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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-28 · Heft 31 (28.7.1885) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 31 (28.7.1885)
Date
1885-07-28
Page
Seite 496 (sequence 8)
Language
German
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496 lung, die Stöcker von seinen eigenen Parteigenossen aus An-; laß seines Processes erfährt.! Liegnitz, den 10. Juli. Der Bortrag des Professors j Baumgarten aus Rostock ist, obschon Gegner und Freunde! Stöckers in großer Zahl sich eingestellt hatten, ruhig und ungestört vorübergegangen, warscheinlich wegen der sehr gemäßigten Haltung, die der Redner einhielt. Er sagte unter Anderem, daß der Stöckercultus seiner Anhänger ungerecht- > fertigt sei, weil er sich dreifach an dem Deutschen Gewissen j versündigt habe durch Mangel an Zucht, durch Verbindung mit der Reaction und Erneuerung des Judenhasses. Oesterreich-Ungarn. Wien, 11. Juli. lieber das bereits mehrfach erwähnte fürchterliche Brandunglück in Horodenko werden der „N. Fr. Pr." nun folgende Einzelheiten unterm 7. d. M. mitgetheilt: „Der Brand entstand aus bisher noch unbekannter Ursache am 2. d. um 1 Uhr Nachmittags in der inneren Stadt in einem Gasthause. Eine versengende Hitze und ein starker Sturmwind trugen dazu bei, daß das Feuer mit Blitzesschnelle sich verbreitete, so daß schon nach Verlauf weniger Minuten an eine Rettung nicht mehr gedacht werden konnte. Feuerfunken, brennende Holzstücke, Papiere, Fetzen rc. flogen in der Lust, vom Winde mehrere Kilometer wert getragen. Das Weinen und das Jammergeschrei, welches von allen Seiten ertönte, spottet jeder Beschreibung. Erst nach vier Stunden, nachdem die Hälfte der Stadt bereits ein Raub der Flammen geworden, begann das Feuer nachzulasten. Der niedergebrannte Stadttheil war fast ausschließlich von sehr armen Juden und Häuslern bewohnt, die den Verlust ihres ganzen Hab und Gutes beklagen. Es bildete sich sofort ein Hilfscomitö, dessen erste Ausgabe die Stillung des Hungers der Unglücklichen war. Bis jetzt wurde nebst vielen Fällen schwerer oder leichterer Verwundungen constatirt, daß 11 Personen in den Flammen ihren -Tod fanden; es ist jedoch zu befürchten, daß noch weitere Opfer aus dem Schutte zu Tage befördert werden, da man noch viele Kinder vermißt. Pest, 15. Juli. Bon hier aus wird telegraphirt: „Jstoczy konstatirt in seinem Organ den Rückgang der Sache des Antisemitismus, weil die coalirte Fraktion auf dem Jsolirschemel stand; er hofft auf die Stärkung, ja die Regierungssähigkeit der antisemitischen Partei, wenn sie nach staatsrechtlichen Prinzipien sich theile." Diese letzte Bemerkung ist eine Thorheit, wie sie nur aus dem Gehirn eines Jstoczy entspringen kann. Die ca. 20 Mitglieder zählende kleine antisemitische Fraktion des ungarischen Reichstages ist bunt aus den verschiedensten Elementen hinsichtlich ihrer politischen Ansichten zusammengesetzt. Jstoczy und noch zwei andere sind deshalb aus der Fraktion ausgetreten, und er verlangt nun, daß sie sich überhaupt nach ihren politischen Ansichten spalten sollte — dann würde sie gestärkt und regierungsfähig werden! Das ist neu und urkomisch, daß eine so kleine Fraction sich nochmals in kleine Fractiönchen, die sich natürlich wegen der Verschiedenheit ihrer politischen Ansichten bekämpfen müssen, stark und herrschend werden solle. Möge sie sich auch äußerlich spalten, immerhin steht essest, daß der ungarische Antisemitismus immermehr erblaßt und bald nur noch ein Schemen der Vergangenheit sein wird. Rumänien. Bukarest, im Juli. (Privatmitth.) Hier in Rumänien geschehen noch immer die ärgsten Greuelthaten gegen die Juden. Das Schlimmste ist, weil es für die Zukunft nur immer dunklere Aussichten eröffnet, daß die maßgebenden Kreise die Frevelthaten wohl kennen, aber in der Regel ganz unbestraft lasten und sie möglichst vertuschen. Die Juden wissen das sehr wohl, und da sie die Straflosigkeit ihrer Peiniger aus Erfahrung kennen, machen sie öfters nicht einmal Anzeige, weil sie die noch härtere Rache ihrer Quäler, namentlich wenn diese Beamte sind, fürchten. Dringt einmal die Kunde solcher Frevel in das Ausland, wie z. B. im Februar eine drastische Schilderung der an den Juden in Darabani begangenen Grausamkeiten in die „Times", so wird es von der Regierung als „Verleumdung" ausgeschrieen und die Juden als Feinde des rumänischen Staates gebrandmarkt und nur noch ärger behandelt. Der getretene Wurm soll sich also nicht einmal krümmen. Im vorigen Monat wurde ein Mann in der Commune Dragaschani, der sich ehrlich von Viehzucht nährte, vom Primär plötzlich ausgewiesen. Er sandte Frau und Kinder sort und suchte sein Vieh zu verkaufen. Plötzlich aber wurde er vom Primär und seinen Leuten so entsetzlich geprügelt, daß er seinen Geist aufgab. Trotz aller Mühe, die man sich gab, den Frevel zu vertuschen, wurde der Thatbestand durch Augenzeugen und ein ärztliches Gutachten festgestellt. Ob aber eine Bestrafung des Primars erfolgen wird, ist sehr fraglich. Frankreich. Paris, 13. Juli. In Luneville wurde gestern im Beisein einiger Minister und Parlamentsmitglieder die Statue des Abbö Gregoire enthüllt. Er war bekanntlich einer der ersten, der die volle Emanzipation der Juden in einer sehr beredten Schrift verlangte und später als Mitglied der Constituante sie befürwortete und durchsetzte. Zur Herstellung der Statue haben Juden sehr viel beigetragen und bezeugten dadurch eine lobenswerthe Dankbarkeit, eine Anerkennung des Verdienstes. Auch das israelitische Confistorium war bei der

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