Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1885)
- Date
- 1885-08-11
- Page
- Seite 527 (sequence 7)
- Language
- German
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527 geschadet, indem man Tausenden Galle und Wermuth in das Recht und Billigkeit, das heißt das Mark und die Kraft der Leben gegossen hat. Für das Judenthum, d. h. die religiöse öffentlichen Wohlfahrt. Denn Theoreme, wie sie jetzt auf Gemeinschaft, ist der Fluch zum Segen geworden, denn er Gassen und Straßen verkündet werden, stehen im Widerstreit hat die Schwachen und Wankelmütigen zur Erkenntniß über mit der Quelle des menschlichen Gemeinsinns, mit der gegensich selbst und zum Festhalten an der alten Fahne bewogen, seitigen Achtung vor Menschenwürde und vor Geschädigt aber ist meiner besten Ueberzcugung nach das sitt- Menschenrecht. liche Bolksbewußtsein und die allgemeine Auffassung von Robert Heinemann. c iiopn Deutschland. j Berlin, den 27. Juli. (Privatmitth.) Mau könnte, sich wundern, warum die öffentlichen Blätter, die den Aus-' druck der öffentlichen Meinung repräsentircu, so viel und io lange auf der „Stöckeriadc" herumreiten, und sich immer und immer wieder über den Werth oder Unwerth seiner Persönlichkeit auslaffen. Geht man aus den Grund, so siebt mau. daß dieser ganze Streit von der Kreuzzeitung au ^gegangen und fortgesetzt wird, indem sie zugleich gegen die ganzen gesetzlich bestehenden Rechtsinstitutc losfährt. Gewöhnlich, wenn in einer Partei eine Person ihr Ansehen verliert, läßt jene diese fallen, um nicht mit ihr idcntifizirt zu werden. Es ist daher ein Zeugniß für den Mangel an.Kräften in der ultra-conservativen Partei, wenn sie Alles daransctzt, ihren Agitator Stöcker durchaus oben zu halten, selbst aus die Gefahr hin, die unbefangeneren Conservativcn zurückzuschreckcn. Wir vermögen deshalb in allen diesen Vorgängen nur die ersten Symptome des bald beginnenden Wahlkampfes für das Abgeordnetenhaus zu erblicken. Die Aussichten für diesen stellen sich deshalb dahin, daß er wieder ein sehr erbitterter werden wird. Für die conservativc Partei wird cs zu einen: Prüfstein werden, ob sie, der Kreuzzeitung folgend, Stöcker conserviren wird oder nicht. — Die Nachricht einiger Blätter, daß Stöcker in seinen Geistlichen Funktionen sisiirt sei, erweist sich als irrig, da er gestern wieder die Kanzel im Dome betreten hat. Eigcntbümlich traf es sich, das; das Schristwort für diesen 8. Sonntag nach Trinitatis sich in Math. 7, 15 — 23 findet, in welchem „vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber sind sic reißende Wölfe," gewarnt wird. Nun von jeher haben die „falschen Propheten" behauptet, daß sie die echten seien. Uebrigens sprach Stöcker nicht über dieses Evangelium, sondern über einen freien Text und enthielt seine Predigt keine Art von Anspielung. Nach der „Neuen Zeitung" soll man von einer einflußreichen Stelle der conservativen Partei fest entschloffen sein, der Aufstellung Stöckers als Eandidatcn für die preußischen Landtagswahlcn in der entschiedensten Weise entgegen zn treten. Es ist dies jedoch abzuwarten. Berlin, den 29. Juli. Nach dem „Deutschen Tagebl." actjvlctjlcjv fjat Adolf Wagner sich entschlossen, eine Candidatur für die nächste Landtagswahl nicht wieder anzunehmen. Die Gründe, welche ihn zu diesem Entschlüsse bestimmt haben, lägen hauptsächlich darin, daß ihn die parlamentarische Thätigkeit seinem Berufe und seinen wiffcnschaftlichen Arbeiten entzieht. Das Blatt bemerkt, daß er es mit einigen seiner Anhänger vornehmlich durch seine Abstimmung bei der Lotteriefrage verdorben habe. Bekanntlich ist Pros. Wagner, der erklärte Antisemit und Freund Stöckers, bei den Reichstagswahlen durchgefallen; somit wird seine parlamentarische Thätigkeit ein Ende haben. Die Trauben hängen oft zu hoch und — werden dann für sauer erklärt. Hamburg, den 28. Juli. Das „Hamburger Fremden- Blatt" von: heutigen Datum enthält Folgendes: Erlauben Sie, Herr Redactcur daß ich Ihnen zur Kennzeichnung der Wahrheitsliebe Stöckcr's beifolgende eigenhändige Briese des Herrn Hofprcdigers, die allerdings aus einem früheren Jahr, aber schon aus der Zeit höchster Agitation Stöckers datircn. zum Abdruck einsende. Dieselben bedürfen keines Eonnncntars und werden gewiß an und für sich berechtigtes Staunen erregen. Die Briefe lauten: Geehrter Herr! Sie irren, wenn Sie glauben, daß ich in unseren Versammlungen eine Beschimpfung der Juden geduldet hätte. Ich habe von diesem Volke der Offenbarung immer mit Liebe geredet. Zwei Vorwürfe aber kann ich den Juden nicht ersparen: Jüdische Zeitungsschreiber beleidigen und zerstören in unerhörtem Maße das Christenthum, und die einseitige Beschäftigung der Juden mit Börse und Handel gefährdet unser Volkswohl. Diese Rüge auszusprechcn ist nicht intolerant. Ergebenst Hofprediger Stöcker. Ew. Wvhlgeboren erwidere ich ergebenst, daß die von den Zeitungen gebrachte Notiz, ich hätte die Juden geschmäht, wieder eine von den in unserer Presse gewöhnlichen Entstellungen ist. Ich kann Ihnen nur rathen, alle in dieser Richtung gebrachten Mittheilungen für falsch zu Hallen. Die hiesige liberale Presse ist meist in den Händen der Juden, wie Sic sich ans dem Katalog überzeugen können, und be-