Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1885)
- Date
- 1885-08-11
- Page
- Seite 522 (sequence 2)
- Language
- German
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522 wir an seinem Grabe mit voller Verehrung und Liebe aussprechen. Nach den uns zugekommenen Mittheilungen ist Sir Moses ohne vorausgegangene schwere Krankheit sanft entschlummert. In der That war es ein selten glückliches Leben, welches dem hochherzigen Manne beschieden gewesen. Außer dem allgemeinen Schmerze, kinderlos geblieben zu sein, hatte er in seinem langen Leben nur den einzigen wesentlichen Verlust zu ertragen, der ihm durch das Hinscheiden seiner vortrefflichen Gattin, der Lady Judith, geworden, die seine Gefährtin auf allen seinen, humanen und religiösen Zwecken gewidmeten Reisen und die eifrigste Theilnehmerin an allen seinen Bestrebungen gewesen. Frühzeitig wurde Sir Moses die allgemeinste Anerkennung zu Theil und zwar in den christlichen Kreisen so gut wie in den jüdischen, und seine Königin wußte seine Verdienste zu würdigen und zu ehren. Tief gefühlte Verehrung und aufrichtige Liebe umgaben ihn als Mann und als Greis. Friede mit Ihm und gesegnet sei Sein Andenken unter uns'. den. Kann es doch nur als Aufgabe einer solchen erachtet werden, immer von Neuem Gedanken zu weiteren Forschungen zu geben, mit der Hoffnung, daß sie auf fruchtbaren Boden fallen. Wir begnügen uns daher heute mit einigen allgemeinen Zügen. — Bei seiner Geburt stand der jüdische Stamm theils im aramäischen, theils im ägyptischen Sprachgebiet, und kleine Andeutungen in der h. Schrift zeigen uns darauf hin, daß dies nicht ganz ohne Einwirkung geblieben ist'). Wie dem aber auch sei, die hebräische Sprache arbeitete sich aus den Contacten heraus und trieb in den Büchern der h. Schrift unvergängliche Blnthen, wenn auch hie und da ein aramäischer Einfluß stylistisch zu erkennen ist. Ein Zeugniß, daß das jüdische Volk um 720 v. d. gew. Ztr. aramäisch nicht verstand, sondern nur „jüdisch", d. h. hebräisch, haben wir 2. Kön. 18. 26, Jes. 86, 11. Anders mußte es wohl im Exil werden, und so sehen wir die aramäische Sprache nach dem Exil selbst als Schriftsprache erscheinen -). Dennnoch erhielt sich die hebräische Sprache als die der Gelehrten, und wir sinden nur wenige aramäische Sentenzen in den „Sprüchen der Väter", doch schon selbst von Hillel. So ist auch noch die Mischnah in, wenn auch eigen gefärbter hebräischer Sprache verfaßt, wohingegen die Gemara sich aus dem Aramäischen mit Hinzuziehung vieler, allerdings sprachlich umgestalteter Gräzismen und Latinismen verquickt, einen eigenen Idiom bilden. Wer die Bücher Sccharjah's 11 und Daniel's betrachtet, der wird nicht verkennen, welchen großen Einfluß die Berührung mit den Chaldäern und die Aneignung ihrer Sprache auf die Träger des jüdischen Geistes hatte, und wie sich der einfache und natürliche Geist und Geschmack des Hebräers dadurch zum Visionären und Allc- Die Spracheugeschichte des jüdischen Stqmmes. Zu den Eigenthümlichkeiten in der Geschichte des jüdischen Stammes gehört auch, daß derselbe in dem langen Verlaufe seiner Existenz die verschiedenartigsten Sprachen angenommen und zwar nicht blos als Hülfssprache, sondern als Mutter- und Familiensprache. Es ist dies eine allbekannte Thatsache, aber unserer Meinung nach noch lange nicht genug gewürdigt und in ihren Wirkungen erforscht. Jede Sprache ist der Ausdruck eines Volksgeistes, geht unmittelbar aus! gorischen, zur Hyperbolik neigte. Wenn auch die halachische demselben hervor und wirkt auf ihn bildend und eigenartig.j Erörterung ihren aus der Vorzeit gegebenen Gang weiter Es kann daher die völlige Annahme und Aneignung einer? schritt, so können wir doch, abgesehen von vielen einzelnen bis dahin ihm fremden Sprache durch einen Stamm, den ganzen! herübergenommcnen Vorstellungen, dieselbe Geistesfärbung in oder einen Theil desselben, nicht ohne umgestaltenden Einder Agada nicht verkennen, in welcher das Fabulöse, Lcgcnfluß auf ihn bleiben, sie muß eine recht bedeutsame Einwirkung auf ihn üben. Es ist deshalb eine völlig unwahre Auficht, als ob der jüdische Stamm, wie physisch, so auch psychisch einen festen unveränderlichen Körper gebildet habe. darische und die Hyperbel in einem Maaße vorherrschen, für das wir in der h. Schrift keinen Anhalt, keine eigentliche Geburtsstätte finden. Im Uebrigen war das Aramäiscke so sehr Volkssprache der Juden geworden, daß nicht allein aramäische deshalb überall derselbige geblieben. Vielmehr muß er durch■ Uebersetzungen der h. Schrift nothwendig wurden, sondern die Aneignung der Landessprachen wesentliche Veränderungen 1 daß man auch sich bewogen fand, Meturgemanim, d. h. in seinem Charakter und seiner Anschauungsweise erfahren! Ilebcrsetzer anzustellen, welche nach der Vorlesung eines Abhaben, und da die Annahme einer Landessprache immer nur>schnittes der Thora denselben für das Volk aramäisch vorvon einem Theile desselben geschehen konnte, mußten sich auch trugen. zwischen seinen einzelnen Partien recht erkennbare Verschieden-j Nachdem die Diaspora mit dem 3. Jahrhundert vor Herten herausarbeiten. Dies erscheint uns aber eben als ein j d. gew. Ztr. begonnen, sehen wir zuerst in Egypten die danach nicht erforschtes Gebiet, welches der Aufmerksamkeit! und dem Studium unserer Gelehrten und Historiker empfohlen , . . -fti. (V L CD f r 7, ' r, .! I) 1. Moiks 3l, 47 und Mehrfaches vom Capttkl 41 an, z. B. werden mußte. In dem Rahmen drefer Zertschrrft kann der Gegenstand nicht ausführlich und erschöpfend bearbeitet wer-! '2) Daniel 2, 4 ff., Esra 4, 7. 7, 12.