Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1885)
- Date
- 1885-07-21
- Page
- Seite 485 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227586--42795-3311384- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
485 Machtlos ist der Mensch In die Hand des Elements gegeben, Das selbst bald gebunden Und bald entfeffelt ist. Ob sich mein Hoffen werd' erfüllen Ist mir Geheimnißvoll verborgen. Dies steht in seiner Hand, Der die Berge erhoben Und den Sturmwind geschaffen.! lehrter noch Schriftsteller von Fach, aber ein gewissenhafter unermüdlicher Reisender, mit einer scharfen eindringlichen Beobachtungsgabe ausgerüstet. Er war rastlos bemüht, im : Aufsuchen von Documenten und Denkmälern, die nur den entferntesten ethnographischen und historischen Werth für den Gegenstand seiner Forschung, nämlich die Juden in bezeichj neten Gebieten, hatten, und mit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit notirte er Alles, was er auf seiner Reise, die dortigen Juden betreffend, hörte und sah. Allein es war ihm nicht vergönnt, das reiche Material, das er gesammelt, zu verarbeiten und zu ordnen. Kaum hatte er sich an diese Arbeit gemacht, der! er vielleicht nicht ganz gewachsen war, da ereilte ihn der Tod, und das rohe Material, welches er dem „Verein zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland" Petersburg, im Mai. Tscherni und die kankafifchen Juden *). Aus Kosten des „Vereins zur Verbreitung der Bildung testamentarisch vermachte, blieb in einem chaotischen Zustande, unter den Juden in Rußland" hat unser rühmlichst bekannte J» solchem Zustande übernahm es Herr Dr. Harkawi als Orientalist Dr. A. Harkawi den Nachlaß des seiner Zeit in Borsitzender einer zur Prüfung und Herausgabe dieses Nachweitcren Kreisen bekannten Reisenden in kaukasischen und, taffes vom Verein eingesetzten Commission. Er hielt es nicht transkaukasischen Gebieten, des seligen I. Tscherni i für berechtigt, das Material wissenschaftlich zu bearbeiten oder herausgegeben unter dem Titel: p y-xz ~zz stnlistischc Aenderungen an ihm vorzunehmen, und beschränkte (Petersburg, Zederbaum & Pines). Daß unser besagter Vcrj er sich blos auf die Wahl der wichtigsten Handschriften und ein, der sehr arm ist und welcher von verschiedenen Leiten die Weglassung der minder wichtigen, auf die Anordnung in Anspruch genommen wird, die beträchtliche Summe von j des Stoffes in alphabetischer Reihenfolge nach dem Namen der 800 Rubel zur Herausgabe des genannten Werkes decretirte beschriebenen Orte und auf die redactionelle Correctur. Aber auch und daß ein solcher eminenter Gelehrter wie Dr. Harkawi j diese Arbeit war nicht gering. Konnten doch in dem 350 gr. 8 seine ihm so spärlich zugemessene Zeit einer Edition wie der j Seiten starken erschienenen Bande blos zwei Theile des Nachobigen widmete, die. wie wir später sehen werden, sehr viel baffes bis zum Buchstaben 2 Aufnahme finden und soll der Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen mußte, das beweist! dritte Theil, der aus Mangel an den nöthigen Mitteln noch wohl, welche Bedeutung dem erwähnten Werke beigemessen, ungedruckt blieb, recht umfassend sein. Dient das einerseits werden darf. Dieser Beweis aber wird vollständig überflüssig, | zur Erklärung der mangelhaften Form, so spricht es andererwenn man sich die Mühe nimmt, das .-,iyco iso durchzulcsen. | seits für den werthvollen Inhalt unseres opus, welcher volle Ich sage Mühe, weil wir es hier nicht mit einer mehr oder Beachtung verdient. weniger interessant geschriebenen, plastisch darstellenden Reise- Da dieses Werk sowohl feiner Form als besonders seiner beschreibung zu thun haben, deren Lectüre ebenso nützlich; Sprache nach einem größerem Publicum nicht zugänglich sein als angenehm ist, sondern mit einer reichen Sammlung von dürfte, so werde ich einige Bruchstücke desselben hier reproduciren, Documenten verschiedenen Inhalts, Alters und Werthes, Aufdie geeignet wären, die geschätzten Leser mit dem Leben und Zeichnungen mündlicher Berichte der Ortsbewohner über die j Schicksal unserer kaukasischen und transkaukasischen Glaubens- Vergangenheit der Juden, über deren Lebensweise und Thätig- > genossen bekannt zu machen, wobei ich zugleich die Tendenz keit in der Gegenwart, und Reisenotizen und Tagebuchblätter verfolge, die Aufmerksamkeit unserer glücklicheren Brüder auf des seligen Autors unzusammenhängend und unbearbeitet, die Nothlage Israels im fernen Osten zu lenken. Zu diesem in mangelhaftem Hebräisch, oft mit deutschen und rrffsischen Behufe erachte ich es für geboten, einige Bemerkungen über Ausdrücken und Phrasen durchwirkt und nur einigermaßen den Reisenden und den Zweck seiner Reisen vorauszuschicken, geordnet. Dabei lernt man aber einen beträchtlichen Bruch- Jakob Tscherni, aus Minsk gebürtig, hat hier nach den theil unseres Volkes, ihr Leben und Treiben, Kämpfen und Sitten und Gewohnheiten des Ortes eine streng religiöse Er- Leiden in voller Originalität kennen, welchen man bis jetzt ziehung im alten Styl genossen. Im frühen Alter begann kaum dem Namen nach kannte. Der Autor war weder Ge- > er die heilige Schrift, darauf talmudisch-rabbinische Schriften 1) Die Leser unserer Zeitung haben Tscherni und seine Berichte «*«** «- — 7, “‘ f ’ , vJ über die kaukasischen Juden, Jahrg. 1883. S. ev ff., kennen gelernt.! ganz zugesagt haben, denn schon als Knabe trat er m die im Urtext zu studiren. Dies Studium mag ihm wohl nicht ■o-i iwiytiwcu «mutt tt »u V«. •fe'“- i oorr um oieieipe >seu eruiTneie atiuiiiumie cm, roeune vainurs kaukasischen Dörfchens, wo von muselmännrichen Herren ein unerhor- . . ....... g, .. .. „ ter Druck ausgeübt wird. Redaction.! im Anfänge der fünfziger Jahre m jüdischen Kressen, blos