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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-25 · Heft 35 (25.8.1885) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 35 (25.8.1885)
Date
1885-08-25
Page
Seite 566 (sequence 14)
Language
German
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566 Mühe den Vorstand überredet, die Akdamoth am Schabuothfeste zu streichen. Unterbrechen sie doch die Vorlesung aus der Thorah, find in der aramäischen Sprache verfaßt, so daß mit sehr geringen Ausnahmen kein Gemeindemitglied fie versteht, und schwächen sie deshalb durch die Langeweile, die sie Hervorrufen, den Eindruck, den der Bortrag der Zehn Gebote auf die Hörer macht. Die Sache war geordnet, als worben, war eine durchaus sympathische Erscheinung, eine rüstige Gestalt mit hoher Denkerstirn, angenehmem Organ, aber belegter Stimme, die ihm als Redner Eintrag thun mußte, während inhaltlich seine Predigten recht gediegen waren. Auch er hatte in den ersten Jahren seiner Amtirung harte Kämpfe zu bestehen. Schon in alter Zeit bereiteten den fungirenden Rabbinen sog. Talmud gelehrte, die nicht funam Tage vor dem Feste sich ein alter polnischer Jude zu; girten, vielmehr gewöhnlich ein Geschäft betrieben, in den dem ersten damaligen Vorsteher begab und diesem die Hölle! Gemeinden schweres Leid. Gegen jeden Ausspruch oder Entso heiß machte über die Sünde, die er zuließe, daß derselbe am Festmorgen selbst die Ordre erließ, die Akdamoth doch zu recitiren. Damals war das Gesetz von 1847 noch nicht eingeführt und der Vorsteher war Autokrat. Als derselbe Rabbiner zehn Jahre später auf Einführung einiger deutscher scheid des Rabbinen klaubten sie aus irgend einem Winkel des jüdischen Schristthums etwas hervor, was jenem widersprach oder zu widersprechen schien, trugen dies mit großem Eifer unter das Volk und wiegelten es gegen den Rabbiner auf; es bildeten sich Parteien, die, so geringfügig der Gegen- Gebete drang, entgegnete ein Vorsteher, ein sehr gebildeter! stand auch sein mochte, sich heftig bekämpften, den Frieden Mann, von Ansehen in der Stadt: „Eine deutsche Predigt ließe er sich allenfalls gefallen, aber deutsche Gebete nicht!" Gewiß ein sehr charakteristischer Ausspruch, der von den Lippen eines gebildeten und der Orthodoxie sehr entfremdeten Mannes recht bezeichnend für die damalige Zeit klingt. Man wird in der Gemeinde zerstörten und es oft genug zu Skandalen brachten. Gegen die jüngeren Rabbinen wurde nun dieser Kunstgriff vielfach angewandt, um ihnen Ansehen und Einfluß zu rauben und den Fortschritt möglichst zu hemmen. Wir erinnern z. B. an die Proceffe gegen den Rabbiner fragen, warum diese Rabbiner bei solchen Hindernisien alsLevy in Fürth. Auch Herxheimer hatte einen solchen Gegner überzeugungstreue Männer nicht die Flinte in das Korn! in einem alten Herrn, der mit einigem talmudischen Wissen warfen, d. h. ihre Stelle aufgaben? Aber eine Stunde der I viel Witz und Sarkasmus verband. Doch er vermochte nicht Begeisterung auf der Kanzel und die Wirkung ihres Religions-! durchzudringen, da die Regierung und die einsichtsvolleren Unterrichtes, namentlich auf die Confirmanden, hoben über Mitglieder der Gemeinden aus Seiten ihres braven Rabbinen dergleichen Mißhelligkeiten hinweg und hierzu die Ueberzeugung,! standen. Als eine neue Synagoge erbaut und in derselben daß diese Akdamoth, Jekum Purkan, Bame Madlikin, wenn! das Almemor an die h. Lade vorgerückt wurde, gab jener sie auch noch ein Dutzend Jahre beständen, dann wie von Gegner dies als Grund an, Bernburg zu verlassen und nach selbst verschwinden würden. — Einer der ersten Rabbiner, | Magdeburg zu ziehen. Hier traf es sich nun zufällig, daß die mich in meinem Amte begrüßten, war der vor Kurzem verschiedene Dr. Herxheimer, Landesrabbiner von Anhalt- Bernburg. Er besuchte mich und sprach schmeichelhafte und oufmunternde Worte zu mir, dem etwas jüngeren Kollegen, obschon ich mit ihm vorher eine kleine literarische Fehde über sein Lesebuch für jüdische Schulen gehabt. Damals schwebte schon die Frage über die confessionelle oder gerade in der alten, nach Berhältniß der Gemeinde recht beschränkten Synagoge, nothwendig Platz für etwa 20 Gemeindemitglieder beschafft werden mußte, die sonst vom Gottesdienste ausgeschlossen geblieben wären, während fie doch das volle Recht hatten, im Gotteshause Plätze einnehmen zu können. Man schob daher das übergroße Almemor, es nach Bedürfniß verkleinernd, an die h. Lade vor und gewann da- Simultanschule in der Lust und hatte Aussicht zu Gunsten durch die gewünschten Plätze. Der alte Herr war also aus der Letzteren entschieden zu werden. Die größte Zahl der Charibdis in die Scylla gerathen und war außer sich der christlichen Theologen, namentlich der tonangebenden, darüber. Aber er mußte sich ergeben und kurze Zeit darauf war rationalistisch gesinnt. Einige Jahre später brachte „das auf diesem für ihn profanirten Almemor bei der Trauung Leben Jesu von Strauß" einen Wendepunkt herbei, da die seiner Tochter unter dem Trauhimmel Platz nehmen.— Der Theologen bei dem großen Anklang, den dieses Werk in der - Kreis erweiterte sich aber, als 1844 die erste Rabbinerver- Laienwelt gefunden, die ganze Christologie in Gefahr glaubsammlung in Braunschweig zusammentrat. (Forts, folgt.) ten. Man war daher damals sehr geneigt, eine völlige I - Parität in der Schule herzustellen und die rationalistische! Behandlung in dem Religionsunterrichte herrschenfzu machen., Die Frage drang natürlich auch in den Kreis der aufgej klärten Rabbinen ein und wurde von verschiedenen Gesichtspunkten ventilirt. Herxheimer, der sich später auf verschiedenen pädagogischen Gebieten ein namhaftes Verdienst ervermischtes. Wie die Erinnerungen an das Frankfurter Ghetto verschwinden. Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Mit dem Namen, welche an das ehemalige hiesige Ghetto erinnern, wird nach

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