Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1885)
- Date
- 1885-08-25
- Page
- Seite 556 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227591--42871-3311465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mitglied vr. David Cassel. — Dieser Verein blüht jetzt, nachdem! und Frieden zn stiften. Und der Ausschuß giebt die Stimeine Reihe der tüchtigsten Mitglieder aus allen Fakultäten mung der Studentenschaft am deutlichsten wieder! Die Zeiten für denselben geworben ist, und erfreut sich unter dem Vor- Stöcker-Wagner sind für die Studenten vorbei und Heinrich sitze des stuä. tbsol. Eckstein einer bedeutenden Beachtung v. Treitschke hat seine Beliebtheit gewiß nicht seinen antinamentlich in akademischen Kreisen. Doch darüber will ich semitischen Allüren zu verdanken. Wie tritt der Ausschuß, Ihnen, Herr Doctor, um event. spätern Betrachtungen ein die Corporation der Sieger in der antisemitischen Wahlander Mal nicht vorzugreifen, jetzt nicht ausführlicher be-ischlacht, auf? Bei der glanzvollen Bismarckfeier gab sie auf richten. Ich wollte meine Beobachtungen über die Stimdem Commerse die Parole der Einheit und Einigkeit der mung der Studentenschaft zu Berlin mitzutheilen mir erlauben. — Schon seit langer Zeit ist man offenbar des Kampfes müde. Bestünden die Sonderbestrebungen nicht von vorher und wären sie nicht künstlich und unnatürlich durchwachsen von einem Schosse hoher und begeisternder Ideale wie Vaterlandsliebe, Treue zu Kaiser und Reich, Freude an dem nationalen Aufschwung, heute würden sie nicht entstehen. Heute ist aber auch den meisten die Kluft zwischen den Vereinen unverständlich, nachdem gegenseitige Verleumdungen und Verhetzungen es doch nicht haben verhindern können, daß die Ueberzeugung von der Ehrenhaftigkeit und dem Idealismus des Gegners doch durchbrach, doch zur Entwickelung kam. Man hat eingesehen, daß man viele Fehler haben und dennoch ideal sein kann. Man hat sich überzeugt, daß gerade der, der viel erstrebt, viel eher in Fehler verfallen kann, als der, der seinen schablonenhaften Gang der Anschauungen, nicht angezogen von neuen Vorstellungen, und von neu aufschießenden Idealen nicht begeistert und hingerissen, dahinwandelt. So hat man Fehler antisemitisch zurückdrängender Commilitionen und die Mängel der rastlos fortstrebenden jüdischen Commilitonen einsehen gelernt und ist darum der Verständigung näher gekommen. Man wird nicht die Vereine fallen lassen, sie wandeln sich von selbst. So ließ der Verein Studenten aus und rief eine noch bis heute nachhallende Begeisterung hervor. Bei dem gestern abgehaltenen Commerse der 75 jährigen Jubiläumsfeier der hiesigen alma mater wurden die gleichen Ideen ausgesprochen und beifällig ausgenommen. Prof. Förster, Eck, Curtius, Dernburg — alle gipfelten ihre Ausführungen, die den Jubel der Versammlung hervorriefen, auf die Einigkeit der Commilitonen und auf das Versprechen des die Studentenschaft vertretenden Ausschusses, dahin wirken zu wollen! So spricht man und denkt man heute. Das warme Gefühl, nicht die äußere abschließende Form ist maßgebend. Möge es sich nur nach dieser Richtung hin weiter entwickeln, möge der Friede in der Studentenschaft bald besiegelt werden und dauernd bleiben. Ich gehöre nicht zu den Optimisten und habe nie Heil davon erblicken können, ruhig abzuwarten und nichts zu thun, ich habe meinerseits für unsere Sache, so viel ich vermochte, beigetragen, aber ich sehe doch den Frieden kommen, seine Aussichten sich stärken. — Es wird Sie interesfiren, daß unserm Vereine sowohl auf dem Umzuge der Studenten, als auch auf dem Commerse eine herorragende gute Placirung zu Theil wurde, und daß ihm auch vom Präsidenten des Commerses fteundliche Aufmerksamkeiten erwiesen wurden. Wir glauben allerdings durch eine dreijährige, allen Ausstreuungen und Berleumdeutscher Studenten die antisemitische Studentenzeitung, die | düngen zum Trotz musterhaft durchgeführte Parteilosikeit und Kyffhäuser Zeitung, eingehen, nur ein scheinbarer Kampf wird nach wie vor stattfinden. Der Ausschuß der Studentenschaft gilt als ein aus einem Wahlkampf hervorgehender Stand noch immer als politischer Körper. Aber er bemüht sich unparteiisch zu Wege zu gehen und hat oft Proben uneigennütziger Anerkennung gegeben. Er wird dem antisemitischen Kreise voll und in fast allen seinen Gliedern zugesprochen und hat doch die von einem jüdischen Mediciner cand. med. Ed. Aronsohn angeregte Idee eines allgemeinen Studentenfonds nach dem Muster des Krankenverbandes zur gegen- Wissenschaftlichkeit diese Anerkennung reichlich verdient zu haben. Würde sie uns geworden sein, wenn wir den Schritt der Leipziger jüdischen Commilitonen, die einen jüdischen Sonderbund gründen wollen, gethan hätten? Es ist bedauerlich, daß die sich verschlechternde Stimmung in Leipzigs) unsere Glaubens- und Studienbrüder zu solchen Extravaganzen treibt. Wir glauben, daß nur auf einem solchen Wege, wie der unsere es ist, etwas und hier sogar viel gewonnen werden kann. Es gilt ja nicht zu beweisen, daß es Juden und verstimmte Juden giebt, die sich grollend auf seitigen Unterstützung mit einer glühenden Begeisterung aufj sich selbst zurückziehen, sondern es gilt zu bethätigen, daß es genommen und die Professoren und den Rector Prof. Dern-! eine jüdische Wissenschaft giebt, die würdig des Studiums bürg lebhaft zu interesfiren verstanden, so daß dieser vor ist und über Fachbestrebungen hinaus ein Allgemeininteresse Kurzem noch als socialer Traum erscheinende Gedanke der Verwirklichung nahe ist! Er liebäugelt mit dem Vereine deutscher Studenten und - zeigt sich unserm akademischen Vereine mit einer Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit sonder Gleichen. Kurz, er ist bemüht, versöhnlich zu wirken verlangt, es gilt zu zeigen, daß die jüdischen Commilitonen Sinn und Muth haben, für diese verkannte Wissenschaft ein- 1) Nach un« aus Leipzig nicht der Fall! zugekommenen Berichten ist dies Redakt.