Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1885)
- Date
- 1885-07-21
- Page
- Seite 480 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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•180 „Stöcker, eine Frage an das deutsche Gewissen". Sowohl lär-Erlaß gesandt. Derselbe entwirft folgende Skizze über der Gegenstand, als der Redner werden voraussichtlich eine das jüdische Gemeindewesen: große Zuhörerschaft versammeln. „Seither sind theils an mich, theils an das Abgeordnetenhaus gegen die israel. Matrikelführnng wieder zahlreiche £ cstc rre i ch-U ngarn. Pest, den 4. Juli. (Privatmitth.) Die hiesige Landes- Rabbinerschule, welche jetzt aus eine achtjährige Wirksamkeit Hinweisen kann, veröffentlicht in diesen Tagen den Bericht über das abgelaufene Schuljahr. Die Zahl der Hörer und Schüler hat bedeutend zugenommen und war in dem abgelaufenen Schuljahre die obere Abtheilung von 20, die untere Abtheilung von 72 besucht; davon sind während des Schuljahres 12 ausgetreten. Der zur Unterstützung der armen Schüler gegründete Ez-Chajim-Vercin wirkt recht segensreich. Dem Jahresbericht voran geht eine sehr fleißige Arbeit: Leben und Werke des Abulwalid Merwän Jbn Ganü.h (R. Jona) und die Quellen seiner Schrifterklärung, von Prof. vr. Wilhelm Bacher. Wir kommen auf die Arbeit demnächst zurück. Lemberg, den 3. Juli. Die Bezirksstadt Horodenka ist gänzlich abgebrannt. Zur Linderung des großen Elends hat der Stadthalter 2000 Fl. angewiesen. Der Brand vernichtete mehr als 600 Häuser. Fünftausend Menschen, meisteutheils arme Israeliten und Häusler, sind obdachlos, brodlos und ohne Hilfe. Der Brand, der von einem heftigen Sturme angefacht wurde, gestattete den Bedrohten kaum, das nackte Leben zu retten. Aus Ungarn, 9. Juli. ^Privatmitth.) An einer sorgfältigen Matrikelführung hat nicht blos der Staat an sieb, sondern auch jedes einzelne Individuum ein hohes Jntereffe, da in den bürgerlichen Verhältniffen oft der größte Nachtheil aus dem Mangel an genügender Bescheinigung aus den Matrikeln entstehen wird. Da in Ungarn die Matrikelfüh rung in den Händen der Geistlichen jeder Religionsgesellschaft ist, so haben auch die jüdischen Gemeinden für die Führung ihrer Matrikel zu sorgen. Nun liegt aber seit dem Beschlüsse des Abgeordnetenhauses von 1870, welcher den Congreß ftatuteu die Geltung für alle jüdischen Gemeinden entzog, das Gemeindewefen ganz im Argen, so stellten sich auch im jüdischen Matrikelwcsen die größten Mängel und Uebelstände heraus. Bon jüdischer Seite ist daher wiederholt an das Ministerium das Gesuch gerichtet worden, das jüdische Matrikelwcsen zu ordnen. Im Tecember 1883 hielten die israelitischen Distrikts- Präsidenten eine Eonfercnz, die ein Memorandum an das Klagen gelangt, die insofern motivirt erscheinen, als aus den im Wege der Jurisdiktionen hieher gelaugten israelitischen Gemeinde-Akten hervorgcht, daß an zahlreichen Orten der israel. Matrikelführer nicht die gehörige Qualification besitzt; daß Gemeinden existiren, deren wenige israel. Bewohner sich nicht der nächstgelegenen, sondern den > in den verschiedenen Bezirken eines anderen Comitats befindlichen drei bis vier israel. Religionsgemeinden angeschlvffen haben; daß die isr. Bewohner zahlreicher Gemeinden. ja ganzer Bezirke des Landes weder selbst eine Religionsgemeinde bilden, noch zum Verbände einer anderen Religionsgemeinde gehören, also die Lasten keiner einzigen Gemeinde tragen und ihre Matrikelfälle an einem beliebigen Orte eintragen laffen und daß andererseits zwei israel. Religionsgcmeinden au einem Orte bestehen, wo die israel. Bewohner nicht einmal im Stande sind, die Institutionen einer Religionsgemeinde in einer Weise einzurichten, welche einer religiösen Korporation würdig wäre." Die Absicht des Ministers geht nun dahin, das ganze Land in jüdische Matrikelbezirke abzutheilen, in deren jedem ein Matrikelsührer angestellt werde, so daß jeder in dem Bezirke wohnende Jude diesem einen Matrikelamte unterstehe. Die Municipien sollen nun über die ihnen vorgelegte Eiutheilung gutachtliche Bemerkungen einsenden. Die orthodoxen Gemeinden sind nun hierüber in große Aufregung gerathen, indem sie vorgeben, ihre Gemeindeautonomie werde dadurch verletzt. Dies ist aber durchaus nicht der Fall. Sie befürchten vielmehr, daß aus dieser Matrikeleinigung mit der Zeit eine Wiedervereinigung selbst hervergehcn könne. Der Minister erklärt vielmehr in dem Erlaffe wörtlich: „doch erkläre ich schon im vorhinein, daß ich nicht die Absicht habe, mit der Feststellung der israelitischen Matrikelbezirke aus die Israeliten in religiöser Hinsicht einen Zwang anszuüben, : weshalb denn auch dieselben ihre dem Gottesdienste gewidmeten ceremoniellen Einrichtungen in der bisherigen Weise, unabhängig von dem israelitischen Matrikel-Centrum, nach wie vor, aufrecht erhalten können". Frankreich. Paris, 2. Juli. In einer der letzten Sitzungen der Medicinischen Akademie von Paris trug vr. Gustav Lageueau Ministerium richtete, in welcher Weise und aus welcher^ eine Abhandlung über die Bewegung der Bevölkerung in Gründen die Existenz der Gemeinden schwankend und unsicher > Frankreich vor. Er theilte unter Anderem mit, daß von 1800 sei. Wie schon in vor. Nummer mitgetheilt worden, will! —1866 die 36 490 891 Katholiken eine jährliche Bermel,- jetzt der Cultusminister die jüdische Matrikelsührung ordnen,' rung von 0.33 auf U0, die 802 329 Protestanten von 1,10 und hat zuvörderst an sämmtliche Muuizipieu einen Circu-! und die 79 964 Israeliten von 2,27 auf 100 gehabt haben.