Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1885)
- Date
- 1885-08-11
- Page
- Seite 533 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Antonio Enriquez Gomez, ein spanischer Dramatiker. In den von uns bereits besprochenen „Annuaire des Archives israelites pour l’an du monde 5646“ gießt E rneste David eine Abhandlung über die jüdischen Dramatiker. In Besonderem versteht er darunter die 3 Spanier: Antonio Enriquez Gomez, Miquel de Barrios und Antonio Jose da Silva, alle drei Juden, von welchem er im vorliegenden Jahrgange den ersteren bespricht, die beiden anderen für die folgenden Jahrgänge sich Vorbehalt. Wir theilen aus diesem Artikel Folgendes mit: Gomez war in Segoria im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts geboren (genau bestimmen läßt sich sein Geburtsjahr nicht). Er war am spanischen Hofe unter dem Namen Enriquez de Paz bekannt, Sohn des Diego Enriquez de Billanueva, eines portugiesischen Juden, der sich zum Schein zum Christenthume bekehrt hatte, aber wie fast alle Marannen insgeheim das Judenthum bekannte. Mit seltenen Geisteseigenschaften ausgestattet, machte der junge Gomez treffliche Studien und trat mit seinem 20. Jahre in die militärische Laufbahn ein. in welcher er sich so auszeichnete, daß er in wenigen Jahren zum Grade eines Capitäns stieg und mit dem Orden des h. Michael decorirt wurde, ja sogar den Titel eines königlichen Raths erhielt. Allein weder seine Tapferkeit noch seine Dienste und Würden konnten ihn dem Verdachte der Inquisition entziehen, welche mit Argusaugen alle Neu-Christen ausspionirte, noch ihn vor deren Verfolgungen schützen. Er wurde in einen Proceß mit anderen judaifirenden Männern vor dem Glaubenstribunal hineingezogen und hatte nur die Zeit, die Grenze zu überschreiten und sich dem grausamsten Geschick zu entziehen. Dafür wurde er ln effigie verbrannt. Er kam nach Frankreich, blieb einige Jahre in Bordeaux, Rouen und Paris, wo er mehrere Schriften drucken ließ, und wandte sich dann nach dem gastfreundlichen Amsterdam, der gemeinsamen Zufluchtsstätte der Marannen, die gezwungen waren, ihr stiefmütterliches und unerbittliches Vaterland zu fliehen. Hier bekannte er sich offen wieder zum Judenthum. Seine früher gehegten Hoffnungen, den spanischen Boden wieder einmal betreten zu können, gingen nicht in Erfüllung. Er starb in Holland gegen 1632, und seine Asche ruht in fremder Erde. In seinen Academies morales des Muses — natürlich in spanischer Sprache — 1642 in Bordeaux veröffentlicht, bezeichnet er deutlich das Jahr 1636 als das, in welchem er sich aus Spanien gerettet hatte. In diesem Werke, wie in seinen Oden und Sonnetten, sprechen sich die bitteren Empfindungen und der Schmerz aus, seinem Vaterlande entriffen zu sein. Gomez hat fast alle Zweige der Literatur cultivirt. Nacheinander zeigt er sich als Philosoph, lyrischer, epischer und dramatischer Dichter, Theologe, Statistiker, Diplomat und vieles mehr. In dem Prolog zu seinem Gedichte „Simson der Nasiräer", welches man als sein Glaubensbckenntniß ansehen kann und aus dem Jahre 1644 (Rouen) datirt, zählt er seine Werke auf, nämlich: Die moralischen Akademien, der Fehltritt des ersten Reisenden, die Engelspolitik, Ludwig der Gottgeschenkte (Ludwig XIV.!), der Thurm von Babel und das Gedicht Simson. Sie machten 9 Bände in Prosa und Versen aus, sämmtlich von 1640—1649 verfaßt. Er verspricht noch einen zweiten Theil des Thurmes von Babel, Haman und Mordechai, der Ritter vom Wunder, Josua und die unsterblichen Triumphe. „Das heißt viel versprochen", sagt er, „bei meinen auch schon verminderten Kräften; aber ich kann nicht mehr aufhören zu schreiben, als meine Nebenbuhler mich zu kritisiren“. Jndeß sind diese letzteren Werke nickt auf uns gekommen, und nichts läßt voraussetzen, das; sie gedruckt worden seien. Wer die Schriften von Gomez durchlieft, wird zugestehc», daß er einer der brillantesten Schriftsteller am Hofe Philipp IV. gewesen sein mußte, sowohl als lyrischer, epischer und dramatischer Dichter, als auch als Satiriker. Wie alle spanischen Autoren seiner Zeit hat er allzusehr die italienische Manier, z. B. Petrarca's nachgeahmt und auf die äußere Form das größte Gewicht gelegt. Jndeß opfert er Gedanken und Originaltät nicht. Seine lyrischen Gedichte zeichnen sich durch die Reinheit der Form und die Schönheit des Ausdruckes, aber auch durch die Frische der Gedanken und die Fülle und Tiefe der Gefühle aus. Er besang das Glück und die Ruhe des Landlebens in Tönen sanfter Melancholie und in tief erregender Elegie den Schmerz über seine Verbannung. In seinen „Episteln Hiobs" malt er mit zarter Empfindung und feiner Delicateffe die Leiden seiner Existenz. Weniger auf der Höhe sind seine von dem falschen Geschmack seiner Zeit beeinflußten epischen Gedichte. Im „Simson der Nasiräer" sind es nur der 19. und letzte Gesang, welcher einen wahrhaft epischen Charakter trägt. Sonst finden wir daselbst viel Galimatias und völlige Entstellung des biblischen Gedankens. Bekanntlich zeichnen sich die spanischen Dramatiker durch die Fruchtbarkeit ihrer Einbildungskraft und die Leichtigkeit der Ausführung aus. Dies findet auch bei Gomez statt. Er hatte dabei stets offen seinen Namen auf den: Titel seiner Dramen bezeichnet, was bei den Spaniern nicht immer gebräuchlich war. Dennoch wagten es nach seiner Entfernung aus Spanien Buchhändler, mehrere Stücke von Gomez unter dem Namen Calderon's herauszugeben, ohne die Proteste des Letzteren gegen diesen Betrug zu berücksichtigen. Gomez verfaßte 22 Stücke, die bereits vor 1642 erschienen waren, wobei man über die fruchtbare Feder unseres Autors erstaune» muß. Sein Landsmann und Glaubensgenoffe, der Capitän Don Manuel Fernandy de Billareal, welcher gleicherweise von der Inquisition verfolgt worden und weniger glücklich ihr