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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-11 · Heft 33 (11.8.1885) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 33 (11.8.1885)
Date
1885-08-11
Page
Seite 526 (sequence 6)
Language
German
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526 das Verbrechen nichts zu thun habe, daß es aus einem Grunde! brirten, damit die letzteren ihre Geldangelegenheiten regelten, seine Quelle schöpfe, der von jenen Factoren unabhängig und | „Laßt uns besser werden," — rufen Sie mit dem Dichter der bei Leuten jeder Confession, jeden Stammes anzutreffen j aus —, das bedeutet wohl, mit Juden keinen geschäftlichen sei? — Und hat die Regel „ quiscjue bonus praesumitur4j Verkehr anknüpfen, dann „wird's gleich besser sein", das heißt für den Juden keine Bedeutung? —! doch, dann wird es nicht mehr Vorkommen, daß angesehene Was soll ferner das Wort „jüdische, bezw. verjudete! Christen einem Juden ihre Achtung bezeugen, denn in einem Presse" besagen? Etwa eine solche, deren Redacteur ein Jude anderen Sinn darf das Wort „den Hof machen" zu Ehren ist? Ist der Herausgeber allein deshalb verdammt, weil er! jener Herren doch wohl kaum verstanden werden. Jude ist? Hat er nicht, wie Jedermann, einen Anspruch! Ich bedauere innig, Herr Geheimrath, daß der gewiegte darauf, daß man nach seinen Thaten, nach seiner Pflicht-> Staatsrechtslehre!, der vorzügliche Jurist, der tiefreligiöse ersüllung ihn beurtheile und nicht mit V orurtheilen ihm entgegentrete? Es wird behauptet — allerdings als ein privilegitim odiosum — daß die Eigenschaft als Jude ein ebaraoter iudelebilis fei, der durch feine Handlung oder Begebenheit verloren werden könne. Dann möchte man die Bernays'fchen Faustvorträge, die Stahl'schc Politik, die Neander sche Kirchcngeschichte als „verjudete" Geisteserzeugniffe bezeichnen. Man werfe mir nicht ein, daß Niemand die Consequenz ziehen würde. Mit eben dem Recht, mit welchem Mann eine derartige Ansicht als die seinige öffentlich verkündet. Ich gehe gewiß nicht fehl, daß nicht gesagt sein soll, es sei verwerflich, daß einem Kaufmann, weil er Kaufmann ist, von dem äußeren Range nach höherstehenden Persönlichkeiten „der Hof gemacht", das heißt Achtung gezollt werde. Der Mitbürger der Familien Jenisch und Schröder kann das nicht haben sagen wollen. Nein, weil dieser Kaufmann „Jude" ist, weil er einer confessionelleu Minorität angehört, weil er nicht den Glauben mit der Mehrzahl theilt. man die Preffe einer gewiffen Richtung mit diesem Beiwort jaus diesem einen Grunde soll ihm die Achtung versagt sein, benennen darf, weil an einzelnen ihrer Organe Personen Er mag seine Pflicht in jeder Hinsicht erfüllt haben, er mag, jüdischer Abkunft Mitwirken, mit ebendemselben darf man | wenn er Christ wäre, der Achtung im höchsten Grade würdig jenen Geisteswerken diese Bezeichnung beifügen. Denn mit sein, er mag sein Leben dem Dienst der Gesammtheit, sein dem Inhalt und der Tendenz solcher Tagesblätter hat derj Wirken den Jntereffen der Arinen, seine Kraft der Liebe zum jenige Begriff, welcher durch das gewählte Beiwort aus-j Vaterland geweiht haben — und giebt es solche Juden wirkgedrückt wird, nichts zu schaffen. Ist nicht gar schon dienlich nicht? — nein, der Achtung der christlichen Mitbürger Behauptung aufgestellt, daß die lutherische Uebersetzung des j kann und darf er nicht theilhaftig werden, denn er ist Jude! alten Testaments die „Verjudung" Deutschlands bewirkt!— Es wird mir schwer, diesen Standpunkt von der Jntohabe, weil das alte Testament von Jueen verfaßt sei? Meiner bescheidenen Ansicht nach ist es kein Beweis intellectueller Superiorität, wenn man a priori menschliche leranz und dem Vorurtheil zu unterscheiden, welches meines Ermeffens nicht zum wenigsten die Ursache wie die Wirkung der ja auch von Ihnen nicht gebilligten antisemitischen Be- Handlungen und Einrichtungen nach dem construiren will, wegung ist. was nicht innerhalb, sondern außerhalb derselben liegt, wenn man etwas in die Dinge hincinträgt, anstatt daß man gemäß ihrer individuellen Gestaltung aus ihnen heraus den innersten Kern entwickelt. Und deshalb darf ich meine Stimme dagegen erheben, daß gewiffen Ausdrücken, die man „Keimt ein Glaube neu", sagt Goethe, „wird oft Lieb' und Treu' wie ein böses Unkraut ausgerauft." So däucht es mir, werden jetzt Lehren und Grundsätze über Bord geworfen, die man bisher unbestritten als die höchsten hinstellte. Selbst in gebildeten Kreisen werden Aeußerungen höchstens im Parteikampfe niederer Interessen verzeihen kann,! laut, welche man früher nicht als Zeichen der Bildung hindurch Männer, welche im Vollbesitz der geistigen und sittlichen genommen hätte. Ich meine, da hat Jeder, so weit seine Bildung sind, das Bürgerrecht in der Sprache der Wissen-> schwache Kraft reicht, die Pflicht und das Recht, seine Stimme schüft verschafft werde. zu erheben, damit die unverrückbaren Grenzen des Rechts Aber weiter! Sie berichten, Herr Geheimrath, in einer keinen Schaden leiden. Durfte doch jüngst ein westfälisches Versammlung sei mit Entrüstung erwähnt, daß jüngst auf! Blatt die Behauptung wagen, jedes jüdische Weib sei eine einem Viehmarkt Mitglieder der ersten hessischen Familien einem jüdischen Kaufmann den „Hof gemacht" hätten. Sie billigen die Entrüstung, welche ob dieser Erscheinung sich kundgegeben, führen die letztere aber auf ein Verschulden jener christlichen Herren zurück, welche mit Juden — beispielsweise werden Bleichröder und Strousberg genannt — sich Phrync. Und Niemand, Niemand trat ihm entgegen. Sic haben, Herr Geheimrath, Ihre Ansicht über die sogenannte antisemitische Bewegung geäußert. Gestatten Sie mir, der ich auf der angegriffenen Seite stehe, zum Schluß auch eine Bemerkung darüber. Die Bewegung ist verfehlt, denn man hat die schlechten jüdischen Elemente, die „Auszu Geschäften verbänden und in deren Vorzimmern antichamj wüchse" treffen wollen, und man hat höchstens den guten

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