Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- Seite 491 (sequence 3)
- Language
- German
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491 Werk wird gesegnet und sein Andenken im kommenden Geschlechte mit Liebe und Verehrung umgeben sein! Symbolische Gestalten. IY. Die Engellehre in der h. Schrift. Bor Allem müssen wir bemerken, daß der Ausdruck (von arabisch laaka „schicken") „Bote" und nur durch den Zusatz als „Bote Gottes" bezeichnet wird, von der positiven Bedeutung unseres deutschen „Engel" noch zu unterscheiden ist, obschon dieses auch von dem griechischen ayyeXog „Bote" herstammt. Es steht daher nichts im Wege, jenem Worte nur eine symbolische Bedeutung als ursprünglich zuzuschreiben. Die Talmudisten lehren uns,daß „dieNamen der Engel die Israeliten aus dem Exil in Babel mitbrachten" (Jer. Rosch. hasch. I, 56). Sie verstehen darunter Michael, Gabriel und Raphael, wozu noch Uriel kam. Es geht daraus hervor, daß auch sie die Cherubim und Seraphim als symbolische Gestalten, nicht als individuell existirende Engel ansahen. Nicht weniger ist zu beachten, daß es große Theile der heiligen Schrift giebt, welche von wirklicher Existenz von Engeln gänzlich schweigen. Dies ist namentlich der Fall bei allen Propheten, mit Ausnahme von Secharjah II. (Cap. 1 bis 9). Ebenso die Hagiographen, mit Ausnahme einiger Psalmen und einer Stelle im Hiob. — Schon vom ersten Buche Moses an sehen wir „Boten Gottes", oder sagen wir nunmehr Engel, häufig die Vermittlung zwischen Gott und Menschen übernehmen, lleberall wo ein außerordentliches Jndiecrscheinungircten von Gottes Seiten geschehen soll, geschieht es durch einen Engel, wobei nicht selten dieser gar nicht festgehalten wird, sondern im Laufe des Berichtes mit Gott selbst abwechselt. In allen diesen Fällen ist der Engel Gottes nichts anderes als die Personification der göttlichen Einwirkung auf die Menschen außergewöhnlich betreffenden Geschehnisse. Ein Moment ist es hier, wenn ein besonderer Schutz Gottes vorausgesetzt und dies als ein „Senden eines Engels vor dem Schützling her" ausgedrückt wird (1 Mos. 24, 7. 40. 2 Mos. 14, 19. und öfter), oder auch als ein Führen durch einen Engel (vergl. Secharjah 3, 7), oder Lagern des Engels (Ps. 34,8), sowie der gewährte Schutz als ein „Erlösen durch einen Engel" (1 Mos. 48, 16). Es ist dies nichts als die Personification der unmittelbaren göttlichen Führung, wie im Gegensatz auch das Verderben, das Unglück als Engel personificirt wird (2 Sam. 24, 16. 2 Kön. 19, 35). An allen diesen Stellen erkennen wir leicht die ursprüngliche symbolische Natur dieser „Boten Gottes", die auch bisweilen mit den Winden, dem Feuer u. dgl. verglichen werden. Jndeß tritt doch die Lehre von den Engeln aus dieser symbolischen Auffassung heraus und gewinnt an positiver Consistenz, wenn Jakob mit einem Engel ringt, der ihm realiter die Hüfte lähmt (1 Mos. 32, 25. 31. Hosea 12, 5); wenn Jakob eine Schaar Engel sieht (32, 2), Bileam ein Engel wahrnehmbar wird (4 Mos. 22); wenn der dem Josua erscheinende sich Führer des Heeres des Ewigen, d. h. des Engelheeres nennt (Jos. 5, 14). In den geschichtlichen Büchern geschieht der Engel wenig Erwähnung; nur im Buche der Richter da, wo einer Person eine besondere Berufung zukommen soll, wie Gideon (K. 6), Simson (K. 13), in den Büchern der Könige bei Elijah (1 Kön. 19, 5. 7. 2 Kön. 1, 13. 15). Aus den Hagiographen ist nur Ps. 103, 20. hervorznheben, wo die bestimmte Bezeichnung der Engel als „Helden an Kraft, seines Wortes Vollstrecker, hörend auf die Stimme seines Wortes", gegenüber den Sternen im B. 21. keine bloß poetische Redeweise annehmen läßt (vergl. 148, 2). Ties ist nun zwar Hiob 33, 23. der Fall, 4, 18. dagegen setzt die Existenz der Engel voraus und zwar, daß auch sie vor der unendlichen Vollkommenheit Gottes in Jrrthum und Fehl verfallen. Die Einleitung zum Hiob ist reines Gedicht und giebt uns für die eigentliche Lehre nichts, wie sich auch daraus erweist, daß der Schluß - bericht (42, 7) nichts davon wieder enthält. Dies ist die noch so allgemeine Engellehre aus der vorexilischen Zeit. Wenn nun, wie wir oben bemerkten, schon die Talmudisten die Engelnamen aus Babel uiitbringen lassen, so heißt dies nichts Anderes, als daß die ausgedehntere und positivere Engellehre erst nach dem Exil im Judenthumc heimisch wurde und dem Einflüsse der Chaldäer auf die Exulanten zuzuschreiben ist. Dies erkennen wir denn zunächst im zweiten Secharjah, der vom zweiten bis vierten Jahre des Darius (520—ö18) prophetisch wirkte. Er bedient sich zwar der Engel nur in seinen Visionen, jedoch nicht mehr symbolisch, sondern wesentlich thätig. Wir finden hier schon , die Andeutung, daß die verschiedenen Engel verschiedene Länder durchziehen, um nach dem Zustande derselben zu sehen (1, 8—11) und darauf zu influiren (6, 1 — 8). In der dritten Vision sehen wir drei Engel beschäftigt, von denen der eine bestehlt, also als der obere erscheint (2, 5). In der! vierten verwaltet ein „Engel des Ewigen" das Richteramt, spricht los, verwarnt (3, 1), wo hingegen y.;::-- nur die Personification der den Menschen anklagenden Verschuldung; ist. — Hierzu tritt nun der zweite Theil des Buches Daniel mit einer sehr ausgebildeten Engellehre. Es ist hierbei zu betonen, daß, wie der erste Secharjah, der unter dem Könige Jojakim, also vor dem Exil wirkte, fo auch der erste Theil! des Buches Daniel, der kurz» Zeit nach dem Exile verfaßt , ist, von der Engellehre nichts enthält, wodurch diese immerhin \ an Zeit und Personen gebunden erscheint. Zunächst die erste j Vision des zweiten Theils Daniels zeigt uns um Gott „tau- 31*