Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1885)
- Date
- 1885-08-04
- Page
- Seite 507 (sequence 3)
- Language
- German
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507 Royalisten seine Ausschließung zu bewirken und ihn auf einige I Zeit des Landes zu verweisen. Doch erlebte er noch den Sturz der Bourbonen und starb im hohen Alter von über 80 Jahren am 28. Mai 1831 zu Auteuil bei Paris. Seine Schriften haben einen ziemlichen Umfang, namentlich seine „Histoire des sectes religieuses“ in 5 Bänden, 1810 und 1828. Mehrere derselben sind gegen die Sklaverei der Neger gerichtet. Seine Memoiren mit einer Biographie gab Carnot 1829 in 2 Bänden heraus. Wenn Gregoire in der letzten Hälfte seines Lebens die aufrichtig constitutionelle Monarchie als eine wünschenswerthe Verfassung betrachtete, so sah er sie vor dem Ende seines Lebens verwirklicht, und mit ihr die Gleichberechtigung der Juden in Frankreich vollstäirdig anerkannt, da nach der Jnlirevotution von 1830 dem Judenthume eine beträchtliche Stelle im Cultusetat des Staates eingeräumt wurde. Seine Statue, 135 Jahre nach seiner Geburt und 54 Jahre nach seinem Tode als ein Zeugniß errichtet, daß Frankreich seiner nicht vergessen hat, zeigt in der stolzen Haltung, in dem energischen und doch von menschenfreundlichen Zügen gemilderten Ausdruck des Gesichtes, den ihm der Künstler zu geben verstanden, den ganzen Mann, wie er gewesen, und er mitten in den Stürmen der Revolution so vieles durchgesctzt und seinen Grundsätzen stets treu geblieben, ohne darum die gegebenen Berhältniffe zu mißachten. Wir haben schon in diesem Blatte bemerkt, daß die französischen Juden ebenso als Bürger, wie als Juden die Verdienste Grsgoire's anerkannten und ihm den späteren Tribut der Dankbarkeit durch zahlreiche Beiträge zu den Kosten des Monumentes darbrachten, und daß das israelitische Centralconfistorium sich bei der Enthüllung durch sein Mitglied Theodore Levy, Telegirten von Nancy, Chefingenieur des Brücken- und Wegebaues und Ritter der Ehrenlegion vertreten ließ. Ebenso sandte die Alliance isr. univ. einen Telegirten in der Person des Bicepräsidenlcn des Ccntralcomito's, Herrn Leven zur Enthülluugsfeier ab. Der Dankerutt des Antisemitismus, v. Es ist keine Schadenfreude, noch weniger Befriedigung eines Rachegefühls, welche uns längere Zeit bei den sich häufenden Niederlagen des Hospredigers Stöcker verweilen läßt. Gern hätten wir längst dieses Mannes vergessen und ihn zu den Schatten der Vergangenheit gerechnet, als Wahnfort; und da er immer noch einen Anhang fand, da die conservative Partei sich immer noch nicht von ihm lossagen wollte: wüsten wir auch die letzten Zuckungen dieses feindlichen Körpers beobachten. Tie Begründung des gerichtlichen Erkenntnisses in dem zweiten Prozesse, Schmidt gegen Stöcker, ist vom sittlichen Standpunkte niederschmetternd. Tie öffentliche Rechtsbehörde erklärt, daß Stöcker ein „abgeschwächtcs Rcchtsgefühl" besitze, wahrscheinlich weil er bis jetzt straflos geblieben. Es erklärt hiermit zugleich das bisherige Verhalten Stöckers für rechtswidrig, zu gerichtlichen Anklagen und Verurtheilungen geeignet. Was werden nun hierzu seine Parteigänger sagen? Werden die ckOOO Schildknappen, die dem „Zeugen Stöcker" eine „Ehrenerklärung" gewährten, ihm auch in diese Niederlage folgen? Tenn das Wüthen der „Kreuzzeitung" auch gegen dieses richterliche Erkenntniß und ihre Drohungen gegen die Richter und das Strafgesetz vermögen doch wohl Niemanden mehr irrezuführen, der nicht mit verstockter Ausdauer irregeführt sein will. Und diesmal kann sie mit dem besten Willen keine „Judenhetze" simuliren, keine Juden als betheiligt an'chuldigen. Kläger und Verklagter waren Christen, Richter, Rechtsanwälte und Zeugen waren Christen; die Beranlastung und Gelegenheit befaßten keinen einzigen Juden. Und doch! .... Ein alter talmudifcber Satz sagt aus: „Maaß um Maaß" d. h. die göttliche Vergeltung bedient sich gleicher oder analoger Strafmittel wie gefrevelt worden. Pharao B. ließ die israelitischen Knaben ins Wasser werfen, um sie zu ertränken, und ertrank selbst in den Wellen des rothen Meeres; Haman ließ für Mordechai einen Galgen errichten und wurde selbst daran geheftet. Wir sind nun weit davon entfernt, die göttliche Vergeltung in so engen Grenzen auffasten zu wollen. Aber im wirklichen Leben stoßen uns doch öftere Fälle auf. in welchen wir ein solches „Maaß um Maaß" gewahren. Stöcker schrieb mit großem Pathos und mit schallenoen Schimpfwörtern den Juden ein schwaches Rechtsgefühl zu und muß es nun erleben, daß ihm, dem vorgeblichen Vertheidiger der Wahrheit und des Rechts, von Gerichtswegen ein abgeschwächtes Rechtsgcfühl zuerkannt wird. Cr behauptete mir großem Geräusch, daß die Juden es mit dem Eide leicht nähmen, und muß es nun erfahren, daß ihm ein wenigstens leichtfertig geleisteter Eid vor Gericht nachgewiefen wird; er strebte, die gesammten Inden in den Augen ihrer christlichen Mitbürger herunterziifetzen, zu verdächtigen, und sieht sich nun von zwei, vor allen Verdächtigungen sicheren Gerichtshöfen in seinen sittlichen Tefecten, in feinen Widersprüchen mit der Wahrheit it. s. w. vor aller Welt entblößt. In der That konnten die Juden eine schneidendere thatfächlichc Rechtgebilde eines bösen Traums betrachtet, das mit diesem verschwindet. Aber er ließ uns hierzu nicht kommen, stellte fick immer wieder als Feind des Judenthums und der Juden auf und fuhr mit schmählichen Insinuationen und Hetzreden fertignng kaum erhoffen. Widerlegungen und Nachweisnngen ihrerseits in Schrift und Wort halfen ja nichts. Man ignorirte oder verhöhnte sie. Aber Thatfacheu lasten sich nicht 32*