonn. GZepeörLron: Leipzig, Woßplerh 18. In redaktionellen Angelegenheiten > wende man sich an vr. Philtppson in j I Bonn direct, in allen übrigen an die! I Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr , 12 M.) find gleichfalls an letztere j I einzusenden. j 49. Juhrgaug. Leipzig, den 1. September 1885. JS&. 36. Inhalt. Leitende Artikel: Das galizische Werk. — Nationalitätsgekühl und Sozialpolitik im Kampfe gegen das Judenthum. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Dresden, Aus Württemberg. Posen, Hellbraun. Aus Baiern, Aus Schlesien. — Oesterreich-Ungarn: Aus Ungar». — Rumänien: Bukarest. — Frankreich: Paris. — Bonn: Notizen. — Boun: Llterarifche Notizen. — Feuilleton: Ein Stöckerscher Bortrag. — Vermischtes. jici-tcvu*« €Xzti&e(.; Bonn, 26. August. , Das galizische Werk.! Im Herzen Europas liegt das österreichische Kronland Galizien, das Land der Polen und Ruthenen, mit einer jüdischen Bevölkerung von mehr als 800000 Seelen. Diese ist es, welche unsere Aufmerksamkeit und Theilnahme im hohen Grade auf sich zieht. Aus den geschichtlichen Verhältnissen heraus haben sich dort Zustände entwickelt, aus welchen sich die dortigen Juden noch nicht herausarbeitcn konnten, und welche für sie und alle ihre Glaubensgenossen im Westen sehr bedrohlicher Art sind, wenn nicht energische Hülfe geleistet wird. Die Unwissenheit und die Armuth herrschen bei ihnen in erschreckendem Maße. Die erstere wird durch die fanatische Orthodoxie, noch mehr durch den aberwitzigen Chassidismus mit allen Mitteln festgehalten; die Armuth wird durch die, von jener genährte Unbeweglichkeit der Juden immerfort vermehrt, da sie hinter der fortschreitenden christlichen Bevölkerung Zurückbleiben und neue Wege des Erwerbes aufzufinden nicht verstehen. Die neuerdings erlassenen Gesetze hinsichtlich des Geldhandels und der Schankwirthschaft, so wohlthätig sie für das Allgemeine wirken, haben die Erwerbsfähigkeit! vieler Juden gelähmt, und dadurch früher wohlhabende Familien heruntergebracht. Die „Wiener Allianz" hat die Dringlichkeit erkannt, daß hier eine Besierung zur äußersten Nothwendigkeit geworden, und wiederholt Erhebungen über! die wirklichen Zustände und die Mittel zur Hebung der jüdischen Masse in intellectueller und volkswirthschaftlicher Beziehung veranstaltet, welche mit Hilfe einiger einsichtsvollen und eifrigen Männer Galiziens sichere Resultate ergaben. So sandte sie jüngst ihren Secretair, Herrn M. Friedländer, einen Mann, der alle seine Kräfte dieser schwierigen Aufgabe mit voller Hingebung widmete, nach Galizien, wo er vier Wochen lang das Land durchreiste, mit den besten Männern in vielen Gemeinden sich berieth, überall den Eifer für die gute Sache entzündete, und wo er es vermochte, auch bereits Hand anlegte. Das desfallsige Programm der Allianz besteht in: 1) Errichtung von Schulen, 2) Förderung des Handwerks, 3) Förderung des Ackerbaues. Aus dem von Fr. erstatteten Bericht ersieht man, daß wir es hier nicht mit einem Programm zu thnn haben, das so schön in der Idee, doch nicht zur Ausführung komme, viel verspräche und wenig hielte; sondern in allen drei Punkten hat die Allianz bereits Schritte gethan oder Pläne gefaßt, welche einen günstigen Erfolg verheißen. Was hinsichtlich der Schulen geschehen, darauf werden wir noch zurückkommen. Das Handwerk ist unter den Juden Galiziens verbreitet; das Unglück ist nur, daß sie, ohne Schulbildung nur auf dem alten Geleise verbleiben und den Bedürfnissen der Neuzeit nicht zu genügen wissen, so daß sie weit hinter ihren christlichen Collegen zurückstehen, die sich! eine besiere Schulbildung angeeignet haben und ihr Handwerk in modern geschulten christlichen Werkstätten erlernen. Traurig ist es nun, daß die christlichen Meister in Galizien nur in den allerseltensten Fällen jüdische Lehrlinge annehmen, so daß diese gezwungen find, bei ihren ungeschickten glaubens- I genössischen Meistern einzutreten. Dadurch kommt es zugleich.

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