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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-25 · Heft 35 (25.8.1885) · p. Seite 563

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 35 (25.8.1885)
Date
1885-08-25
Page
Seite 563 (sequence 11)
Language
German
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568 20000 werden durch verschiedene persönliche Legate absorbirt. Seine Pferde und Equipagen hinterläßt der Testator seinem Kutscher, und alle seine ergebenen und treuen Diener eilten Jahrespensionen oder Legate. Amerika. New-Hork, 4. August. Nachdem die Kunde von dem Tode des Sir Moses Montefiore sich hier verbreitet hatte, hielten, wie ein Telegramm berichtet, die sämmtlichen jüdischen Vereine hiesigen Orts eine Versammlung, welche beschloß, dem Sir Moses eine Statue im Centralpark zu errichten, wozu sofort von den Anwesenden 10000 Dollars gezeichnet wurden. Es ist dies nicht blos als ein Huldigungsakt für den Verklärten zu würdigen, sondern hat auch die Bedeutung einer gemeinsamen Handlung, die aus dem energischen jüdischen Bewußtsein fließt. Rewhork, 7. August. Das „Bureau Reuter" meldet: Mr. Keiley, dessen Ernennung zum Gesandten der Vereinigten Staaten am Wiener Hofe von der österreichischen Regierung beanstandet worden, wird von Paris, wo er gegenwärtig weilt, hierher zurückkehren. Dem Vernehmen nach wird er in Kurzem diesen Posten niederlegen und zu einem anderen ernannt werden. Es verlautet, die österreichische Regierung habe Keily beanstandet, weil seine Frau eine Jüdin sei und Staatssekretär Bayard habe infolge dessen einen entrüsteten und energischen Protest an die österreichische Regierung gerichtet. — Die „Fr. Ztg." bemerkt hierzu: Ein höherer österreichischer Beamter hat allerdings einem Korrespondenten des „Newy. Herald" erklärt, daß Keiley in Wien unmöglich sei, weil er eine Civilehe mit einer Jüdin eingegangen sei. — (Was uns betrifft, so möchten wir hieran nicht glauben, da der Kaiser Franz Joseph schon zwei getaufte Juden zu Ministern gehabt, vr. Glaser und vr. Unger, gerade wie auch Preußen vr. Friedländer und vr. Friedberg. Wir wissen übrigens nicht, ob die Gattin des Herrn Keiley eine Jüdin ist und ob sie ihrer väterlichen Religion treu geblieben.) Marokko. R«S Marokko, im August. Rumänien und Marokko werden noch lange Zeit auf den Tafeln menschlicher Barbarei und menschlichen Fanatismus in traurigstem Lichte erscheinen, bis beide — ihre Existenz verwirkt haben werden. Abermals werden von MarokkoGräuelthaten berichtet, welche in verschiedenen Gegenden des Landes wider Juden begangen worden sind und Zeugniß von der Grausamkeit der Bevölkerung ablegen. Der Sultan hatte befohlen, daß die Juden von Demnat, welche vor den Grausamkeiten des Gouverneurs, denen viele von ihnen zum Opfer gefallen sind, geflohen waren, wieder zurückkehren, aber nicht mehr unter der Jurisdiction des Gouverneurs stehen sollten. Ein Officier begleitete, mit einem Schreiben des Sultans versehen, die Rückkehrenden, wurde jedoch von dem Gouverneur abgefertigt. Kaum war er fort, so erfolgte von Seiten der maurischen Bewölkerung ein Steinhagel aus die Juden, durch welchen zehn Personen, Männer und Frauen, schwer verwundet wurden. — In dem Dorfe Kaoba di Beni Melal wurden zwei junge Juden, Jsaac Abitbol und Mordechai Labeoni, vom Pöbel ergriffen und fast gesteinigt, dann wurden sie an Bäume gehängt, und die Barbaren machten sich ein Vergnügen daraus, mit Flinten nach ihnen zu schießen bis sie todt waren; dann wurden die Leichen in eine Kalkgrube geworfen und verbrannt. — Die Juden von Tadla bei Marokko wollten Ostern eine neue Synagoge bauen. Einige Ulemahs ftagten darauf bei ihrem Lehrer an, was mit Juden zu geschehen habe, welche sich eine Synagoge an einem Platze bauten, der höher liege als die Moschee. Sie erhielten die Antwort, das Gesetz gebiete, die Männer lebendig zu verbrennen und die Frauen und Kinder an die wahren Gläubigen in die Sklaverei zu verkaufen. Die Juden wurden in diesem Falle rechtzeitig gewarnt, sie brachten ihre Angehörigen in dem Heiligthum eines Marabuts Sidi ben David in Sicherheit und flohen selbst nach Marokko, wo es ihnen gelang, die Vermittelung eines einflußreichen Sherifs zu erlangen, der den Leuten in Tadla schrieb, es sei Sühne genug, wenn sie das Gebäude einriffen. Die Juden konnten jedoch nicht eher wagen zurückzukehren, als bis der Sherif sie in Person begleitete. Bonn, 16. August. (Notizen.) Man berichtet uns aus Nürnberg: Es wäre thöricht, noch ein Wort zur Rechtfertigung vorzubringen, wenn Juden ihre Wohlthätigkeit jüdischen Anstalten und Glaubensgenossen zuwenden, da dies in der Regel Katholiken und Protestanten für ihre resp. Mitbekenner thun, und die Fälle sehr zu zählen sind, wo Nichtjuden auch Juden bedenken. Gewiß find auch die Fälle recht häufig, wo Juden ihre christlichen Mitbürger berücksichtigen, und davon hatten wir in diesen Tagen zwei Beispiele: Die Hinterbliebenen des verstorbenen Bankier Joseph Kohn haben beit nachstehenden Wohlthätigkeitsanstalten die beigesetzten Summen zugewendet: je 1000 Mark dem Kinderspital, der Poliklinik, dem Rettungshause Beilhof, dem Verein für Krankenpflege, der städtischen Taubstummenschule, je 500 Mark der Maximilian-Allgenheilanstalt, dem Ambulatorium des Kinderspitals, dem Israelitischen Wohlthätigkeitsvereine, dem Verein zur Obsorge für entlassene Sträflinge; 400 Mark dem Jugendhort; 300 Mark der Krippenanstalt; je 200 Mark dem Thierschutzvereine, den sämmtlichen hiesigen Kleinkinderbewahranstalten 35*

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