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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-25 · Heft 35 (25.8.1885) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 35 (25.8.1885)
Date
1885-08-25
Page
Seite 558 (sequence 6)
Language
German
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558 ■v:d^ ^Nt?nr 'D^sn*. nijnj?;y! crNtf““-^ .yr&N -nix yrz «sep "irx niyj.v.'ns v-Q'^ -rx g^z-- .nzizi? '2'bii nz~ 'n;~ G'“'23” Qi’’ ~y -ptj --eg G‘.'p 'Q'DbDr, z^riz '-'..nix G'-inp c£z^ '--zrpN G'pz\x d^zz .n*G~:^ zp;~ 'Q'Nzpri a^;:z: .-p-'i •’psrp -‘z*z;p '-rz” '.’iz' n; pnx “q’p: s; ':>:zz;; Jedem von gutem Willen nur irgendwie beseelten Kol- Nidre-Vorbeter wird es eine Kleinigkeit sein, diesem neuen' Stücke die alte, traute Melodie anzupaffen, wie solches in diesem Jahre, zu meiner großen Genugthuung, in einer hiesigen Neben-Betschule auf das Vortrefflichste gelang. Ich schließe mit der Recapitulation: Wer vor seinem ethischen Gefühle nicht erröthen und sein sprachliches nicht beleidigen laffen will; — wer die jüdische Wiffenschaft nicht fernerhin auf den Kopf gestellt sehen und die staatliche Gesetzgebung nicht wider die Judenheit herausfordern will: der, ich bitte, komme her und thue, so er nichts Beffercs weiß, wie hier geschehen, by G^Z". bs~,T\ Julius Hamburger in Lissa. Deutschland. Stuttgart, 6. August. (Privatmitth.) Gestern fand hier im Hotel Eisig die freiwillige Conferenz der israelitischen Lehrer und Vorsänger des Landes sowie des Unterstützungsvereins derselben statt. Nach Eröffnung durch den Vereinsvorstand Herrn Oberlehrer Liebmann ergreift zunächst Oberlehrer Stern-Eßlingen das Wort, um vor Eintritt in die Tagesordnung in warmempfundener Rede des vor kurzer Zeit stattgehabten 80. Geburtstages des ersten Vorstandes Oberlehrer Liebmann zu gedenken und den Jubilar als Senior der württembergischen Lehrer, als Lehrer unserer Lehrer, als Vorsitzenden des israelitischen Lehrer- und Unterstützungsvereins, als Freund und College geziemend zu feiern. Als erster Punkt der Tagesordnung kam zur Sprache: Der Rechnungsabschluß pro 1. April d. I. Nach demselben betrugen die Gesammt-Einnahmen der Unterstützungskaffe 5215,04 M. incl. Kapitalsrückzahlungen, welchen an Gesammt-Ausgaben 5205,35 M. (incl. Kapitalsanlagen) gegenüberstehen. An Unterstützungen wurden insgesammt 700 M. vertheilt; der Vermögenszuwachs beziffert sich im abgelaufenen Rechnungsjahr auf 1835,18 M., so daß das ganze Vermögen nunmehr 27989,81 M. beträgt. Dem Vereinskassirer Oberlehrer Stern wurde der Dank der Versammlung für seine umsichtige Verwaltung ausgesprochen. Der Vorsitzende Liebmann hielt nun zum zweiten Punkt der Tagesordnung einen Bortrag über Erziehung und Unterricht im Judenthum in der Zeit von 1000 — 1500 n. d. gew. Ztr. Aeußerst interessante Streiflichter auf die Verhältnisse jener Zeit geben ein lebendiges Bild derselben. Die entsetzlichen Verfolgungen jener Epoche — nach dem gleichen System und mit denselben Argumenten wie heutzutage — zwangen den Juden in den Kreis seiner Familie hinein, was Wunder, daß gerade der Familiensinn für die Folge bei den Juden erstarkte. Dies kam vor Allem der Erziehung der Kinder zu gute, die schon früh in Zucht und Ordnung gehalten und schon sehr bald zur Erlernung der „heiligen Sprache" angehalten wurden. Im 5.-6. Jahre wurde der Knabe zur Schule geführt, der Melamed (Lehrer) gab ihm den Segen und verleibte ihn seiner Klaffe ein, um zuerst hinter die Geheimniffe des hebräischen Alphabet zu kommen. Sobald der Junge lesen kann, bildet Gebetbuch und Pentateuch Chrestomathie und Grammatik zugleich. Zu zwölf Jahren wurde schon Mischna und Gemara begonnen; zu etwa 16 Jahren mußte der Jüngling als fahrender Schüler die fremden „Hochschulen" besuchen (in Deutschland: Worms, Trier, Mainz, Köln, Prag) und sich an den Disputationen betheiligen. Die Mädchen erhielten fast gar keinen Unterricht, sondern wurden von der Mutter in Sitte und Gesetz eingeweiht und zur „Frömmigkeit" angehalten. Von den düsteren Zuständen jener düsteren Zeit warf der Vortragende einen Blick in unsere Gegenwart und betonte, wie durch die modernen Errungenschaften der Cultur auch die jüdische Erziehung und der Unterricht bei den Juden eminent gewonnen habe, zumal die Weisheit und Gerechtigkeit unserer Landesregierung die Grundlagen für geordnete Schulen und planmäßigen Unterricht auch für die Juden geschaffen. So cnstand die erste israelitische Gemeindeschule unter dem verständigen Lehrer Frankfurter in Nordstetten, Oberamts Horb im Jahre 1822. Berthold Auerbach war einer der ersten Schüler derselben. Im Winter 1823—24 wurde auch in Eßlingen unter Lehrer Eppstein eine regelrechte Schule errichtet; dieser zog bald darauf (1825) nach Hechingen und errichtete auch dort die erste Gemeindeschule in Hohenzollern. Liebmann, der verehrte Bereinsvorstand und Vortragende, übernahm die Eßlinger Stelle, die er bis 1875 — also ein halbes Jahrhundert — inne hatte. Ende der zwanziger Jahre wirkte namentlich Lehrer und Buchhändler Heß in Ellwangen für das Schulwesen der württembergischen Israeliten und wird mit Recht ein Pionier desselben genannt.

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