Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- Seite 501 (sequence 13)
- Language
- German
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501 mein Haus und forderte im Namen seines Herrn Geflügelj tis, ehe wir hieherkamen, unser Wohnsitz war. Die Ursache und Eier, und als ich ihm nachwies, daß ich nicht nur das. unserer Auswanderung aus Mugatis nach Rukol ist uns Verlangte, sondern sogar kein Brod im Hause habe, nahm nicht bekannt. Kohanim und Lewijim nndcn sich bei uns er seinen Stock und schlug heftig auf mich los und zerbrach nicht, wir haben blos eine Synagoge, aber keine Sefer-Thora, mir die linke Hand. Mein Mann ging zum Herrn und er- 1 denn wir sind alle arm und unsere Mittel reichen nicht aus, zählte ihm den ganzen Hergang. Jener aber lachte und ließ um uns eine anzuschafsen; ebensowenig sind wir im Stande, ihn fortjagen, ohne seinem Diener etwas zu thun. Und einen Rabbiner und Lehrer für unsere Kinder zu unterhalten, womit kann ich ihr helfen? fragte ich, denn ich bin kein! Der Rabbiner aus Mugatis, R. Nissim, kommt zuweilen hie- Arzt; wenn sie wünscht, dann werde ich sie nach Dorband-Her, um das Vieh für uns zu schlachten. Wir alle gehen mit einer Empfehlung an den Stadtarzt schicken, welcher sie j nackt und barfuß einher, wir haben nicht einmal ein Gewand, ins Krankenhaus aufnehmen wird; oder wenn sie mit mir! um unsere Nacktheit zu verhüllen, denn unsere ganze Zeit zusammen nach Bender zu gehen bereit ist, dann werde ich! fast müssen wir unseren Bodenherrn widmen, und es bleibt ihre Klage vor den Gouverneur bringen. Das Weib aber, uns keine Zeit übrig, um etwas sür uns und das Haus zu antwortete, es sürchte nach Bender zu gehen, denn, wenn sie^thun. Wir sind unser 30 Familien und bilden ein besonderes nach dem Torse zurückkehrt, dann werde der Bek über sie Dorf, Land zum Bearbeiten haben wir nicht, sondern nur und ihr Haus furchtbare Strafen ergehen lassen, wie dieser! Erdhöhlen, in denen wir, gleich den Thieren des Feldes, schon oft gethan. „Wenn es sich so verhält, dann kann ich i wohnen, weiter nichts. Wir verdingen uns zuweilen zur Arhier nichts für Dich thun," antwortete ich ihr. Tie Leute i beit auf den Feldern der Muselmänner, oder micthcn Boden aber standen auf und sagten zu mir: „Mach Dir keine Sorge! thcile von ihnen, die wir dann mit Tabak bepflanzen und darum, Herr; für die Heilung der Hand wollen wir schon! geben jenen den fünften Theil. Was wir von unserer Ardas Nöthige thun." Sie führten das Weib hinaus und brachten es nach dem Frauengemach. Nachdem das Weib schluchzend beit erübrigen, dient zur Ernährung unserer Frauen und Kinder. Außer der üblichen Landcssteuer sind wir unserem hinaus gegangen war, erzählten mir die Leute, daß sie in! Bodenherrn für unseren Wohnsitz zu folgenden Dienstleiflder That fürchten, ihre Klagen vor die Regierung zu brin-' ungen verpflichtet: 1) 15 Tage im Jahre ziehen wir alle ins gen, aus Furcht vor den Beks, und zeigten mir zum Begesammt, die ganze Gemeinde, auf die Felder der Beks. um weise einen Mann, den vor zehn Jahren ein Bek mit einem i Weizen und Gerste zu mähen. 2) 12 Tage im Jahre reinigen Stocke so heftig geschlagen hatte, daß an seinem Halse sich j wir die Röhren der Wasserleitung aus ihren Feldern. 3) Drei im Laufe der Zeit eine Geschwulst in der Form eines herabi Tage im Jahre müssen wir die „Maraua" (eine Farbstoff hängenden Beutels und von der Größe einer Melone gebilj enthaltende Pflanze) mit Erde bedecken. 4) Drei Tage im bet hat (ich habe diese Geschwulst mit meinen Augen gesehen);! Jahre sind wir damit beschäftigt, die Maraua aus den Feler aber hat, aus Furcht vor seinem Herrn keine Klage geder» auszugraben, ö) Drei Tage im Jahre müssen wir ihre führt. Die Beks wissen wohl, daß, aus Furcht vor ihnen, Weinberge umzäunen. 6) Drei Tage im Jahre beschäftigen nichts ans Tageslicht kommen wird, deßwegen verfahren sie wir uns mit dem Ausjäten des Unkrautes aus ihren Feldern, mit ihnen nach Willkür. Hieraus erzählten mir die Leute 7) Zwei Tage im Jahre werden wir zum Reinigen des Gevon den Steuern, die sie den Bodenherren zu entrichten treides auf den Feldern herangezogen. Wenn welche von uns haben, schrieben sie das Folgende nieder, und sämmtliche gerade um diese Zeit auf den Feldern Fremder beschäftigt Gemeindcglieder bekräftigten es durch ihre Unterschriften: sind, dann werden ihre Frauen, anstatt ihrer zur Arbeit gc- „Wir, die jüdische Gemeinde des Dorfes Rukol, thun, zwungen 8) Drei Tage im Jahre müssen 15 Mann aus mit Erlaubniß derRegierung und des Landesherrn, dem Herrn, unserer Mitte das Stroh aus den Schobern nach den Häu seiner Bitte gemäß. Folgendes kund: Nach der bei uns fern des Herrn bringen. 9) Drei Tage im Jahre gehen herrschenden Tradition sind wir Ueberreste der nach Persien wir alle insgesammt in den Wald, um Ställe für ihre Pferde und Medien exilirten Israeliten. Die Art ihrer Wanderun- und Rinder zu errichten. 10) Einen Tag im Jahre sind wir gen von Volk zu Volk, von Reich zu Reich, bis zu ihrer und unsere Frauen mit der Reparatur der Häuserdächer beschäf- Niederlaffung im Lande Tabarastan ist uns unbekannt. In tigt. 11) Einen Tag im Jahre gehen wir alle in den Wald, Folge des großen Druckes und der beständigen Leiden, denen um Kohlen für ihre Schmieden zu besorgen. 12) Einen wir unterworfen waren, ist alles Schriftliche, das uns von Tag im Jahre sind 30 Mann aus unserer Mitte damit beunsern Borfahren überkommen war, eine Beute der Plünderer schäftigt, einen Raum für das Kleinvieh für die Dauer der und der Flammen geworden, so daß wir nichts von unserer Melkzeit abzuzäunen 13) Einen Tag im Jahre müssen wir Vergangenheit wiffen. Nur soviel wiffen wir, daß wir bedie Salzzehnten von den Muselmännern eintrciben. 14) Einen reits 60 Jahre hier in Rukol ansässig sind, während Muga-; Tag im Jahre treiben wir die Zehnten vom Weizen ein.