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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-21 · Heft 30 (21.7.1885) · p. Seite 481

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 30 (21.7.1885)
Date
1885-07-21
Page
Seite 481 (sequence 9)
Language
German
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481 Diese Zahlen erweisen denn doch, daß die Religion einen gewissen Einfluß auf die Zunahmen der Bevölkerung hat, da auch unter den Katholiken und Protestanten eine so große Verschiedenheit in der Zunahme der Bevölkerung stattfindet. nicht wieder erneuern zu lassen. — Die Deputirten-Kammer, welche wegen des nahen Endes ihres Mandates dasBudget ohne Discussion votirt, hat auch dem Budget der Culte und so auch dem des französischen Judenthums für 1886,nach den Zahlen des — In Algier erschien von Herrn Aumerat, Chefredakteur! Jahres 1885 ihre Zustimmung gegeben. Es wurde demnach der Lolicksritö, Generalrath und Mitglied der Departemental-! genehmigt für das Personal des israelitischen Cultus Fr. 158 900, Commission von Algier eine Schrift „I/antisäwitisrne ä Algier,“ j füt ba§ israelitische Seminar Fr. 22 000, für die Gebäude der in welcher er die Wahrheit und das Recht, welche auf Seiten protestantischen und israelitischen Cultus zusammen Fr. 40000. der Juden seien, nachdrücklich vertheidigt und nachweist, daß die Gegner der Juden lediglich Radikale und Communarden seien. Demungeachtet fanden am 24. Juni Abends 9 Uhr Großbritannien. London, 10. Juli. Im Oberhause vollzog sich gestern Unruhen gegen die Juden wieder statt, die von jungen! eine eigenartige Ceremonie: Lord Rothschild wurde feierlich Leuten gegen sie verübt wurden. Die Polizei zerstreute den | eingeführt und vereidigt. Der neue Peer wurde von den Haufen, nachdem sie 10 Personen arretirt hatte. Jndeß Lords Rosebery une Carrington eingeführt und leistete den erneuerten sich diese Unruhen am 25. und 26. Juni. Da die j Eid nach jüdischem Brauch mit bedecktem Haupte und einem israelitische Bevölkerung sich zu ihrer Bertheidigung entschlossen hebräischen Exemplar der fünf Bücher Mosis in der Hand, zeigte, wurden auch einige Juden am 26. arretirt. Bemerkens-! Sodann nahm er seinen Sitz auf der vordersten Oppositionswerth ist, daß unter den Arrestanten sich kein einziger Italiener > bank ein. oder Spanier befindet. Es ist also lediglich französisches! Aus letzterem Umstande geht hervor, daß die „Kreuz- Gesindel, welches diese Unruhen anstiftet. Bon diesem giebt! zeitung" schlecht unterrichtet war, als sie Rothschild durch es in Algerien eine allzu große Masse, da sich viele ver-. Salisbury zum Peer ernennen ließ, während dies durch lorene Subjekte dahin begeben, um möglichst ihr Glück zu suchen. Gladstone geschehen ist. Sie hätte also ihre Borwürfe gegen Dies finden sie nun nicht, beneiden die eingebornen Juden Iden conservativen Minister sparen können; bei dem liberalen um ihre Habe, die sie sich durch Fleiß, Geschicklichkeit und! geht es doch in denselben Sünventopf. Sparsamkeit erworben und erregen diese Unruhen, um unter der Hand zu rauben und zu plündern. Die Regierung denkt an strenge Maßregeln, da die leichten Strafen, welche das Zucht- Turek, 1. Juli. (Privatmitth.) Wie wir den jüngsten Polizeigericht verhängt, die Unruhestifter nicht abhalten. —! Nummern des „Woschods" in Petersburg entnehmen, sei die Paris, den 10. Juli. Die antisemitischen Unruhen in I Nachricht der in- und ausländischen Presse, daß von der sog. Algier dauerten länger als man gehofft hatte. Die Juden „Pahlen'schen Judencommission" ein Elaborat, betreffend der waren es überdrüssig, sich passiv gegen die Angriffe und die Aufnahme jüdischer Studenten in die Universitäten dem Reichs- Beleidigungen zu verhalten und alle kräftigen Jünglinge und rath zugegangen ist, als unwahr hingestellt. — In dieser Männer versahen sich mit Werkzeugen des Widerstandes. Ta „Commission" wurde — dem .Russk. Wjedomost." zufolge — konnte es nicht ausbleiben, daß gelegentlich aus der Bervon einigen Curatoren der Lehrbezirke diese erwähnte Frage theidigung auch Angriffe auf tumultuirende Haufen entstanden, aufs Dringlichste angeregt, doch hat noch kein endgiltiger Schluß so daß bei der Intervention der Sicherheitsbehörden auch darüber stattfundcn. — Es wurde dem Minister des Innern eine Anzahl Juden verhaftet wurden. Allerdings mußten kürzlich von einer Commission eine im modernen Sinne prohierdurch die Tumulte sich ousdehnen. Jndeß wird es doch I jectirte Vorstellung gemacht, nach dem Muster anderer, auch eine gute Frucht tragen, wenn das tumultuirende Gesindel! in den „Besthuschew'schen Cursen“ die Aufnahme der jüdischen bemerkt, daß ihre Angriffe nicht ohne Gefahr eigener Nach- Schülerinnen zu reducircn. lieber diesen Antrag hat man Rußland. theile verlaufen. Wo die moralische Gesinnung keinen Zaum anlegt, ist die Frucht, die Aussicht auf Widerstand das wirknoch keine Entscheidung getroffen. Tie betreffende Lehranstalt zählt gegenwärtig 150 Jüdinnen zu ihren Zuhörerinnen. — samste Gegenmittel. Der Präfekt hat an alle Consulen aus-! Neulich berichteten einige in der Residenz erscheinende Blätter wärtiger Mächte ein Schreiben gerichtet, worin er anzeigt,! Folgendes. Der Magistrat in Hclsingsors hat durch neuere daß er alle ^Ausländer, die bei diesen Unruhen betroffen! übliche Auslegungen der Gesetze, daß die Bestimmungen würden, sofort ausweisen werde. Es hat sich nun ergeben, vom 30. Juni 1669, welche den Juden Handels- und daß kein einziger Ausländer dieser Androhung anheim gefallen^ Gewerbcfreiheit in ganz Finnland gewähren, aufgehoben seien, sondern daß die Tumultuanten nur aus französischem Gesindel > den hier wohnenden jüdischen Kauflcuten für dieses Jahr bestehen. In den letzten Tagen ist die Ruhe wieder einge-1 die Berechtigung, weiteren Handel zu treiben, versagt. Diese kehrt; aber es bedarf der Wachsamkeit der Behörden, um sic sich! Angelegenheit liegt dem Gouverneur zur Entscheidung vor. so

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