Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1885)
- Date
- 1885-08-18
- Page
- Seite 540 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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540 Gepräges, das sie trug, zurErhalterin der jüdischen Religion. Die-! während 1740 ein Jude aus Berlin verwiegen wurde, weil selben Lehrgegenstände, dieselben Materien, die in den Schulen zu er ein deutsches Buch gelesen, im Jahre 1778, ebenda die Jamnia, zu Sura und Pumbedita vorgetragen wurden, bildeten erste jüdische Schule errichtet wurde, in welcher Deutsch und das ganze Alterthum und Mittelaller hindurch in allen Ländern profane Wiffenschasten gelehrt wurden, wo Juden wohnten, den vorzüglichsten, oft einzigen Unter--; Ich habe oben gesagt, Mendelssohns Wirken sei ein völlig richtsstoff, und bis in das letzte Drittel des vorigen Jahr-' unbewußtes gewesen. Hier der Beweis! Im Jahre 177ö Hunderts wurde in jüdischen Schulen nichts gelehrt als Tali forderte Basedow, als das Philanthropin zu Dessau errichtet mud. Profanes Wissen ward gering geachtet. Natürlich! i wurde, Mendelssohn auf, israelitischen Zöglingen und Lehrern Stand es ja in keiner Beziehung zur Religion, die das! diese Anstalt zu empfehlen, damit sie, unbeschadet ihres ganze Leben des Juden durchdrang und keinen (zumal so)! Glaubens, aus geistigem Schlummer geweckt würden und sich weltlichen Nebenbuhler dulden konnte; und wozu sollte auch! der europäischen Bildung näherten. Aber Mendelssohn erdas fremde Misten? Adelte es den verachteten Ghettowiderte: „Soll ich der Jugend meiner Nation die Frucht der bewohner in den Augen des Andersgläubigen, verschaffte es ihm Aemter, Würden, Titel? Wohl in zwei Ländern, in Bildung in ihrer Schöne zeigen lasten, damit den Armen ein um so stärkerer Durst nach dem Genuffe philanthropischer Spanien und in Italien wurden die Juden einst zu Aemtern Freiheit erweckt werde, soll ich sie die Freuden der mensch¬ und Ehrenstellen zugelasten, da warfen sie sich auch mit Eifer lichen Gesellschaft von denen sie ausgeschlossen sind, lehren, und Erfolg auf fremde Wissenschaften, aber sonst in allen .damit sie ihre Entbehrungen noch stärker fühlen?" Ländern zu allen Zeiten, bald mehr bald minder, waren sie so! Aber Mendelssohn konnte den Funken, den er in den zurückgesetzt und erniedrigt, so ausgeschlossen von allem Ber- Herzen der deutschen Juden entzündet, nicht verlöschen. Der kehr, daß es nicht Wunder nimmt, wenn sie zurückflüchtetcn Funke ward zum großen Feuerbrand, der alles alte Morsche in die Stille ihrer nationalen Literatur nnd sich vergruben j ergriff und verzehrte. Die Bildung unter den Juden schritt hinter die ehrwürdigen, geistesschärfenden Folianten, dort , vor mit der Freiheit und die Freiheit mit der Bildung. Wer Trost und Belehrung zu suchen.! kann sagen, was früher, was später, was Ursache, was Wir- Freilich warf die Zurücksetzung und die einseitige Bekung gewesen? Die Schulen, die in den letzten zwanzig Jahren schäftigung düstere Schatten in ihr Leben. Ihre Sprache. des vorigen Jahrhunderts errichtet wurden, erzogen die Juden ward der Jargon, ihre religiösen Anschauungen wurden mit > zur Freiheit, machten sie fähig zur Gleichberechtigung, aber Mystik und Aberglauben stark versetzt, ihre Schule mußte * hat nicht die freiheitliche Strömung der Zeit erst die Schulen den Namen hergeben für das Urbild der Regellosigkeit und geschaffen? Unordnung. Da trat in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Umschwung ein in den Anschauungen hervorragender christlicher Geister, der Humanitätsgedanke brach sich Bahn, an alten Borurtheilen wurde gerüttelt, ein freier Luftzug durchwehte Europa, der zum gewaltigen alles niederreißenden Sturmwind sich erhob in der französischen Revolution. Die große Die erste dieser Schulen habe ich schon erwähnt. Es ist die im Jahre 1778 in Berlin errichtete Freischule. Zwei der hervorragendsten jüdischen Männer von Berlin, Isaak Daniel Jtzig und David Friedländer, standen Pathe bei der Gründung dieser Schule, die unter Leitung tüchtiger Lehrer und Direktoren — seit 1806 wirkte Lazarus Bendavid als Direktor an derselben — tausende von Schülern ausbildeten. Zeit schuf einen großen Mann im Judenthum; noch bevor > die Sendboten des neuen Geistes für Deutschland wurden, die französische Revolution mit den alten eingeftestenen Bor-i Wo vordem regellose Willkür und Maßlosigkeit in Anwendung urtheilen aufräumte, trat Mendelssohn auf als geistiger Res körperlicher Züchtigungsmittel geherrscht, zog jetzt der Geist formator seiner Glaubensgenossen. Sein Einfluß auf seine! der Ordnung und Pädagogik ein, und die Schulgesetze der jüdischen und christlichen Zeitgenossen war ein ungeheurer. Freischule, die uns heute noch gedruckt vorliegen, dürsten So wenig er bei seiner Bescheidenheit selbst davon wußte, j unbedenklich jedem Elementarschüler und Gymnasiasten als Mendelssohn lehrte die Juden durch seine Pentatcuchüberj Richtschnur in die Hände gegeben werden. An der Anstalt setzung deutsch sprechen, und die gemeinsame Sprache bildete j wirkten Juden und Christen als Lehrer, und von 1806 bis nun den Einigungspunkt zwischen Deutschen und Juden, 1819 besuchten auch christliche Kinder die Freischule. Ein wie vormals der Jargon beide äußerlich getrennt hatte; und! ziemlich großer Teil der Unterrichtszeit wurde auf Hebräisch Mendelssohn lehrte die Christen durch sein eigenes Leben, wie verwendet. So war denn in Berlin eine Musterschule geder verachtete Jude fähig sei, sich zu der Stufe emporzuschaffen, die vorbildlich für andere Städte werden konnte, arbeiten, auf der die bevorzugtesten Geister der Nation standen, und in der That folgten bald viele größere Städte dem ge- Und unter den deutschen Juden vollzog sich in wenigen De-j gebenen Beispiele. cennieu eine solche Umwälzung der Anschauungen, daß, Mit hervorgerufen wurden diese Schulen auch durch