Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-25 · Heft 35 (25.8.1885) · p. Seite 564

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 35 (25.8.1885)
Date
1885-08-25
Page
Seite 564 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227591--42879-3311473
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SST und den Kleinkinderbewahranstalten zu Mögeldors, GlaiShammer und Neugroßreuth. — Ferner: Soeben erhalten wir Kunde von einem Akte freigebiger Mildthätigkeit. Herr Joseph Ehrenbacher, Kaufmann aus Liverpool, ein geborener Bayer, der sich kürzlich dahier vorübergehend anfhielt, hat Herrn Advokat Dr. Stapf zu wohlthätigen Zwecken 2000 Mark mit der Bestimmung übergeben, 500 Mark durch das Rabbinat, 400 Mark durch das katholische Pfarramt, 400 Mark durch das protestantische Pfarramt Sebaldi an 400 würdige Arme der verschiedenen Confesfionen an dem Geburis- und Namensfeste Sr. Majestät des Königs von Bayern zur Bertheilung bringen zu lassen und 200 Mark dem hiesigen Waisenhause (Finoel), 1.00 Mark der Rettungsanstalt Beilhof zu übergeben. Bonn, 9. August. (Literarische Notizen.) In unserem Artikel über Abbä Gregoire hatten wir bemerkt, daß er. — Wir haben dar Urtheil des Professors der Thevlogie Beyschlag in Halle über die Stöckerprocesse in den Leitartikeln „Der Bankerutt des Antisemitismus" erwähnt. Beyschlag ist der ausdauernde Bekämpfer Stöckers, namentlich auf dem Gebiete der evangelischen Theologie, aber auch dessen antisemitische Agitation hat er nachdrücklich als „für Staat und Kirche gefährlich" verurtheilt. Wir machen deshalb auf eine biographische Skizze dieses Mannes in der „Boss. Ztg." vom 12. d. M. aufmerksam. Es heißt darin: „Professor I)r. theol. Wilibald Beyschlag (geb. zu Frankfurt a. M. 1823) ist bereits zweiundsechzig Jahre alt, als Herr Stöcker noch als Borussensenior in Halle „viele Blutige" austheilte, bereits als ausgezeichneter Prediger anerkannt und hatte, als Herr Stöcker sich in der Examenmiftre befand, sich bereits als Schriftsteller hervorgethan. Sein Bildungsgang war freilich ein weitaus anderer, als der des Sohnes der Halbermit Ausnahme Dohm's und Mirabeau's, der erste gewesen, j städter Kürassierkaserne. Einer hochgebildeten Frankfurter der nachdrücklich für die Emanzipation der Juden geschrieben.! Familie entsprossen, im Eindruck der überreichen geistigen Für diejenigen, welchen die einschlägige Literatur nicht nahe liegt, fügen wir hinzu, daß Dohm über „Die bürgerliche Verbesserung der Juden" Berlin 1781 und Mirabeau die seinige snr 21. Llendelssobn st sur la röforme pol. des juifs Straßburg 1788 herausgab. — Bonn, 12. August. (Literarische Notizen.) In Nr. 19. der Zeitschrift „Die Flamme", welche die Förderung der Feuerbestattung zum Zweck und Inhalt hat, erstattet Rabbiner vr. Wiener in Oppeln ein Gutachten über „Beerdigung und Feuerbestattung nach Bibel und Talmud". Obgleich für die letztere eingenommen, untersucht er doch unparteiisch die betreffenden Stellen der Bibel, des Talmuds und des späteren jüdischen Schriftthums, und muß zugeben, I daß sie sämmtlich für die Beerdigung sprechen und keinen Anhalt für die Feuerbestattung geben. Dagegen betont er, daß kein gesetzlich formulirtes Verbot der Feuerbestattung vorhanden sei, denn die gesetzlichen Vorschriften über die Beerdigungsweise stammten aus späterer Zeit und schlössen die Feuerbestattung nicht formell aus. Wir haben unsere Ansichten über diese Frage früher (Jahrgang 1874 Seite 225) ausgesprochen und der Nachweis, daß die Beerdigung im Judenthume von Abrahams Zeit bis zu diesem Tage die durchaus herrschende Sitte, begründet im Bolksgeiste und dem psycho logischen Charakter des jüdischen Stammes, ist von Herrn Wiener in keiner Weise angetastet worden. Im Ritualgesetze giebt es mehrfache Lücken, und zwar über Gegenstände, die ganz außerhalb des Bereiches der früheren Anschauungen und Erfahrungen, außerhalb des ftüheren Gesichtskreises lagen. Gerade da tritt die Volkssitte und Bolksmeinung ergänzend ein, und kann am wenigsten von denjenigen Reformern außer Acht gelassen werden, welche sonst bereit find, das formulirte Gesetz gegenüber dem Zeitbedürfniß aufzugeben. Anregungen, die die Goethestadt bietet, erwachsen, von bedeutender Begabung, auch poetisch und künstlerisch beanlagt, entschloß er sich, nicht um des lieben Brotes willen, sondern aus religiösem Drang zum Studium der Theologie." Nun, Bildung, Wissenschaftlichkeit und literarische Verdienste, was bedeuten diese gewissen Leuten, wenn sie nicht im Dienste des Haffes gegen die Liberalen und gegen die Juden verwendet werden? Im Gegentheil, sie sehen in jenen ihre gefährlichsten Gegner, theils weil sie selbst dieselben nicht besitzen, theils weil Bildung und Wissenschaftlichkeit nothwendig sich gegen sie wenden müssen. — Budapest, 3. August. (Literarische Notizen.) Eine Geschichte der Juden in ftanzösischer Sprache, von einem Juden bearbeitet, existirte, abgesehen von dem kurzen Abriß, der vor 45 Jahren von Lambert in Metz erschienen ist, unseres Wissens bis jetzt nicht. Mit desto größerer Befriedigung begrüßen wir das jüngst erhaltene Buch: Uistoire des Isra61ites depnis l’epoque de leur dispersion jusqn'ä nos joiirs par Theodore Reinach (Paris, HachetteL Cie.). Der Verfasser theilt die Geschichte der Juden von dem Falle Bethars bis auf die Gegenwart in fünf Hauptepochen: die talmudische und orientalische, die spanische und ftanzösische, die Epoche der Verfolgungen, des Verfalls und der neuen Zeit, die mit Moses Mendelssohn beginnt. Daß bei dem wechselvollen Geschicke des in allen Ländern zerstreuten jüdischen Volkes diese Eintheilung nicht immer durchführbar ist, giebt Herr Reinach in der schön geschriebenen Vorrede selbst zu. Herr Reinach hat zu seiner Geschichte, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch macht, ältere und neuere Bearbeitungen der jüdischen Geschichte und Literatur mit vielem Fleiß benutzt und sich seiner Arbeit mit großer Sorgfalt und Umsicht unterzogen. Nur an wenigen Stellen fielen «ns kleine Irr-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.