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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-25 · Heft 35 (25.8.1885) · p. Seite 559

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 35 (25.8.1885)
Date
1885-08-25
Page
Seite 559 (sequence 7)
Language
German
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559 Levr-Hechingen dankte in warmen Worten dem greisen Lehrer und Freund für seinen lichtvollen, höchst belehrenden Bortrag unter Hinzufügung einiger Ergänzungen und Erweiterungen, die mit dem Vorgetragenen im Zusammenhang standen. Der letzte Punkt der Tagesordnung gab noch zu einer lebhaften Debatte Anlaß. Es war dies die Besprechung einer Eingabe des Vereins-Ausschusses an die königliche württembergische Oberkirchenbehörde, in welcher jener im Namen der israelitischen Lehrer und Vorsänger des Landes fein Mißbehagen darüber aussprach, daß 1) einige Vorsängerstellen in größeren städtischen Gemeinden nicht nach Maßgabe des Gesetzes definitiv, sondern mit Ausländern provisorisch besetzt werden, die kein Staatsexamen gemacht. So ist in letzter Zeit der Fall vorgekommen, daß württembergische Lehr- und Borsängeramts-Candidaten, die ihr Examen absolvirt, ohne Stelle sind, während die lukrativsten Posten im Lande von Ausländern — ohne abgelegtes Examen — versehen Männer sich zur That aufraffen, in den Riß treten und für Regeneriung der Religion wirken. In erster Linie verdient es aber der Sabbath, daß ihm sein altes Recht werde. Darüber sollten unsers Erachtens alle Parteien einig sein. Wo es sich thun läßt, sollten die Gesetzestreuen sich verbinden und zweckentsprechende Comites bilden. Ganz besonders obliegt es den Rabbinern und Religionslehrern, durch öffentliche Belehrung die Gemütherin der Gemeinde für den Gegenstand zu erwärmen. Unerklärlich bleibt es darum, daß sehr viele Seelsorger die an sie gerichtete Aufforderung noch nicht berücksichtigt, ja einer Antwort nicht gewürdigt haben. Wer ist es denn sonst, wenn sie den Beruf dazu nicht in sich füblen? Wir appelliren im Namen des Bereinsvorstandes an diese hochwürdigen Gemeindesührer und bitten sie dringend, das Versäumte möglichst rasch nachzuholen. Je mehr Mitglieder dem Vereine zugesührt werden, desto mehr wachsen werden. Daß ferner 2) der neuerdings angestrebte Ausschluß > der Vorsänger von dem Kirchenvorsteheramt so lange illegitim und deshalb ungerecht sei, so lange die gesetzgebenden Factoren (Regierung und Kammer) den bekannten Z 54 nicht! aufheben oder modisiciren. Da eine Antwort aus die am! 30. April dieses Jahres abgegangenc Eingabe noch nicht eingegangen ist, wurde vorläufig beschloffen, zu moniren, ehe; ein weiterer Schritt zur Wahrung der legitimen Rechte des! Lehrer- und Borsängerstandes geschehen soll. Schließlich brachte ein heiteres Mahl eine freundlichere Stimmung und mit dem üblichen Segen hob Oberkantor Eichberg die Tafel auf und der Vorsitzende mit dem üblichen Dank an die Theilnehmer schloß die Versammlung. L. Breslau, 10. August. (Eingesandt.) Die Creirung des Vereins Schomre Sabbath war vornehmlich in gegenwärtiger Zeit ein dringendes Bedürsniß. Schon die zahlreichen Kundgebungen, welche nach Versendung des Prospektes von Rabbinern, Lehrern und Geschäftsleuten eingingen und die lebhafteste Sympathie für die Sache äußerten, zeugen unverkennbar für die Nothwendigkcit und Zweckmäßigkeit dieses hochwichtigen Vereins. Die Schwierigkeiten, denen junge Männer bei ihrer Berufswahl ausgesetzt sind, werden immer größer, und nur mit äußerster Selbstverleugnung gelingt es ihnen, dem Conflicte zwischen der Lehre und dem Leben auszuweichen. Wir erleben es täglich, daß stellensuchende Jünglinge in religiöser Hinsicht schwankend werden und in der Stunde der Versuchung das Sabbathgesetz über den Haufen werfen. — Wir können daher nicht umhin, hier nochmals der Freude über den neuerwachten Geist und seine Bestrebungen Ausdruck zu geben und zu wünschen, daß dem Vereine immer mehr Genossen und Freunde beitreten. Es ist sehr erhebend, daß Israel, trotz vielfacher Zerklüftung, noch nicht verwaist dasteht, daß wackere, überzeugungstreue seine Kräfte und die Fähigkeit, dem gesteckten Ziele zuzusteueru. Die Antwort ist an den Schriftführer Martin Fraenkel, Breslau, Schwertstraße 5a, zu richten. Karlsruhe, im August. (Privatmitth.) Allhier tagte, wie die öffentlichen Blätter berichteten, die deutsche Anthropologische Gesellschaft, deren Verhandlungen stets ein so reges Interesse darbietcn. Wir sehen ab von dem Vortrage Schaafhausen's aus Bonn, der sein Lieblingsthema, daß die Menschen von den Thieren abstammen — den besten Gegenbeweis! liefert die Versammlung selbst — berührte, ohne das geringste I Neue Vorbringen zu können — außer daß man jetzt dem Menschengeschlecht nur 100v,0 Jahre anweist, während man ihm früher mit freigebigerer Hand 100000 Jahre spendete — für das Eine gerade so viele Beweise habend wie für das Andere. Wir kamen vielmehr auf einen sicherern Boden mit Virchow an, der ausführlich über den blonden und den brünetten Typus in Deutschland sprach. Die Leser werden sich erinnern, daß man vor einigen Jahren in allen Schulen Erhebungen über die Haare und Augen der Schüler und Schülerinnen vornahm. Es hat sich nun ergeben, daß vom blonden Typus 31,8, vom brünetten 14,05, vom Mischtypus 54 Prozent sich vvrfanden. Ta nun in unserem lieben Deutschland nichts passiren kann, ohne den Juden eine besondere Werthschätzuug beizulegen, so fanden sich bei den jüdischen Kindern 11 Prozent vom blonden, 42 Prozent vom brünetten, und 47 Prozent vom Mischtypus vor. Das wird nun den Antisemiten sehr unangenehm sein, welche so gern die sämmtlichen Juden schwarz wie die Nacht gesehen hätten!!Die Zahlen sind nicht allzuweit von denen der christlichen Kinder entfernt. Uebrigens bleiben wir bei unsrer Ansicht,! die wir in diesem Blatte schon mehrmals geäußert, daß diese! Eigenschaften nicht blos von der Abstammung abhängen, son-! dern viel von der Umgebung, von den Eindrücken, welche

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