Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1885)
- Date
- 1885-07-21
- Page
- Seite 483 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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483 geruhte 25000 Rbl. zu schenken, der Großfürst Thronfolger! 5000 Rbl., der Gouvernementschef von Kowno W. P- Mel-1 nitzky soll, den „Nowosti" zufolge, ein Comite zum Ein-I sammeln der Gaben in Kowno gebildet haben und außerdem sich schriftlich an die AdelsmarschLlle gewandt haben, mit dem Vorschläge dergleichen Comites in allen Kreisstädten des Gouvernements Kowna zu errichten. In der ersten Sitzung wurde beschlossen, als erste Unterstützung 500 Rbl. aus dem Reservecapital des Kowna'schen Armenpflegevereins zu senden, welche Summe fast vollständig durch die Gabe des Commercienrathcs S. I. Feinkerg gedeckt worden ist. Während der zweiten Sitzung trat diesem Vereine fast die ganze Intelligenz von Kowno bei, die Vertreter der administrativen, beamteten und kaufmännischen Welt. Die Stadt wurde in Bezirke getheilt: der eine Theil des Comites gicbt sich mit dem Einsammeln der Gaben ab, der andere Theil sucht durch Arrangements die Mittel des Comites zu heben. Unter Anderem soll der unlängst aus Wien zurückgekehrte Hof-Opernsänger Herr Newjaschly gewillt sein, ein Coucert zum Besten der Abgebrannten zu geben. — Auch bei uns hat im Kaiserlichen Garten ein Toppcl-Concert, veranstaltet von zwei Militair-Musikchörcn, zum Besten der Abgebrannten in Grodno stattgefunden, ebenso in Petersburg eine Vorstellung im Sommertheater „Livatia." E. B. L. Marokko. Paris, im Juli. An das Central-Comite der Alliance pnd die Beschwerden der Israeliten von Debdon gelangt, die über die traurigen Mißhandlungen berichten, welche die anarchischen Zustände des Landes über die Juden dieses Distriktes bringen. Die Muselmänner der Umgegend dringen in die Stadt, fallen in die Häuser der Israeliten ein und plündern und mißhandeln nach ihrem Belieben. Wäre, so meint man, ein Gouverneur zur Stelle, so würden diese Uebelstände sofort aufhören. Wir unsererseits glauben, daß diesem Elend nicht eher Einhalt geschehen werde, als bis Marokko entweder im Besitz wie Algerien, oder unter das Protectorat, wie Tunesien, einer europäischen Großmacht gekommen sein wird. Die staatliche Auflösung in den muselmännischen Ländern, die wir ja auch in Aegypten erlebten, macht dies nur zu einer Frage der Zeit. Bonn, 12. Juli. ^Notizen.) Am 23. Juni fand in Nizza die feierliche Grundsteinlegung zum neuen israelitischen Tempel durch den Rabbiner Meist statt. — In Triest hat man die Erbauung eines großartigen Tempels seitens der jüdischen Gemeinde in Angriff genommen. — Tie Synagoge in der Capstadt erweist sich sür zu klein. Man hat einen Anbau zu ihrer Vergrößerung nnternommen, wozu 24 000 Mark erforderlich sind. — Man schreibt den „Areh. Israel.“ aus Jassy vom 8. Juni: Zur Charakterisirung der hiesigen Zustände sei bemerkt, daß in den Gymnasien von Plajesky die christlichen Schüler die jüdischen aufs Aeußerste mißhandeln. Sie zwingen sie, während des Unterrichts zu stehen, und — man merke wohl — verkaufen ihren jüdischen Mitschülern die Erlaubniß zum Sitzen auf immer oder auf Stunden für bestimmte Summen. Der Direktor und die Lehrer sehen diesem schmählichem Verfahren ruhig zu. — — Aus Brünn wird geschrieben: Herr Dr. B. Placzek, Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde, ist vom k. k. Kultus- und Unterrichtsministerium als Nachfolger seines vor mehreren Monaten verstorbenen Vaters zum mährischen Landrabbiner ernannt worden. — Der hochverdiente Assyriologe Prof. Oppert (aus Hamburg) zu Paris ist zum Offizier der Ehrenlegion ernannt morden. Bonn, 10. Juli. (Literarische Notizen.) Kein Buch der h. Schrift hat so viel Uebertragungcn in moderne Sprachen erfahren wie das Hohelied. Es ist dies sehr erklärlich, da dieses kleine Kunstwerk Jeden besonders anzieht, der poetisch begabt ist, und deshalb den Antrieb erweckt, es in moderner Gestalt wiederzugeben. Wir könnten aus dem letzten Jahrzehnt fast ein Dutzend deutsche Bearbeitungen aufzählen, von welchen jedoch nur diejenigen als mehr oder weniger gelungen zu bezeichnen sind, welche sich nicht an ein bestimmtes Versmaß und an Reim hielten, sondern das Original vielmehr rhythmisch wiederzugeben versuchten. Seltener kam es in Frankreich vor. Soeben erschien in Paris bei Lenerre: Jean Lahor, le Cantique des Cantiques. Traduction en vers d’apres la Version de M. Reuss. Der Verfasser läßt sich weder auf eine philologische noch ästhetische Kritik ein, übersetzt auch nicht nach dem Original, sondern nach Reust (Paris, Sandor 1879), aber er überträgt in schönen, fließenden Versen mit abwechselndem Metrum und meist mit Reim. Die Veise sind sehr wohlklingend und athmen den orientalischen Tust, wenn sie auch, wie selbstverständlich, sich nicht wortgetreu an den Text halten. Ter Versuch in der französischen Sprache ist als recht gelungen anzusehen. — Herr Professor Dr. Wilhem Bacher giebt in dem „Jahresbericht der Landcs-Rabbincrschule in Budapest für das Schuljahr 1d84 - 1885: Leben und Werke des Abulwalie Merwän Jbn Ganüh (R. Jona) und die Quellen seiner Schrifterklärung." Diesem ausgezeichneten hebräischen Grammatiker hat sich in der letzten Zeit die Aufmerksamkeit der Fachgelehrten, zuletzt der Herren Joseph und Hartwig Derenbourg (Paris 1880, .zugcwendet, und haben wir seiner Zeit über daS Vortreffliche der letzteren ausführlich berichtet. Tie vorliegende Teppelabhandlung bei schreibt in ihrem ersten Thcile das Leben und die nnsseni schastliche Thätigkeit des großen Grammatikers. Von dem i crstercn wissen wir allerdings wenig aber die wissenschaftliche 30*