Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- Seite 499 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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499 zum ersten Male in deutsche Reime bringt." Wir wünschen,1 daß dies auch zum letzten Male geschehen sei. Der Titel lautet: „Worte des Sammlers u. s. w." von Hermann Rosenthal (New-York, The International News Company.1865). Nun sprechen wir dem Vers, durchaus nicht alle Geschicklich-1 feit und Sprachgewandtheit, besonders auch in der Handhabe | des Reims ab. Allein die Wahl seines Themas war eine! unglückliche. Kohelet ist durchaus ohne alle Poesie im Iw! halt und ohne poetischen Schmuck in der Redeweise, wovon man höchstens das Kapitel über das Alter ausnehmen kann. j Der Gedankengang ist einfach und logisch, der Ausdruck klar und durchsichtig. Alles dies leidet aber bei der metrischen Bei arbeitung und dem Reime; da muß vieles übergangen, vieles Ueberslüßige eingeschaltet und der Zusammenhang verdunkelt werden. Man wird sich viel schwieriger in dieser metrischen Uebertragung als in dem Original zurechtfindeu, und die meisten Sätze verlieren ihr prägnantes Gepräge oder ihre Pointe. Wir wünschen, daß der Berf. sein auch hier erkennbares Talent auf passendere Gegenstände verwende. — Seit dem Mai d. I. erscheint in Paris in monatlichen Heften: „La vie juive par Lion Cahme. dessins pur Alph. Levy (Monnier 1e85). Diese Hefte, vorzüglich ausgestattet mit hübschen und characteristischen Illustrationen, haben sich zur Aufgabe gestellt, die bürgerlichen und religiösen Sitten des jüdischen Lebens im Elsaß in der guten, alten Zeit der jüdischen Gemeinden gewissenhaft zu schildern, und zwar in einer heiteren, wohl angelegten Erzählung. Dian kann nicht sagen, daß in dem uns vorliegenden ersten Hefte diese Ausgabe nicht angemessen gelöst werde, wenn sich darin auch kein hervorragendes Talent bewährt, und bisweilen die den damaligen Juden so heiligen Gebräuche etwas ins Lacher liche gezogen werden. Für zukünftige Geschlechter, die diesem altjüdischen Leben fern stehen, werden solche Schilderungen einen cultur-historischen Werth haben. Für zahlreiche Individuen ist diese Zeit schon gekommen. Bonn, 20. Juli. (Literarische Notizen). Gott! und der Mensch in Aussprüchen der Bibel alten und neuen Testaments, des Talmud und des Koran, systematisch in Parallelen dargcstellt von S. Blumen au, Lehrer und Prediger in Bielefeld. (Bielefeld im Selbstverläge des Verfassers). Hören wir zunächst den Vers, selbst über den Zweck seines Werkes aus dem trefflich abgefaßtcn Vorwort. Er sagt: „Eine einfache, objektiv ausgewählte und übersichtliche Zusammenstellung der wichtigsten Anschauungen und Grundsätze der Lehre und des Lebens in den Religionsurkunden der Gottgläubigen ist meines Wissens noch nicht vorhanden. Eine solche Zusammenstellung dem gebilde ten Publikum aller Stände und Confessionen zu bieten, ist der Zweck des vorliegenden Buches. Dasselbe soll zunächst allen Fachmännern ^Geistlichen, Predigern, Lehrern aller Confessionen) ein gewiß willkommenes reichhaltiges Nachschlagebuch; dann allen Gebildeten eine interessante Lektüre und endlich eine mächtigeWafse gegen confessionel len Fanatismus und seine traurigen Auswüchse sein. In letzterer Beziehung wird es jedem unbefangenen Leser bei eingehender Prüfung bald einleuchten, daß die Verschiedenheiten der Lehren und Anschauungen, wie sie in den einzelnen Religionsquellen sich darstellen, gegenüber den zahlreichen sittlich-religiösen Berührungspunkten keineswegs darnach angethan sind, eine gegenseitige Befeindung und Verfolgung zu begründen; vielmehr diese Lehren in ihrem einfachen Berständniß — frei von späteren Zusätzen und tendenziösen Entstellungen — wohl geeignet erscheinen, ein friedliches Nebeneinandergehen der Confessionen zu ermöglichen, in gegenseitiger liebreicher Belehrung und menschenfreundlicher Duldung. Ich gestehe gern, daß dieser Gedanke hauptsächlich es gewesen ist, der mich bei Abfassung des Buches geleitet hat." Wir können sagen, daß der Berf. j der Lösung seiner Aufgabe recht nahe gekommen, und mit . ebenso vielem Geschick, wie Fleiß die bezüglichen Stellen aus i den 4 Religionsurkunden ausgewählt und nebeneinandergej stellt hat. Der Sachkundige wird einerseits mit Vergnügen!den vielen wohlbekannten Schriftstellen begegnen, wenn ihm j auch anderseits zahlreiche andere Schriftaussprüche einfallen! werden, welche angeführt werden konnten. Namentlich ist ^dies aus Talmud und Midrasch der Fall, die eine viel größere Maße zutreffender Sentenzen hätten liefern sollen, wie schon äußerlich aus den vielen leergebliebenen Columnen dieser Rubrik hervorgeht. Hier müßte bei einer zweiten Aufläge eine starke Ergänzung eiutreten. Es versteht sich von selbst, schon aus dem Umfange der Bücher, daß unsere heil. Schrift das größte Contingent geliefert hat. Aber man wird sich auch überzeugen, daß sie die eigentliche Quelle für das „Neue Testament" und selbst den „Koran" gewesen, welche oft wörtlich wiedergeben, was jene ausgesprochen. Was auch der Berf. in seinem Vorwort angedeutet, darf man nicht übersehen, daß namentlich das Christenthum, dann aber auch der Islam, eine Entwicklung und namentlich in dog- > matischer Beziehung genommen, die von den Aussprüchen! des „Neuen Testaments" und des „Koran" weit abgeführt! hat, wenigstens aus den hier angeführten Stellen nicht klar i hervorgcht, während doch die Entwicklung des Judenthums! i:n Talmud und Midrasch sich abspiegelt. Hieraus entsprangen i die wesentlichsten Differenzen zwischen dem Jndenthum und! dem Christenthum und Islam, Differenzen, die aus den hier j zusaminengestcllten Sentenzen nicht klar zu erkennen sind.! In dieser Beziehung bietet das vorliegende Buch eine mangelhafte Anschauung, jedoch, wie wir ausdrücklich bemerkt haben! wollen, ohne Verschuldung des Vers., da dies eben nicht in! der Natur seiner Arbeit lag. Ter practische Schulmann 81'