Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-11 · Heft 33 (11.8.1885) · p. Seite 530

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 33 (11.8.1885)
Date
1885-08-11
Page
Seite 530 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227589--42843-3311435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

530 gewinnen wisse, so würde er auch sich ihnen anschließen und versichere ihm dann, daß es eine gewonnene Sache sei. Er nannte auch einige der tonangebenden Bürger, worunter der zur Kandidation kanditirte Budapester jüngere Bruder Einen aufsuchte. Dort wurde er nun sehr herzlich empfangen. Der tonangebende Bürger freute sich des Besuches, bewirthete den Fremdling und sie knüpften zweifellos gute Freundschaft an, da sie augenscheinlich mit einander sympathisirten. Im Laufe des Gespräches erklärte der Budapester jüngere Bruder, daß er — wozu Umschweife — ein antisemitischer Kandidat zu sein wünsche und seinen Hausherrn ersuche, seine Angelegenheit in die Hand zu nehmen, da er von ihm das Meiste erhoffe. „Ich danke aufrichtig" sprach ganz sentimental werdend der Hausherr, „daß Sie so viel Vertrauen zu mir fühlen und meiner Wenigkeit so viel Einfluß zuschreiben — aber ich kann die mir zugedachte Ehre kaum acceptiren, denn belieben zu wissen, ich bin zufällig der — Präses der israelitischen Religionsgemeinde!" ihrer Haut wehren. Es ist noch nicht abzusehen, wann diese Unruhen aufhören werden, und wollen wir nur wünschen, daß es zu keinen größeren Emeuten komme. — Ein anderes Zeichen der judenfeindlichen Gesinnung, die in Algerien herrscht, wird durch folgende Nachricht gegeben. Wir haben in voriger Nummer über die Ertheilung der Ehrenlegion an Jacob Jais in Algier berichtet, welcher diese Auszeichnung wegen seiner Verdienste erhielt, die er als Retter bei Feuersbrünsten und Lebensgefahr erworben. Es heißt nun in einem Telegramm vom 27. d.: „In Algier gaben 76 Mann der Feuerwehr-Compagnie ihre Demission, weil ihr jüdischer Adjutant Jacob Jais den Orden der Ehrenlegion erhielt." Dies klingt etwas sonderbar, da sich diese Feuerwehrmänner doch längst ihren jüdischen Adjutanten gefallen ließen. Großbritannien. London, den 28. Juli. Man schreibt von hier: Sir Moses Montefiore ist heute Nachmittag 4> 2 Uhr in East! Cliffe Lodge, seiner Besitzung bei Ramsgate, im Alter von Der Korrespondent setzte der Geschichte nicht hinzu, mittelst nahezu 101 Jahren gestorben. Die direkte Todesursache war welchen Ueberganges sich der Kandidat empfahl, nur so viel schreibt er noch, daß der Budapester jüngere Bruder hierauf auf die Kandidatur verzichtete und eilends Szoboßlö verließ. Dies war aber schade, denn wenn die Sache Jstoczy erfährt — der jetzt eine separate äußerst-linke Antisemitenpartei, eine separate gemäßigt-oppositionelle Antisemitenpartei und eine separate regierungsfreundliche Antisemitenpartei gründen will — würde er, zur Vermeidung eines derartigen Malheurs sicherlich, wenigstens in den .rüpiratok1*, eine israelitische Antiscmitenpartei bilden. Frankreich. Paris, 28. Juli. Nach einer Nachricht aus Constantine fand dort ein Zusammenstoß zwischen Unterlehrern des Lyccums und einer Gruppe Israeliten statt, wobei es einige Verwundungen gab. Die Militärbehörde hat Wachen zum Schutze des Judenviertels aufgestellt. Als beim Beginn der nun schon längere Zeit dauernden Aufregung in den algierischen Städten gegen die eingeborenen Juden, die sich passiv verhielten, wurden sie von den feindlich gesinnten Blättern wegen ihrer Feigheit verspottet. Seitdem haben die jüdischen Männer und Jünglinge sich zusammengethan, um den Angreifern kräftig entgegenzutreten. Dies gefällt nun den Gegnern wieder nicht und sie beschuldigen die Inden, Händel zu suchen und anzugreifen. Allerdings werden Zusammenstöße dadurch folgenreicher und Juden arretirt und zur Strafe gezogen. Andrerseits nehmen sich doch Diejenigen mehr in Acht, welche die Juden auf den Straßen zu vereine Lungencongestion. Der greise Philantrop schied ruhig und friedlich aus demLeben, umgeben von seinen Verwandten und Freunden. Bis zuletzt war er bei Bewußtsein. Zahlreiche Beileidstelegramme sind bereits von allen Seiten eingegangen. In der Stadt wie im Hafen wurden rasch Embleme der Trauer entfaltet. Das Rathhaus von Ramsgate wird schwarz drapirt und der Bürgermeister hat seine Absicht kundgegeben, die Einwohner zu ersuchen, am Begräbnißtage ihre Läden zu schließen. Die Testamentsvollstrecker des Dahingeschiedenen sind sein Neffe Herr Joseph Sebag, Lord Rothschild, Mr. A. Cohen, königlicher Justizrath und Parlamentsmitglied, sowie vr. Löwe, der deutsche Secretair Montefiore's. Das Begräbniß findet nächsten Freitag, Nachmittag 2 Uhr statt, und zwar in dem Mausoleum zu Ramsgate, welches Montefiore für seine verstorbene Gattin errichten ließ. Ramsgate, 31. Juli. Das Leichenbegängniß des Sir Moses Montefiore hat heute Nachmittag um 2 Uhr in der Mitte eines außerordentlich großen Zuflusses von Leidtragenden stattgefunden. Der Leichnam war nach dem letzten Willen des Verstorbenen in das Linnenkleid gehüllt, welches er an seinem Hochzeitstage getragen. In die Hand war ihm ein Buch gelegt, welches einen Bericht über alle philanthropischen Werke seines Lebens enthielt. Seine sterblichen Reste ruhten in einem einfachen beengten hölzernen Sarge, über welchen ein schwarzes Tuch gebreitet war. Der Sarg wurde von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde getragen, kein Wagen folgte. Die von allen Punkten Englands in Sonderzügen herbeigeeilte Menge folgte zu Fuß. Aus vielen Gegenden Europa's waren israelitische Delegationen gekommen. Der spotten und zu mißhandeln lieben, wenn Jene sich kräftig Bürgermeister von Ramsgate, alle Mitglieder der Stadtbehörden,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.