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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-18 · Heft 34 (18.8.1885) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 34 (18.8.1885)
Date
1885-08-18
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
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541 das Toleranzedict Kaiser Josef H., das sich zwar nur auf^gegen Josef H. Toleranzedikt, wurde die erste Schule erdie jüdischen Unterthanen der österreichischen Kronländer er-!richtet. Lombardische Gemeinden, die sich direkt an Wessely streckte, in der That aber in ganz Deutschland eine tiefgewandt hatten, folgten bald seiner Aufforderung. Das geschah gehende Gährung zur Folge hatte. Die österreichischen Juden im Jahre 1782. In Deutschland entstanden jetzt in kurzen entsetzten sich vor dem Gebote des Kaisers, Schulen in ihren , Zwischenräumen Schulen in Breslau, Seesen, Dessau, Frank- Gemeinden zu errichten, sie glaubten daß profane Wissenschaft' furt a. M., Wolfenbüttel, Kassel, Hamburg und bald in allen das Talmudstudium verdrängen und die Jugend durch die größeren Gemeinden. Schulbildung dem Judenthum entfremdet werde; da richtete! Im Jahre 1791 ward die Wilhelmsschule in Breslau Hartwig Wessely, der Freund Mendelssohns, an die öfter-! gegründet. Verschieden von der Gründung der Berliner Freireichischen Gemeinden ein Sendschreiben: ncxi cii-r schule, ging hier die Initiative von der Regierung aus. Worte des Friedens und der Wahrheit, dem er noch drei! Christliche Beamte entwarfen den Plan zur Einrichtung der andere Nachfolgen ließ. Darin ermahnt er seine Glaubens-; Schule, und in ihrer Hand lag die Wahl der Lehrer. Es brüder, das Edikt des Kaisers als einen Gnadenakt zu be-; war eine von wohlwollender Gesinnung und humanen Angrüßen, der sie ihrem bürgerlichen Elend entreiße, er wies fchauungen überströmende Rede, die einer der Herren von auf das naturwiderige der damaligen Erziehungsweise hin, der Schulcommission, Professor Gedike, Lehrer am Elisabeth- und wie diese dem schriftlichen und mündlichen Gesetze; gymnafium, bei der Einweihung damals hielt, und worin widersprechen, er verlangt eine Umgestaltung der ganzen er ausführte „daß die Verbesserung des Unterrichts und die Erziehung, zu der er selbst den Plan vorzeichnet. Ge- Erziehung der jüdischen Jugend ein der Aufmerksamkeit des sittete, deutschredende Lehrer, Unterricht in den Elementen I Staates würdiger Gegenstand, ja eine Pflicht für ihn sei, der hebräischen Sprache, der bis zum eingehenden Talmud-■ und daß sich davon für den Staat und die Nation bedeustudium vorschreite, ferner im Deutschen und in einer fremden ' tende Bortheile erwarten lasse. Für Hebräisch und Religions- Sprache, in Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften ’ unterricht waren wöchentlich für die unteren Klassen fünf, stellt er darin als unabweisbare Forderungen auf. Für den für die höheren sechs Stunden bestimmt, später kamen noch hebräischen und Religionsunterricht, der bei weitem den Haupt-! mehr hebräische Stunden und Unterricht im Talmud hinzu; bestandtheil des ganzen Unterrichts auszumachen hat, entdoch hörte letzterer wegen Mangel an Zeit schon Ostern wirft Wessely einen nach Stufen geordneten, vom Leichteren 1793 auf. zum Schwereren aufsteigenden Unterrichtsplan. Für die untere Zehn Jahre später als die Breslauer Wilhelmsschule Abtheilung schreibt er vor Lesen lernen und Grammatik, für! wurde in Seesen am Harz die Facobson'sche Freischule gedie zweite Pentateuch und Religionslehre, später andere gründet; sie war das Werk eines Privatmannes, des für die biblische Bücher, für die dritte Mischnah und Talmud; wer Reform des jüdischen Erziehungs- und Gemeindewesens hochhier keine sonderlichen Fortschritte gemacht, soll zu einer verdienten westphälischen Consistorialpräsidenten Jacobson, nützlichen Beschäftigung, besonders einem Handwerk heran- Die Schule war bestimmt für jüdische und christliche Kinder, gezogen werden, und sich in Bibel und Religionslehre verdenen, wie der Gründer sich selbst bei der Einweihung ausvollkommnen, die tüchtigeren hingegen sollen sich tiefer und spricht, durch innige Gemeinschaft in den Unterrichtsstunden, eingehender mit dem Talmud beschäftigen. Damit hatte bei Tische, bei Spielen und durch Zusammenwohnen die Wessely der alten Weise den Krieg erklärt, nach der, wie er Grundsätze der Toleranz beinahe schon mit der Muttermilch selbst in seinem vierten Sendschreiben erzählt, das Kind in eingegeben werden sollten. Für hebräischen und Religionsdie Schule gebracht wird, um Lesen zu lernen ohne Wortunterricht war reichlich Sorge getragen. Später wurde die und Accenterklärung; dann lernt man mit ihm ein halbes Stundenzahl verringert, doch entfielen im Jahre 1807 immer Jahr Pentateuch und alles übrige in einem Jahre in unnoch vier Stunden in der unteren und fünf in der oberen schöner Sprache ohne passende Erklärung, die sich den Ohren Abtheilung auf diesen Gegenstand. des Kindes einschmeichelt, und ist das Kind sechs oder sechs und ein halb Jahr alt, fängt man an, irgend ein talmudisches entlegenes Gebiet über Ehe- und Civilrecht mit ihm durchzugehen. — Die Rabbiner in Prag und Lifsa verhängten Den Bann über Wessely und seine Schriften. Aber mit Bannflüchen und Machtsprüchen kann man den unaufhaltsamen Schritt der Zeit nicht hemmen. Nach Wessely's Lehrplan zu unterrichten, rühmten sich die Schulen noch nach zwanzig Jahren, und in Prag, dem Hauptsitz der Opposition Ebenfalls mit dem Namen Jacobson verknüpst ist die Samsonschule zu Wolfenbüttel. Schon im Jahre 1786 war hier ein Bet-Hamidrasch gegründet worden, das sich im Verlaufe der Zeit zu der Samsonschen Erziehungsanstalt herausbildete. Die Umwandlung geschah im Jahre 1807. Schon vermöge ihrer Entstehung trug diese Schule mehr als andere den Stempel einer jüdischen Erziehungsanstalt. Sie ward eine jüdische höhere Bürgerschule. 13 Stunden sind in der oberen Abtheilung für hebräischen und Religionsunterricht

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