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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-08-04 · Heft 32 (4.8.1885) · p. Seite 506

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 32 (4.8.1885)
Date
1885-08-04
Page
Seite 506 (sequence 2)
Language
German
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506 den Schranken der Theologie weit hinaus. Was man auch! lung kam, das Wort in energischer Weise ergriff, die Geister in unserer Zeit über den Werth der Schriften Boltaire's, immer weiter dafür gewann, den Widerspruch mit sich selbst Rouffcau's, der Encyclopädisten urtheilen mag: das Verdienst aufdeckte, wenn man nibt dieselben Grundsätze auch für die wird ihnen Niemand absprechen können, die Menschheit aus: Juden anwenden wollte, und so endlich den Sieg der Gleich' dem Schlendrian und der Apathie geweckt und gerissen,! berechtigung zu erringen wesentlich beitrug. Geben wir noch in welche sie versunken gewesen, und dem immer mehr einige wenige Züge aus seinem Leben, um sein Charakterbild verkommenden Absolutismus gegenüber das befreiende Wort! zu vervollständigen. Nach den neuen Gesetzen über die gesprochen zu haben. Auf dem Volke lastete in unerträglicher; Kirchenverfassung wurde er von den Gemeinden des Sprengel» Weise ein in sich abgestorbenes Kastenwesen, das ohne seine Blois zum Bischof gewählt, und leistete als solcher den Bürgereid als erster Geistlicher. Nach der Flucht Ludwigs XVI. schlug er sich zu den Republikanern, sprach sich gegen das Königthum in sehr heftiger Weise aus, indem er auf die Geschichte der Völker unter der monarchischen Verfassung in damaliger Ausfastungsweise hinwies, und so zur Begründung der Republik beitrug. Der Convent sendete ihn nach Savoyen, um die Bereinigung dieses Landes mit Frankreich zu bewirken. Von hier ab trat er in Opposition gegen die den Convent beherrschenden Glieder der Schreckensherrschaft. Besonders stemmte er sich gegen die Zerstörungssucht, welche gegen die Kunftdenkmale wüthete. Großes Verdienst erwarb er sich durch die Errichtung des Längenbureaus, das für die astronomischen und nautischen Wissenschaften so Großes geleistet hat, und durch die Begründung des Conservatoriums der Künste und Handwerke, Schöpfungen Grsgoirc's, die dessen Namen noch jetzt verherrlichen. Aber auch in religiöser Beziehung beharrte er anfeinem bestimmten Standpunkt. Der constitutionelle Bischof von Paris, Goblet und andere Geistliche schworen im Convent das Christenthum ab. Grsgoire widersetzte sich dem, und betonte die Freiheit des Cultus, welche die Constitution ausgesprochen. Er befand sich dabei in der Minorität und wagte unerschrocken fein Leben für seine Ueberzeugung. Man wird deshalb sich nicht wundern, wenn Grsgoire zum Abschluß des Concordats mit dem Papste unter Napoleon wesentlich beigetragen hat. Nach dem Abschluß desselben befahl ihm der Papst sein bischöfliches Amt von Blois aufzugeben. Grsgoire gehorchte. Er war Mitglied des Rathes der Fünfhundert und später des gesetzgebenden Körpers, weiterhin Mitglied des Senats, vom Kaiser in den Grafenstand frühere Lebensthätigkeit das Volk aussog und in sinnlosen Ketten gefesselt hielt. Wenn Adel, Geistlichkeit, Zunftwesen während des Mittelalters von großer Bedeutung und unentbehrlichem Culturverdienste gewesen.- jetzt waren sie längst zu todtcn Formen geworden, welche jede Culturentwickelung hemmten und durch ihren Truck nur Noth und Elend verbreiteten. Unter dem Aufschwung des Geistes hatte man angefangen , alle Verhältnisse der bestehenden Gesellschaft zu untersuchen und an dem Maßstabe der Vernunft und des Rechtes, nicht des historischen, sondern des unleugbaren natürlichen Rechtes zu prüfen. Man blieb hier, wie es in der Natur dieser Anschauung lag, nicht bei der einen oder der anderen Volksklasse stehen, sondern zog sie alle in seine Betrachtung. Ta konnte cs denn nicht fehlen, daß aufgeklärte Geister auf die Parias der damaligen Gesellschaft, die Juden stießen, denen noch die ersten Rechte als Bürger und Menschen versagt wurden. War deren Zahl im eigentlichen Frankreich verhältnißmäßig gering, so bildeten sie doch in Elsaß-Lothringen ein nicht zu übersehendes Bolkselement, welches sich trotz aller Beschränkungen eine volkswirrhschaftliche Wichtigkeit errungen hatte, und das man gezwungen, ein abgesondertes Dasein, ein eigenthümliches Volksleben mitten im Volke zu führen. Es war die Akademie zu Metz, welche 1767 die Preisausgabe stellte: ,8rir 1a rsZsusratiou äe8 lluits". Grsgoire, der damals Landpfarrer zu Ebermesnil in Lothringen war, bewarb sich um den Preis, und seine Schrift „Essai etc.tt wurde 1786 gekrönt und erschien 1769 in Metz im Truck. Er vertheidigte darin die volle Gleichberechtigung, sah in den Schäden, die man ihnen zuschrieb, nur die Folgen ihrer Bedrückung und Einschränkung und verlangte die Auferhoben. Sofort nach dem Sturze Napoleon's schrieb er Hebung dieser. Bei der durchaus klaren und logischen Auseinandersetzung machte diese Schrift großes Aufsehen und bereitete den Boden für die Ausführung dieses Gedankens vor. Es ist kein geringes Zeugniß für den aufgeklärten Geist der katholischen Geistlichkeit im Bezirke von Nancy, daß sie 1789 denselben Grsgoire zu iyrem Vertreter in die coustituirende Versammlung wählte. Hier entfaltete Gr. eine sehr lebhafte Thätigkeit im liberalen Sinne und trat überall kräftig für die Volksrechte ein. Wir können dies hier im Einzelnen nicht verfolgen, und heben nur hervor, daß er, so oft die noch viel bestrittene Emanzipation der Juden zur Vcrhandüber die Grundsätze, auf welchen die constitutionelle Freiheit beruhen müffe, eine Schrift, die 1814 erschien und bis 1819 vier Auflagen erlebte. Bei der Rückkehr Napoleon'» wandte er sich deshalb nicht wieder zu ihm, sondern stimmte sogar als Mitglied des Instituts gegen die Wiederherstellung des Kaiserreiches. Man kann sich denken, daß Grsgoire unter der Restauration von den Royalisten auf's Heftigste angegriffen wurde; aber er hielt ihnen Stand und rief ihnen zu: „Ich bin von Granit, Ihr könnt mich brechen, aber nicht beugen." Als er 1819 vom Departement Jsöre in die Dcputirtenkammer gewählt worden, gelang cs den wüthenden

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