Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1885)
- Date
- 1885-08-04
- Page
- Seite 519 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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519 Gulden bis Ende Mär; 1884 von Rohling erbalten. In j so kurzer Zeit ist wohl noch niemand ein Talmud gelehrte, i geworden. Man kann sich daher denken, welche Glaubwürdig! keit dieser durch und durch verlogene Mensch beanspruchen kann, wenn er behauptet zur Abfassung des „Judenspiegels" durch die Drohungen der Juden, ihn zu ermorden, veranlaßt worden zu sein. In Innsbruck habe ihn die Buchhandlung Schuhmacher zu einer Uebersetznng des Talmud in die deutsche Sprache für st. 4000 — Briman sagt fl. 20000 — angeworben und die Regierung ihm für diese Uebersetzung fl. % <00 versprochen. Er wirft hier und im Weiteren mit so großen Summen um sich, daß sie mit seinen constatirten Schulden in völligem Widerspruche stehen. Da er verschiedene Liebesverhältnisse eingegangen, behauptet er, daß seine Ehe durch seine Taufe ungiltig geworden, was der Präsident als falsch bezeichnet. Er behauptet auch, nach Graz gegangen zu sein, um für eine Uebersetzung des Schulchan-Aruch einen Verleger zu finden und daß ihm die galizische Akademie der Wisicnschaften hierfür fl. 10,00-.» als Subvention in Aussicht gestellt habe! Aus Wien hat er sich heimlich entfernt und in Graz hat er sogleich wieder gepumpt. — Das Urtheil lautete: August alias Aaron Isidor Briman ist schuldig des Vergehens der Urkundenfälschung nach 8. 207 des deutschen Reichsstrafgesetzcs, begangen auf die in der Anklage erwähnte Art und wird nach 8- 267 des deutschen Reichsstrafgesctzes und §. 40 des österreichischen Strafgesetzes zum Kerker in der Dauer von zivei Monaten und zur Landesverweisung verurtheilt. Wir fügen noch die Bemekung der „W. A. Z." über diesen Prozeß hinzu: Der Prozeß gegen den „Doctor Justus" förderte so viele charakteristische Daten über die merkwürdige Persönlichkeit dieses gelehrten Forschers zu Tage, daß derselbe nunmehr wirklich allgemein in lurnine veritatis gekannt sein und daß möglicherweise auch Mindergebildete, nämlich seine Entdecker und Gesinnungsgenossen einer gewissen Sorte einsehen dürsten, welcher lauteren Quelle sie ihre vermeintlichen Kenntnisse über die Ruchlosigkeit der Talmudlehren zu verdanken haben. Der Gesammteindruck des Bildes, welchen die Verhandlung i bezüglich der moralischen Qualitäten des Autors des „Juden- ' spiegel" lieferte, wird hinreichen, um sich über die tief eingewurzelte systematische Verlogenheit dieses Doctors der rabbinischen und Nichtdoctors sämmtlicher übrigen Wissenschaften j ein Urtheil zu bilden. Bezeichnend ist, daß die Entstehung des „Judenspiegels" nach der Behauptung des Herrn Aaron Israel Briman auf den Umstand zurückzuführen ist, daß er wegen seiner Taufe von den Juden bedroht worden sei. Der Herr Briman wird also nach zweimonatlicher Kerkerstrafe über die österreichische Grenze gebracht werden und hat als „Briman" wohl seine Rolle ausgespielt. Dies! wird jedoch den schlauen und gefährlichen Menschen nicht abj halten, in irgend einer anderen Gestalt wieder aufzutauchen, i und wie bis jetzt die Antisemiten hinreichend bewiesen haben, : werden sie nicht anstehen, sich auch ferner dieses Werkzeuges; zu bedienen, wenn sie Nutzen von ihm zu ziehen vermeinen. Mögen sie sich aber vorsehen. Es giebt Menschen, die trotz ihrer Schlauheit durch die Unruhe ihres Charakters sich immer wieder verrathen und diejenigen auf's Aeußerste compromittiren, die sich mit ihnen eingelassen haben. Herr Rohling weiß jetzt davon zu reden, denn gerade in dem Punkte, der Rohling betraf, erschien der Briman völlig gaubwürdig. Wahre Gelehrte, jüdische und christliche, hatten längst nachge-! wiesen, daß Rohling nichts vom Talmud versieht, und daß J alle seine Behauptungen über den Talmud und die rabbinischen Schriften voller Jrrthümer sind. Jetzt weiß es auch j das allgemeine Publicum. Vielleicht rühren seine falschen Anschuldigungen seit dem Sommersemester 1883, die völlig aus der Luft gegriffen waren, von seinem Lehrer Briman her, der ihn absichtlich zu solchen Fehltritten verleitete. Dock wer könnte dieses ganze Gewebe dunkler Jntriguen entwirren! Hat man doch auch kaum ein Interesse hieran, nachdem die Persönlichkeiten in ein solches Licht gestellt worden sind. Anzeigen. T__ werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächstxUbc3I (iuV/ folgende 'Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Eine geb. j. Dame aus achtbarer Familie,! die eine zeitlang in England war, franz. > versteht, mnfikalisch und im Haushalt unv! Handarbeiten erfahre», sucht Stellung in j einem seinen isr. Hause, auch als Reisei Begleiterin. Hoh. Sälaic, w. gew. als angen. samil. Leben. _ [B. 3389 Gefällige Offerten unter Chiffre Y. Z. postlagernd Arnsberg. Pensionat und Höhere Töchterschule von il>. 859 Frau Dr. Leversou in Hannover, Thiergartenstraße 3 und 4. » < — Aufnahme von Zöglingen zu jeder Zeit.