Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- Seite 497 (sequence 9)
- Language
- German
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497 Enthüllung durch Herr» Theodore Levy vertreten, nächste Nr. Siehe Rußland. Petersburg, 5. Juli. (Privatmitth.) Sie haben in „Rückblicke auf die Kämpfe des letzten halben Jahrhunderts" einmal geäußert, daß die Mißhandlung der Juden unter Nicolas nicht sowohl aus Fanatismus, als vielmehr dem Princip lizismus und des Protestantismus zeigt, wenn auch für den ersteren nicht in solchem Maße, weil er es vorzugsweise verstanden hat, durch feine Institutionen die kirchliche Zucht unter seinen Bekennern fester zu erhalten, so daß sie, wenn auch äußerlich, selbst da, wo ihm keine weltliche Macht und weltliche Vortheile zu Gebote stehen, ihm viel mehr gesichert sind. Nirgendswo, als hier, haben sich die beiden entgegengesetzten Triebe unter den Juden bethätigt: der Trieb sich zu der Russifizirung, die freilich mit dem Uebertritt zur orthodoxen < vereinigen und der, sich zu spalten. Die orthodoxe und die Kirche identisch ist, hervorgegangen. Dieses Princip beherrscht auch Reform-Richtung trennt alsbald die Inden, die sich eben zu das jetzige Regierungssystem. Es richtet sich durchaus nicht allein; einer Gemeinde vereinigt haben, und dies thun sie überall, gegen die Juden, sondern auch gegen diePoleu und die Ausländer,! wo sich eine Anzahl zusammennndet, wie z. B. jetzt in Lima, und wendet seine Aufmerksamkeit besonders dahin, aus allen wo sich gegenwärtig viele Gemeinden bilden und selbst die Zweigen der Verwaltung und des östentlichen Lebens sie j Alliance isr. univ. eifrige Förderer findet. Wie gesagt, die auszuscheiden. So hat man alle bei den Eisenbahnen an, Gemeinden spalten sich, sobald der Gortesdieust hergestellt der Wcstgrenze augestcllten Ausländer, Polen und Juden so \ werden soll oder ist. Die Reformer verlangen Verbesserungen viel wie möglich entfernt, und jetzt wird diese Maßregel auch! und Neuerungen im Gottesdienste, die Orthodoxen verweigern aus die im Innern des Reiches befindlichen Eisenbahnen} sie und geht man lieber auseinander und bildet zwei oder ausgedehnt. Noch mehr, der Generalgouverneur von Kiew,! gar mehrere Gemeinden. Nur zu wohlthätigen Anstalten und Podolien und Wolhynien hat es durchgesetzt, daß aus der! Werken vereinigt man sich wieder, und hierzu dienen beson- Berwaltung der Kiewer Agrarbank, sowie aus der Taxations-! ders die Logen der Len. Britli. Seitdem so viele polnische kommission, alle Juden und Polen entfernt wurden und von und russische Juden hier augekommen,bieien auch die orthodoxen nun ab nur „Russen" in denselben dienen dürfen. Der Stadthauptmann von Petersburg verlangt sogar, daß in die gegenwärtig zur Bestätigung vorliegenden Statuten der Aktiengesellschaften zum Versätze und zur Aufbewahrung von Mobilien die Bestimmung ausgenommen werde, daß in der Verwaltung keine Juden fitzen sollen, worauf der Finanzminister, dem die Bestätigung zustcht, erwiderte, er könne dieser Forderung nicht Folge leisten, da solches im Gesetz nicht vorge- Gemeinden keine Einheit mehr, uud spalten sich in portugiesischenglische, deutsche und polnische. Noch mehr aber bieten die Reformgemeinden eine wahre Musterkarte mannigfaltiger Verschiedenheit, je nachdem sie dem herkömmlichen näher geblieben oder sich von ihm mehr oder weniger entfernt haben. Hier haben wir denn auch die eine oder die andere, die sich auf den äußersten linken Flügel gestellt hat. Unter diesen nimmt wohl die äußerste Spitze die hiesige Sinai-Gemeinde sehen sei, weshalb er den Stadthauptmann aussordert, den, ein, von welcher uns der jüngste Bericht über die Beschlüsse Minister des Innern zu veranlassen, ein bezügliches Gesetz zu erlassen. Jedenfalls erfolge aber die Bestätigung der Gesellschaften nicht, da erst eine weitere Aeußerung des Stadthauptmanns abgewartet wird. Amerika. Chicago, Jll., 30. Juli. (Privatmitth.) Eine richtige Vorstellung von den jüdischen Zuständen in den llnionsstaateu ist trotz aller Miltheiluugeu nicht sehr häufig, und doch in es von Bedeutung, dieselben zu kennen, weil wir uns hier im Lande unbeschränkter religiöser Freiheit befinden, wo also die Entwickelung der Dinge innerhalb des Judenthums auch nicht auf die geringsten Schranken stößt, also die vorhandenen Ueberzeugungeu frei zum Ausdruck kommen. Absehen mühen des letzten Gemeindemeeting vom 9. April d. I. gedruckt vorliegt, und zwar mit dem Wahlspruche: pc.xi p-n p~. Es wird interessiren, diese Beschlüsse kennen zu lernen, welche der Präsident vorschlug, der Rabbiner der Gemeinde l)r. E. G. Husen begutachtete und die anwesenden Gemeindemitglieder per majova genehmigten. Der erste Beschluß war, daß die Unterlassung der Bescbncivuug keinen Grund zur Ausschließung als Mitglied der Gemeinde bilden solle. Be merkenswerth ist, daß man als eine große Toleranz betrachte: haben wollte, daß die Gemeinde Niemanden zur Unterlassung der Beschneidung zwingen wolle. Der zweite Vorschlag ging dahin, die hebräische Sprache ganz aus dem Gottesdienste zu entseruen, und Herr Hirsch hatte sogar nichts einzuwendeu, wenn auch die Thora nicht mehr in der Ursprache vorwir dabei von den wahrscheinlich zahlreichen Individuen, die! gelesen würde. Die Versammlung beschloß diesen Vorschlag sich nicht als Juden geriren oder doch einer Gemeinde sich an die Commission für den öffentlichen Gottesdienst zu ver nicht cruschließeu, auch wohl schon weil sie ihren Aufenthalt hier zu Lande nicht für dauernd ansehen. Es ist dies eine Erscheinung, die sich nicht minder auf dem Gebiete des Kathoweisen mit der Vollmacht, ihn auszuführen. Der dritte Vorschlag endlich ging dahin, da die Gemeinde den Sabbath uud die drei Regalim-Feste bereits aus den Sonntag verlegt 31