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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-28 · Heft 31 (28.7.1885) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 31 (28.7.1885)
Date
1885-07-28
Page
Seite 498 (sequence 10)
Language
German
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498 habe, dies auch mit Rasch haschana und Jom Kippur ,;u thun. Hiergegen lehnte sick» vr. Hirsch aut und machte sogar sein Verbleiben in der Gemeinde davon abhängig. Sein Grund war, daß man dem historischen Judenthum nicht ganz Valet sagen dürfe, und diese beiden Feiertage noch lebendig wären im Bewußtsein vieler Gemeindemitglieder. Man ist wohl zu der Frage berechtigt, warum gerade in diesem einen durch das Reformbedürfniß einerseits und die Unbeweglichkeit der Orthodoxie andererseits gebracht worden, eine Erscheinung, die ihre geschichtliche Nothwendigkeit in sich trägt, bekundet sich eben selbst an den äußersten Enden der jüdischen Welt. Bonn, 19. Juli. (Notizen.) Am 13. d. M. feierte der Commerzienrath B. Manheimer in Berlin seinen Punkte Herr Hirsch dem historischen Judenthume treu bleiben j 70. Geburtstag. Herr Manheimer hat sich um die Berliner will, das doch jedenfalls ebenso kräftig an den beiden ersten - Confectionsindustrie große Verdienste erworben, indem er ihr Momenten hält? Mit Rücksicht hierauf lehnte die Verfamm- ■, den Welthandel er öffnete. Er übermittelte 10,000 Mark der lung diesen Antrag des Präsidenten ab. Schließlich beschloß Armendirection des Magistrats der Stadt Berlin, die an die Versammlung noch, den Dr. Hirsch von der Pflicht an christliche wie an jüdische hilfsbedürftige Personen vertheilt den Samstagen zu predigen, zu befreien. Der Bericht thut werden sollen. Der Jubilar, der den Ovationen seiner sich natürlich etwas darauf zu gute, so fast bis zur Abschaffung Freunde aus dem Wege zu gehen dachte und sich mit seiner des ganzen historischen Judenthums gelangt zu sein, und Gattin nach Dresden zurückgezogen hatte, wurde daselbst will dies aus echt religiösen Motiven erklären. Leider wird, durch die Angestellten seines Hauses begrüßt, die ihm ein uns dies doch etwas zweifelhaft, wenn wir auf der letzten kostbares Angebinde in getriebenem Silber widmeten. Das Seite des in englischer Sprache verfaßten Berichtes folgende selbe ist in Form einer Säule gehalten, die die Berolina Expectoration finden: trägt, die die Weltkugel überschreitet. Zu ihren Füßen liegen „An die „Kläffer" aus den Ställen jüdischer Zeitungen: Mercur und die Göttin der Industrie mit den Emblemen „So will der Spitz aus unferm Stall des Handels und der Industrie. Dieser Deputation reihte „Uns immerfort begleiten, sich die der Berliner Schneidermeister für Confection an, die „Und seines Vellens lauter Schall speciell für das B. Manheimersche Haus (über 900) be- „Beweift nur, daß wir reiten." schäftigt sind. An der Spitze derselben übergab Herr Fuhr- Das ist sehr häßlich und kein Zeugniß für echt religiösen j mann im Namen seiner Collegen dem Jubilar eine Summe Geist, wenn man die etwaigen Gegner in solcher Weise be- > von 6000 Mark als Grundfonds einer „B. Manheimerhandelt und es für angemessen hält, die letzte leere Seite Stiftung für invalide Schneider". Dann brachten die Lehr- ' des Berichtes zu einem geschmacklosen Ausfall zu benutzen, linge und Hausdiener des Hauses durch Deputationen ihre Man kommt dadurch unwillkürlich zu der Ansicht, daß in Glückwünsche dar. Die Deputationen der Confectionaire und diesen Vorgängen mehr die Lust zu zerstören als aufzubauen Großindustriellen Berlins überreichten künstlerisch ausgeführte vorherrscht. Adressen, die, in kostbare Einbände gefaßt, anerkannten, daß _ . i die Berliner Confection ihre Stellung auf dem Weltmärkte Ä.srrra. wesentlich dem Jubilar verdanke. Die angestellten Damen Capstadt, im Juni. Wenn in diesem Blatte berichtet des Hauses hatten, wie viele Verehrer des Jubilars, kostworden, daß die Synagoge der hiesigen jüdischen Gemeindej bare Blumenspenden gesandt. Ein Diner im Hotel Bellevue erweitert wird und der Grundstein dazu feierlich gelegt wor-! endete den festlichen Tag. Wir geben diesen Bericht, um den, wozu die Gemeinde eine Anleihe von 2000 L. St. zu! auch an diesem Beispiele zu zeigen, wie sich jüdische Jn- 6 pCt. ausgenommen hat, so lauten doch die weiteren Mittheilungen nicht sehr günstig. Der Geist der Zwietracht ist eingeriffen und eine Anzahl Mitglieder will sich trennen und eine eigene Synagoge mit Rabbi und Chasan Herstellen. Nun muß man sich vergegenwärtigen, daß man schon jetzt in der Synagoge Freitag Abend und Samstag früh kaum ein Minjan zusammen hat und oft ringsum schicken muß. um ein Minjan zusammenzubrinaen und das neue Unternehmen wird recht absurd erscheinen. Blos für Jom Kippur eine Gemeinde, eine Synagoge und die dazu benöthigten Cultusbeamten Herstellen und dadurch die Existenz der anderen Gemeinde gefährden zu wollen, zeugt keinesfalls von gesundem und religiösem Sinne. Die Krise, in welche das Judcnthum duftrielle volkswirthschaftlich große Verdienste erwerben und mit den Leuten, die sie beschäftigen, im besten Verhältnisse stehen. — Bonn, 15. Juli. (Literarische Notizen). Unsere Zeit verfällt auf die sonderbarsten Dinge. Auf dem Gebiete der schönen Künste nicht gerade mit schöpferischem Geiste ausgerüstet, aber vom Drange zu produziren beseelt, sucht man die seltsamsten Wege auf. Vor einiger Zeit erhielten wir ein Büchlem. in welchem der Berf. versuchte, die Erzählungen des Pentateuchs in Knittelverse zu bringen und sich einbildete damit den moralischen Gehalt so recht ans Licht geschafft zu haben. Jetzt erhalten wir aus New-Z)ork ein Heftchen, welches Kohelet „Aus dem hebräischen Urtexte

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