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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-18 · Heft 34 (18.8.1885) · p. Seite 550

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 34 (18.8.1885)
Date
1885-08-18
Page
Seite 550 (sequence 14)
Language
German
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wohlwollend, und ebenso die Audienz beim Kaiser. Aber schließlich äußerte dieser sich gegen Sir Moses: die Zustände und Verhältnisse der europäischen Juden find durchaus verschieden von denen der russischen und Sie muffen erst diese eine längere Zeit studiren, bevor Ihren Vorstellungen Gehör gegeben werden kann. — In weitere Persönliche Beziehungen bin ich mit Sir Moses nicht gekommen, außer daß er mir bisweilen Berichte zusandte, zur Verwendung in der A. Z. d. I. und einige Exemplare meines Bibelwerkes durch mich vom Verleger bezog, die er einigen Lehranstalten zum Geschenk machte. — Ich habe oben des sel. Albert Cohn gedacht, den ich in Paris kennen lernte und glaube, daß hier einige Worte der Erinnerung an diesen wohlverdienten, allzu schnell vergessenen Mann am Platze sind. Er war in Ungarn geboren, hatte in Wien Studien gemacht, war dann Erzieher im Rothschild'schen Hause in Paris, als Almosenier Rothschild's kenne hatte, dem Elend und besonders den Bestrebungen der Missionäre gegenüber einen Aufruf zur Gründung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem erlassen; und namentlich betrieb ich eifrige Propaganda für den Gedanken, jüdische Knaben aus dem Oriente nach Europa zu bringen, sie zu erziehen und zu unterrichten und als Missionäre der Cultur in ihre Heimath zurückzusenden. Das erstere Unternehmen mußte ich nach einigen Jahren aufgeben; denn, als der Ertrag dieser Sammlungen den Heloen der Chaluka fühlbar zu werden begann, eiferten sie mit all' ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen meine Sammlungen, so daß nur ein kleiner Kreis derer übrig blieb, die sich gettauten. Gaben aus ihnen anzunehmen. Seitdem haben sich die Verhältnisse doch allmählig geändert, und der fanatische Eifer hat sich gemildert, theils durch die öftere Berührung mit europäischen Glaubensgenossen, theils durch den Zufluß ausländischer Elemente, da sich die Seine spätere Stellung jüdische Bevölkerung Jerusalems seitdem von 7000 auf 16000 ich nicht genau genug, und darüber erhöht hat. Als ich jenen Aufruf (1843) zur um darüber zu sprechen. Um die persönlichen Verhältnisse Gründung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem er- Derer, mit welchen ich in Berührung kam, habe ich mich nie lassen hatte, zeigte mir Albert Cohn an, daß der Freiherr bekümmert: ihr Geist, ihre Tendenz und ihre Leistungen waren James von Rothschild 100000 Frcs. für diesen Zweck bemir die Hauptsache. Albert Cohn war von untersetzter, ge-! stimmt habe; außerdem flössen bereits recht ansehnliche Beidrungener Gestalt; er machte Eindruck nur durch die hohe ttäge ein, und der Vorstand der Braunschweiger Gemeinde Intelligenz, die sich in seinem Antlitz ausprägte, das sonst hatte die Rendantur übernommen. Aber kaum war die Nachscharfe Züge hatte. Scharf war auch sein Organ; aber eine j richt hiervon nach Jerusalem gelangt, als die projektirte Angroße Beredsamkeit zeichnete ihn aus und zwar, da er ein! stalt in die Acht erklärt ward. Hierdurch kam die Sache in wahres Sprachgenie besaß, in den verschiedensten Sprachen, Stillstand. Einige Fahre später reiste Albert Cohn, der sich französisch, deutsch, hebräisch, arabisch und dies in seinen! verschiedenen Dialekten. Er bedurfte nur einer kurzen Zeit in einem Lande, um sich die Sprache desselben anzueignen. Dagegen mangelte ihm die Befähigung zum Schriftsteller. Wie oft hat er ausführliche Berichte über seine Reisen versprochen, ohne daß sie zur Ausführung kamen. Wir haben von ihm nur eine Ansprache an seinen ältesten Sohn, als dieser Bar-Mizwa wurde. Sie enthält schätzbare Notizen, jedoch ohne bleibenden Werth. In dem Hause Albert Cohns waltete ein ganz jüdisch-patriarchalisches Leben, neben dem Hausherrn von seiner vortrefflichen Gattin, einer Hohenemserin, die auch mir ihre Freundlichkeit bethätigte. Albert Cohn war ein eifriger Förderer aller jüdischen Institute und Vereine in Paris. Ich wohnte einem Sabbathvortrage desselben in der Chebra bei, der an Inhalt und Form mir ausnehmend gefiel,' wenn auch Kritiker die Correktheit seines Französisch bezweifelten. Doch komme ich zu allgemeinen Angelegenheiten und die Stellung Cohn's in denselben. Ich glaube nicht unbescheiden zu sein, wenn ich sage, daß der Impuls zu den civilisatorifcheu Bestrebungen für die orienmit den Orthodoxen gut zu verstehen wußte, nach der heiligen Stadt und gründete hier aus den Mitteln der Familie Rothschild das jüdische Hospital, welches unter einem tüchtigen Arzte trefflich organisirt, seitdem überaus segensreich gewirkt hat. Aber auch hinsichtlich des dritten Planes traten andere Erwägungen ein. Es drängte sich der Gedanke auf, daß die jungen Leute, in Europa herangebildet, zu vielen Geschmack an den europäischen Berhültniffen finden würden, um nach dem Oriente zurückzukehren, und daß, wenn sie selbst in ihre Heimath zurückgekehrt sind, auf zu viele Schwierigkeiten stoßen würden, um erfolgreich für die Civilisation wirken zu können. Es gewann deshalb der Vorschlag Raum, Schulen im Oriente zu gründen und mit europäischer Subvention zu erhalten. Albert Cohn, auf seinen mehrmaligen Reisen nach Jerusalem, versuchte die Verwirklichung in Jerusalem, Alexandrien und Constantinopel. Aber ihm fehlte die Ausdauer. Er kehrte von jenen Reisen stets allzu schnell zurück, und er war gewöhnlich in Paris wieder angelangt, wenn man ihn noch weit im Oriente glaubte. Die projectirten Schulen blieben deshalb nach seiner Abreise eben nur Project oder talischen Juden von mir ausgegangen. Ich hatte 1840 j lösten sich nach kurzem Bestände wieder auf. Die Alliance Sammlungen für die Juden in Jerusalem unternommen, um! isr. naiv. nahm daher mit ihrer Gründung diesen Gedanken durch sie die traurige Herrschaft der Chaluka zu brechen; ich energisch auf, verfolgte die Ausführung desselben mit rühmens-

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