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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-21 · Heft 30 (21.7.1885) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 30 (21.7.1885)
Date
1885-07-21
Page
Seite 477 (sequence 5)
Language
German
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477 Christen das Ansehen der jüdischen Religion herabzusetzen Anmerk. ä. sügt er die Erklärung hinzu: Die Feindesliebe und zu erniedrigen, nein auch in die Schulen, in die Pflanz« soll also nicht Gleichgiltigkeit gegen die vom Feinde uns zustatten der Jugend, drang es ein. Den Herzen der Kinder j gefügte Beleidigung sein.. nicht Verzichtleistung auf pflegte schon frühzeitig der Gedanke eingeprägt zu werden, die Juden beteten einen Gott des Zornes und der Rache an, die Christen hingegen einen Gott der Liebe. Die Lehrer, namentlich die Bolksschullehrer, waren jedoch größtentheils unschuldig hieran. Sie haben ja solche Beurtheilung des jüdischen Gottesbegriffcs von ihren eigenen Lehrern mitgetheilt bekommen, haben sie auch oft in normativen Schriften gelesen, sie gläubig als wahr in sich ausgenommen und theilten sie ihren Schülern pflichtschuldigst wieder mit oder müssen sie vorschriftsmäßig ihnen wieder mittheilen. Aber, davon abgesehen, würde in ihnen schon ein vergleichendes Forschen und Nachdenken über manche Stellen und Abschnitte der eingeführten christlichen Spruch- und Lehrbücher eine gerechte Selbstvertheidigung.. noch weniger eine eigentliche Neigung zum Feinde. Herr Dr. P. kommt also hier auf das hinaus, was ich in dieser Zeitung, Jahrgang 48, Nr. 32 unter der Rubrik: Menschenliebe — Menschenachtung, gesagt habe, daß nämlich in Bezug auf unsere Feinde das Wort Liebe nicht in seiner eigentlichen Bedeutung als Herzensneigung gemeint, sondern als Achtung zu vergehen sei. Allein in Anmerk. f. sagt er unter Anderem: „Im Alten Testament spricht Sprüchw. 25, 21. 22. die Feindesliebe aus, aber in das wirkliche Leben des jüdischen Volkes war davon wenig gedrungen", und da müssen wir denn fragen: ist dieses wahr und richtig? Woraus hat Herr Dr. P. entnehmen können, daß die Feindcsliebe mehr in das christliche als in das jüdische andere Ueberzeugung erweckt haben können. Da liegt vor! Volk gedrungen sei? etwa aus der Gegenwart? Man braucht mir.- Welker's Spruchbuch für christliche Schulen, ein Buch^ aber nur die gerichtlichen Verhandlungen bei den öffentlichen das seit vielen Jahrzehnten eine ungemein große Verbreitung- Schwurgerichten zu verfolgen um wahrzunehmen, wie so gar in den Schulen gefunden und in vielen Auslagen erschienen j häufig Christen an Christen blutige Rache nehmen, um zu ist. Auf S. 15 heißt es: Liebe, Güte und Barmherzigkeit! bezweifeln, ob unparteiische, nicht von Vorurtheilen befangene Gottes. Um diese Eigenschaften Gottes biblisch zu begründen, j Christen Herrn P. beistimmen werden. Das Urtheil scheint seinen werden 11 Sprüche aus dem Neuen Testament, einschließlich j Grund in jenem tiefgcwurzelten, allgemein verbreiteten Vorder apostolischen Briefe, angeführt, und 12 aus dem Alten I urtheil zu haben, wonach alle Juden nach einem gleichen Testament, ferner 1 Spruch aus den Apokryphen, nämlich-sittlichen Maßstabe zu messen seien, so daß wenn Einer von aus Judith. Der Verfasser hätte auch die schönen Sprüche! ihnen ein sittliches Gebrechen zeigt, wie z. B. eine leidenaus dem Buche der Weisheit 11, 23. und aus Sirach 18, schaftliche Hinneigung zur Rachsucht, alle Juden ohne Unter- 12. anführen können. - schied mit demselben behaftet seien. Man nimmt bei ihnen Nun frage ich: wenn ein Lehrer soeben im Geschichts-> eine Solidarität an, ohne zu bedenken, was die Erfahrung lehrt, daß es unter allen Schichten und Klassen von Menschen verschiedene Charaktere giebt: gutmüthige und bösartige, schlechte und rechtlichgesinnte. — 3) Wer hätte wohl eine christliche Schule besucht und nicht gelegentlich zu hören bekommen, das Alte Testament gebiete: Auge um Auge, Zahn um Zahn? Die Schüler, die dieses hörten, konnten es natürlich nicht anders auffassen, als daß das Alte Testament die Selbsthilfe oder Privatrache gebiete und zwar so, daß wenn Einer von einem Andern einen Zahn hat ausgeschlagen bekommen, er diesem wieder einen ausschlagen dürfe oder vielmehr solle. Und doch verhält sich anders. Dieses „Auge um Auge, Zahn die ausgleichende Gerechtigkeit ausdrücken unterricht den Kindern die Mittheilung gemacht, der Gott der Juden sei ein Gott des Zornes und der Rache, und etwa eine Stunde nachher im Religionsunterricht den Glauben von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes durch 12 alttestamentliche Bibelverse zu begründen und zu beweisen sucht — giebt es da einen größeren Widerspruch? Und wäre es nicht an der Zeit, einen solchen Widerspruch zu vermeiden? 2) Im Jahre 1842 ist dahier erschienen: Lehrbuch der christlichen Glaubens- und Sittenlehre für die oberen Klassen evangelischer Gymnasien und anderer höherer Bildungsanstalten von Dr. H. Palmer, Licent. der Theologie, Gymnasiallehrer re. Später wurde er Oberconsistorialrath rc., ist die Sache ganz aber vor mehreren Jahren gestorben. — Herr Dr. P. war i um Zahn" soll ein ausgezeichneter Gelehrter und auch ein sehr toleranter, und dem Richter bei strafrechtlichem Verfahren zur Regel humaner christlicher Theologe, war aber dennoch nicht ganz dienen. Hören nur, was Kant, Gesammelte Werke Bd. Vvon Vorurtheilen gegen das Judenthum frei, wie ich das S. 170 darüber sagt: „Die Strafe ist ein Akt der Gesogleich Nachweisen werde. In §. 331 behandelt er die > rechtigkeit und darf als solcher nie ohne Grund geschehen« Feindesliebe und definirt sie dahin, daß wir selbst unsere , Der einzige Grund der Strafe ist das Verbrechen, und nur Feinde als Menschen achten, ihre Vorzüge unparteiisch an-i der ist ein Verbrecher, den die geschworenen Richter für erkennen und ihnen, soweit es Pflicht und Klugheit erlauben.! schuldig erklärt haben. Die Strafe hat keinen andern Grund Beweise eines thätigen Wohlwollens geben sollen, und in der! als die Strafwürdigkeit; sie hat keinen andern Zweck als an

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