Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1885)
- Date
- 1885-08-18
- Page
- Seite 546 (sequence 10)
- Language
- German
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546 beträchtlichen Theil verliert. Hat doch Stöcker in seinen' gegen von 9 auf 12 gestiegen. Die drei protestantischen Borträgen sich oft genug auf sein Dompredigeramt berufen i Confessionsschulen waren gar nicht von Katholiken besucht. und nun gar, wenn er von Amtswegen abgesetzt ist!) — Wie hiesige Blätter mittheilen, soll das Präsidium des Landgerichtes gegen die „Kreuzzeitung" wegen des Artikels über die Berurtheilung Stöckers mit dem Schlußsatz „il y a des juifs ä Berlin“ den Strafantrag eingereicht haben. Berlin, 4. August. Die Staatsanwaltschaft hat die in wohl aber von 54 Israeliten, die katholischen Cvnfessionsschulen außer von Katholiken auch von 52 Protestanten und 249 Israeliten, die Simultanschulen von 2328 Katholiken, 650 Protestanten und 156 Israeliten. Eine jüdische Volksschule besteht in München nicht. Kassel, 3. Aug. (Privatmitth.) (17. Jahresversammdem Prozesse Stöcker wider die «Freie Zeitung" eingelegte lung der israelitischen Lehrer des Regierungs- Revision zurückgenommen. Nachdem die Staatsanwaltschaft dies gethan, hat die Bertheidigung auch ihrerseits die Revision, welche sie nur mit Rücksicht auf das von der Staatsanwalt- Bezirks Kassel.) Unter reger Betheiligung fand am 6.Juli zu Eschwege die 17. Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Hessens statt. Die Mitglieder der dortigen israelischaft eingelegte Rechtsmitttel angemeldet hatte, in Hinblick tischen Gemeinde waren den Lehrern in der anerkennensauf die Gründe des Erkenntnisses zurückgezogen. Berlin, 9. August. (Privatmitth.) Die kleinen antisemitischen Blätter find eingegangen — wie ersetzt man dieselben, denn es darf doch an der Hetze gegen die Juden nicht fehlen? Diese Lücke auszufüllen — wenn wir von den «Preußischen Jahrbüchern" absehen — übernimmt wieder die „Kreuzzeitung". Dieselbe bringt seit einigen Tagen Leitartikel «Beiträge zur Judenfrage", welche an Gehässigkeiten! und Wuthausbrüchen den Artikeln nichts nachgeben, die dasselbe Blatt zum Einläuten des Antisemitismus seiner Zeit! gebracht hat. Nun vielleicht dienen sie jetzt zum Ausläuten., Eine Widerlegung, eine Polemik gegen dieses Organ der Reaction und des Fanatismus wäre sehr überflüssig. Sie würde diese Träger des mittelalterlichsten Geistes nicht im Geringsten abhalten, fortzufahren und alle Widersprüche und Gegenbeweise zu ignoriren. Nach ihrer Darstellung sind sämmtliche Juden nichts weiter als kleine Comptoiristen und Hausirer und das einzige Ziel derselben ist: gnaere nnmmos, d. h. Geld zu erwerben. In Wirklichkeit sehen wir denselben Zweck nicht mehr und nicht weniger als in den jüdiwerthesten Weise gastfteundlich und zuvorkommend entgegengekommen. Der Borsitzende Herr vr. Stein-Kassel eröffnete um 10 Uhr die Versammlung mit einer ebenso warmen und herzlichen als inhaltteichen Ansprache, indem er gleichzeitig die Gäste willkommen hieß. Als solche waren erschienen: die Herren Buchdruckereibefitzer A. Gotthelst-Kassel als Delegirter des Ausschusses des D.-J. G.-B., Rabbiner Goldmann-Eschwege, Kreisvorsteher Katzenstein-Eschwege und einige christliche Lehrer aus Eschwege und anderen Otten. Der Redner erörtette, daß Harmonie in Gesinnung und Handlung des Lehrers die Hauptbedingung seines gedeihlichen Wirkens sei. Er hob sodann hervor, daß der Religionsunterricht denselben pädagogischen Gesetzen unterliege, wie die übrigen Unterrichtsgegenstände, wies auf die verkehrten Ansichten hin, die gegenwärtig darüber laut werden und zeigte, was uns wahrhaft noth thue. Alsdann ergreift Rabbiner Goldmann das Wort, um die Versammlung Namens der Gemeinde Eschwege und in , seinem eigenen Namen zu begrüßen. Die Lehrer möchten stets die Pflicht rrr.r, \"2~rb im Auge behalten, um scheu Kreisen in den christlichen vorherrschen. Je heftiger insbesondere mit Hilfe des und der r£sn eine glaudiese Angriffe sind, je übertriebener und unwahrer ihre Bei benstreue Generation heranzubilden, heilbringend für die hauptungen, desto lieber ist es uns, denn um so offenbarer, Gemeinden und nutzbringend für das Vaterland. muß es dem Theile ihrer Leser, der nicht ganz verblendet ist, nicht ganz und gar auf die Kreuzzeitung schwött, werden , wie unbegründet deren Expectorationen und wie ver» j werflich ihre Motive sind. München. Das statistische Büreau der Stadt München veröffentlicht einen Bericht über die Münchener Volksschulen aus dem Schuljahre October 1883 bis August 1884. Die confessionc lle Ausscheidung ergiebt für 1884: 21,128 Katholiken, 2959 Protestanten, 459 Israeliten, 36 andere, nach Procenten 86 Katholiken, 12 Protestanten, 2 Israeliten in ziemlicher Uebereinstimmung mit der Ausscheidung der Gesammteinwohnerschaft nach der Zählung von 1880. Uebrigens ist der Procentsatz der katholischen Schulkinder seit 1875 von 89 aus 86 zurückgegangen, jener der Protestanten da- Mit kernigen Worten wandte sich hierauf der Delegirte des D.-J. G.-B. A. Gotthelft-Kassel an die Versammlung, die Lehrer daran erinnernd, doch stets die allgemeinen Gesichtspunkte des israelitischen Religionsunterrichtes zum Gegenstand ihrer Berathungen machen zu wollen und beim Unterrichte zu berücksichtigen. Da unsere Cultusangelegenheiten im Allgemeinen nur durch uns selbst, durch Opfer unserer Gemeinden gestützt und getragen würden, so möchten die Lehrer in ihren Gemeinden dahin wirken, daß die Bestrebungen des D.-J. G.-B. von diesen eifrig unterstützt würden. Diejenigen Provinzen, die, wie die Provinz Hessen, nach dieser Richtung hin ein gut Theil besser gestellt wären, als andere unseres Vaterlandes, wären daher verpflichtet, in erster Linie wirksam aufzutreten.