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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-18 · Heft 34 (18.8.1885) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 34 (18.8.1885)
Date
1885-08-18
Page
Seite 549 (sequence 13)
Language
German
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ES 549 massivem Silber mir einer hebräischen Inschrift geschenkt hat: ein Beweis mehr, in welchem innigen Verhältniß der Verstorbene zur königlichen Familie gestanden hat. Bonn, 9. August. (Notizen.) Man schreibt uns aus Nordhausen vom 2. d. M.: Heute fand die Einweihung des prächtigen neuerbauten Gemeindehauses statt. Rabbiner vr. Gelbhaus hielt in einem der Schulräume nach Rezititirung des 3. Psalms die Einweihungsrede vor den Gästen und vor der versammelten Schuljugend, worauf die Unterrichtslokalitäten, die auf's herrlichste eingerichtet sind, dem Gebrauche übergeben wurden. Der Vorstand, die Repräsentanten und die Baukommission haben sich hierdurch um unsere Gemeinde sehr verdient gemacht. Gestern wurde in der Svnagoge ein sehr feierlicher Trauergottesdienst für Sir Moses Montefiore abgehalten. — In ihrer Sitzung vom 20. Juli hat die französische Akademie der Wissenschaften in erster Linie für den Lehrstuhl der astronomischen und analytischen Mechanik am College de France unseren Glaubensgenossen Moritz Levy vorgeschlagen. Unter dem 27. Juli hat nun der Präsident der Republik Herrn Moritz Levy, Mitglied des Instituts, Chef-Ingenieur der Brücken und Wege für den ge- > dachten Lehrstuhl erwählt. Herr Moritz Levy ist auch Mit- - glied des israelitischen Centralconsistoriums für den Sprengel! von Algier. - Die französische Akademie der schönen Künste hat den zweiten großen Preis für Rom für die Bildhauerkunst unserem Glaubensgenossen Emanuel Hannaux, geboren zu Metz 1855, verliehen. Dieser junger Künstler, der auch mehrere Arbeiten im diesjährigen Salon ausgestellt hat, erhielt denselben Preis schon 1880. — Aus Amsterdam wird geschrieben: Professor L. de Hartog wurde an der hiesigen Universität zum Rector magnificus gewählt. Keuitleton. Erinnerungen. H. Als etwa ein Jahr später Sir Moses Montefiore sich entschloß, nach Petersburg zu reisen, um wo möglich bei dem Kaiser Nikolas eine Milderung in der Behandlung der russisch-polnischen Juden zu erwirken, kam er auf seiner Reise über Berlin nach Magdeburg, und verweilte hier einen Tag lang. Bekanntlich hatte sich die früher wohlwollende Gesinnung des Czaren, welcher die Unificirung, d. h. Russisicirung und diese wiederum ist identisch mit dem Uebertritt zur griej chisch - orthodoxen Kirche, wir sagen, der sich die Unificirung! aller Nationalitäten und Confessionen in seinem Reiche als Ziel gesetzt hatte, in eine gewaltthätige Härte gegen die Juden verwandelt, und die drückendsten Ausnahmegesetze, namentlich in der Rekrutirung gegen sie erlassen. Hierüber dem Kaiser in angemessener Form Vorstellungen zu machen, war die große Aufgabe, die sich Sir Moses bei dieser Reise gestellt hatte. Wie immer, begleitete ihn seine Gemahlin, Lady Judith, auch auf dieser Reise. Bei einem Besuche des Sir Moses fand er mich zufällig nicht zu Hause, weshalb ich, hiervon unterrichtet, nach dem Hotel eilte, in welchem er abgestiegen. Im Salon traf ich die Lady Judith allein, und ich gestehe, daß selten eine Dame einen so tiefen Eindruck auf mich machte, als die verehrte Gattin des Sir Moses. Schon ziemlich betagt, und ohne schön zu sein, besaß sie soviel Anmuth, einen so freundlichen und wohlwollenden und zugleich intelligenten Ausdruck in ihrem Angesicht, daß sie jedes Herz gewinnen mußte. Sie kam mir wie eine ältere Schwester entgegen und bald waren wir in ein interessantes Gespräch gerathen. Später trat Sir Moses ein, damals nahe den Siebzigern, eine hohe Gestalt von echt englisch aristokratischer Haltung, etwas steif und kühl, aber imponirend. Er drückte sich fließend nur in seiner Muttersprache aus, jedes Wort war wohl erwogen und zeugte, wenn auch nicht von Tiefe oder Schwung des Geistes, doch von einem hohen edlen Ernste Wir waren bald in die Verhältnisse der russisch polnischen Juden, die damals außerhalb Rußlands wohl am besten mir bekannt waren, vertieft. Er ersuchte mich, ihm ein Memorandum auszuarbeiten, das ich ihm nach Berlin, wo er länger verweilen würde, nach senden sollte, was natürlich auch geschah. Einen weiteren Gegenstand der Unterhaltung fanden wir nicht. Denn eine gewisse Spannung bestand zwischen ihm und mir, von der Angelegenheit des Bannes gegen die Westend-Reform Gemeinde in London, bei welcher Streitfrage Sir Moses sich auf Seiten des Oberrabbincr vr. Adler befand, und in der ich jene Gemeinde durch ein offcnens Sendschreiben vertbeidigt hatte. Davon war selbstverständlich nicht die Rede, und wir nahmen unter den Wünschen besten Erfolges der Reise herzlichen Abschied von einander. Ich ging mit wahrhafter Achtung von diesem ausgezeichneten Ehepaare hinweg, mit einer gewissen Begeisterung für Lady Judith. Wie ich die Verhältnisse kannte, vermochte ich keine Hoffnungen an das Unternehmen des Sir Moses zu knüpfen; aber man konnte doch voraussetzen, daß das Erscheinen des von der englischen Regierung dringend empfohlenen Sir Moses auf den Kaiser einigen Eindruck machen und ihm! wenigstens eine vortheilhafte Meinung von den europäischen j Juden beibringen würde. Dies ging auch in Erfüllung. Der! Empfang des Sir Moses am kaiserlichen Hofe war überaus

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