Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1885)
- Date
- 1885-08-04
- Page
- Seite 511 (sequence 7)
- Language
- German
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511 Der zweite und dritte Vers müssen betreffs derZeit doch nothwendig miteinander harmvniren. Beide muffen gleichmäßig entweder der Ve-gangeiiheit oder der Zukunft angehören. Gehören sie, wie im alten Kol- Nidre der Vergangenheit an, dann muß unser dritter Bers, und sollen sie, den 'Absichten des neuen Liol-Nidre gemäß, der Zukunft angehören, dann muß der zweite Bers umgeformt werden. Hier hilft kein Drängen und kein Drücken. Tie Sprachen überhaupt und diese alte, chaldäische Sprache insbesondere, verstehen in dieser Beziehung keinen Spaß. Der umgesormte zweite Bers müßte lauten: N:r*j;r:l) ri; *:x: *y ~r; uztt: **■/. der um geformte dritte Bers aber: Ny:;- rI'~~ N '-zrzzt n:7^. Nrx“, wie ihn noch heute der spanische Ritus und die ältesten Handschriften haben. Ebenso paßt das Zeitlvort des vierten Verses Ni; --s auch nur in das alte Äol-Nidre. in dem neuen jetzigen KolNidre dagegen muß es m~:n "z-y; (Participiunr I, Pluralis) heißen. Es unterliegt keinem Zweifel, beim es ist mit Häirden greifbar, daß hier eine von unkundiger Hand verübte Eskamotage vorliegt, der es gelang, diese Eonfusion herbei- und einzusühren. Wir sind übrigens in der glücklichen Lage, den 'Allen- > täter zu kennen. Es ist dies der Toffafist Rabbenu Jakob : Tamm lgeb. um IlOO, gest. 1171!. Hier zur Stelle wird er zwar von den Einen R- Jakob, von den Andern R. Tamm benannt; es ist aber dieselbe Person gemeint. Ein sehr energischer Manu wie er war, that er dies in der guten Absicht, der weiteren talmudischeu Neuerung zu ihrem Rechte zu verhelfen. — Daß dieser große Mann, der nach G.ätz's Geschichte der Juden, (Baud 6, Seite >14) es im Verständniß der hebräischen Grammatik soweit gebracht hatte, daß er in einem 1) Zu meinem Bedauern, abweichend von dem trefflichen fdeidenheim in ecm vvrwtzlen Aoiatze seiner 1—7. 7 ~rvr>2 uu Machior zum Bersöhnungsfeste, we'l er sich, wie ich glaube, geirrt hat. grammatischen Streit als Schiedsrichter mit einem Werke auftrat, hier ruhig mithelfen konnte, daß unser jetziges Kol-Nivre die Bezeichnung, ein verpfuschtes Machwerk zu sein, verdiene, ist mir ein Räthsel, für dessen Lösung ich mich zu Dank vervflicktet fühlen würde. Das so resiaurirte lüol-Nidre hat indessen die volle Zustimmung seiner Zeitgenossen und Nachfolger gleichfalls nicht gefunden. Namentlich nicht die des ~rN'' der «Nedarim 23, 2) sich für die Beibehaltung des nicht amcndirten erklärte. Ebenso nicht die des z'z:'~, der sonst so deutliche, lichte und redegewandte Rabbi, hier wird er kurz, dunkel und schwerfällig, um schließlich zu empfehlen, weder das neue noch das alte Kol-Nidre zu sagen. Trotz alledem ist uns der neue geworden, au dem reine Freude niemals, in der Neuzeit aber blos Aergerniß erlebt worden ist. — Zum Schluß sei hier noch der Schlaffheit der im Kol-Nidre bekriegten Mannen erwähnt. In seinem ersten Verse rückt er gegen sieben Armeccorps ins Feld. Schon t:ii zweiten Verse erscheinen nur vier derselben gefecht-fähig und dies mi: gutem Recht. Denn -;z:y und t: 7 sind nach dem (Nedarim 2, 1) besten Falls eine verdorbene Mundart für das Wort „Gelübde", dienen also nur als bloße Decoration. Dasselbe ist der Fall mit dem -v;; welches hier etwa mit dem deutschen „u. s. w." zu übersetzen ist. Bis zum 5. Verse geht aber auch das vs”, verloren, wahrscheinlich, weil auch dieses, trotz seiner Vielköpfigkeit, kenne ich doch sechs bis sieben Sorten desselben — nur ein Ton Quixotescher Gegner ist, der als keines weiteren Schusses Pulvers wcrth, aufgegeben wird. - "zn mitgerechnet, was mir fragwürdig dünkt, erübrigen noch drei; diese aber, in den, in diesem Artikel gezeigten Grenzen, sind durchaus nicht so gefährlich, als daß es ver lohnte, um ihretwillen sich Unannehmlichkeiten anszusetzen, ivie sie uns der Antisemitismus an den Hals hängt. Lasten wir daher auch diese fallen! Was nun thun? Hierüber in einem vierten Artikel. Julius Hamburger. der Ju'eznhL> r tzräsentirten, während doch unter den sieben Deutschland. Millionen Juden die vorgeschrittenen Reformer nur einen Berlin, 23. Juli. (Privatinitth.) Der Bericht aus verschwindenden Bruchtheil bilden, und die große Mehrheit Chicago über die Anträge und Bcfchlüffe der dortigen noch völlig im orthodoxen Judcnthume leben. Es kann da» Sina'i - Gemeinde hat einiges Interesse erregt. Jndeß verger nur als eine Anmaßung angesehen werden, wenn diese mißt man darin die Angabe, wie groß oder vielmehr wie Herren von der Lina^-Gemeinde sich hinftellen, und die eine klein diese Gemeinde sei. Zufällig habe auch ich den gedruckten Institution des Judenthums für tobt, die andere für fast todt, Rapport erhallen, und muß mein Erstaunen über den Don die dritte für halb lodt erklären. Wenn sie dies für ihre aussprechen, der in demselben angeschlagen ist. Die Worteigene Person aussagten, so könnte man nichts dagegen haben, sührer der Gemeinde thun, als ob sie einen großen Theit Gedanken und Meinungen sind zollfrei. Wenn sie aber dies x\iag&Kwv