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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-21 · Heft 30 (21.7.1885) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 30 (21.7.1885)
Date
1885-07-21
Page
Seite 475 (sequence 3)
Language
German
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475 tirend erscheinen. Dazu lagen zu viele frühere Beweise vor,! wie sich Stöcker im Widerspruch mit der Wahrheit und dem j Rechte setzt. Ja, wir konnten nur über die Verblendung des, Publikums staunen, die über den Charakter und die Handlungsweise des Agitators erst durch senes richterliche Erkennti niß beseitigt werden konnte. Jndeß hielten und halten wir uns an das einfache, alte Sprüchwort: „Der Krug geht so! lange zum Brunnen, bis er bricht." Und brechen wird er! und in tausend Scherben zerfallen, trotz aller Anstrengungen' und Drohungen der „Kreuzzeitung" und ihres Anhanges! Symbolische Gestalten. ui. Als solche erscheinen nunmehr zunächst die Seraph im. Sie kommen nur an einer einzigen Stelle der Schrift vor, in der prophetischen Vision des Jesaias, welche die Berufung dieses Propheten darstellt. (C. 6.) Auf dem Boden der religiösen und sittlichen Entartung Israels, welche der Prophet in den fünf ersten Kapiteln seines Buches mit so heftiger Erregung und im schneidendsten Tone geschildert hatte, tritt der Prophet mit dem Berufe auf, die Bosheiten des Volkes aufzudecken, ohne Gehör zu finden, und das Strafgericht mit all seinen schrecklichen Folgen, dann aber auch die Läuterung und den Bestand des Ueberrestes zu verkünden. Dieser Beruf mußte aber drei Fragen veranlassen: 1) Da er selbst Mensch, wie hat er das Recht, Strafreden gegen seine Mitmenschen, das Volk und die Fürsten zu halten? 2) Da diese Strafreden voraussichtlich nichts fruchteten, wozu hält er sie? und endlich 3) Wie kann ein sündiger Mensch von Gott selbst gesendet werden? Nothwendiger Weise mußte deshalb die Berufung des Propheten von Gott ausgehen, zuvor aber der Prophet entsühnt werden. Dies ist es nun, was den Inhalt der Vision des Jesaias ausmacht. In seiner Begeisterung schaut der Prophet die Herrlichkeit Gottes wie im Heiligthum des Tempels gegenwärtig, wobei zuerst ihm die Allheiligkeit Gottes sowohl in einer äußeren Erscheinung, nämlich durch die Seraphim, als auch als Lehrsatz (B. 3.) offenbar wird, und dieser gegenüber die Unreinheit des Menschen, die ihn von 1) Allerdings kommt das Dort rp-r noch 4. Moses -21, 6. 8. 5. Mos. 8, 15, aber ganz bestimmt als eine Species^von Schlangen vor, die setzt nicht mehr zu bestimmen ist. Ebenso Jos. U, 29 ur.t 30, 6, wo es durch den Zusatz p-yD als „fliegender Drache" bezeichnet wird. Die Bedeurung „brennen" mähet hierbei vor, weil der Biß dieser Schlangen einen „brennenden" Schmerz mit tödrlichen Folgen, wie 4. Mos. 21. 6. zeigt, verursachte. Für r tr Serophim wollie Fürst s. v. einen anderen Stamm, r ämlich^in ung bräuchlichis Dort rp;v „hoch sein" annehmen. Allei«, da Jcs. 6, der Seraph mit einem Glühstein die Lippen des Propheten berühr!, also „brennt", kann man wohl bei der bisherigen Annahme stehen bleiben und in dem Namen die feurige Natur des S-raph angednurjehen. Gott entfernt hält (B. 5—8). Durch einen symbolischen Act, den ein Seraph vollzieht, indem er in seiner Hand einen Glühstein, den er mit der Zange vom Altar genommen, den Mund des Propheten berühren ließ, wird der Prophet entsühnt, wie der Seraph spricht: „Siehe dies berührte Deinen Mund, da weicht Deine Schuld und Deine Sünde wird versöhnt (B. 6. 7.)." Diese Seraphim schildert der Prophet „stehend um den Thron des Herrn." (Mit einer gewiffen Scheu steht hier im Texte nicht 6. 1.) Jeder hatte 6 Fittiche, „mit zweien bedeckte er sein Antlitz, mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er". Und Einer rief dem Andern zu und sprach: „Heilig, heilig, heilig ist der Ewige der Heerschaaren, voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit". Diese Schilderung zeigt, daß wir hier nicht an „geflügelte Schlangen", nicht an den egyptischen Serapis oder die Sphinx zu denken haben; sie bedecken aus Ehrfurcht vor Gott das Antlitz und die Füße (vgl. 2. Moses 3, 6 ). Die Bedeutung der Seraphim kann nicht zweifelhaft sein. Sie verkünden die Allheiligkeit Gottes, vor welcher der unreine Mensch in Nichts verschwindet, und brennen dann dem Menschen die Sünde aus, sie entsündigen ihn, sie läutern ihn. Wie daher die mosaischen Cherubim die Begrenzung der Offenbarung bezeichnen, daß der Mensch der letzteren ungeachtet in die Göttlichkeit nicht aufgeht, sondern sich ihr nur nähert durch Erkenntniß und Heiligung, so deuten hier die Seraphim die Läuterung des unreinen Menschen (symbolisch durch Feuer) an, daß er vor der Heiligkeit Gottes sich nicht in Nichts verkehre. Dem entspricht dann auch der Name der Seraphim, wobei wir bemerklich machen, daß dieselben eben nur in der Vision unseres Propheten Vorkommen und niemals zu einer bildlichen Darstellung veranlaßten. — Umsomehr erinnert uns dies an ein Beispiel, in welchem eine symbolische bildliche Darstellung allerdings zur götzendienerischen Verehrung verführte. Im 21. Capitel des 4. Buches Moses wird erzählt, daß bei einem Aufstande des Volkes in der Wüste unter das Volk „die Schlangen, die Seraphim" kamen, „daß sie das Volk bissen und sehr viel Volk von Israel starb." Das Volk bereute sein Vergehen und Moses „machte eine kupferne Schlange und setzte sie auf eine Stange", und wenn nun Jemand von den Schlangen gebissen worden und auf die kupferne Schlange blickte, blieb er leben. Daß in der Wüste das Volk durch die Schlangen litt, ist sehr erklärlich, denn alle Reisenden, wie schon Herodot und Diodor bemerken, haben diese Gegenden voller Schlangen gefunden. Auch Burckhardt und Laborde berichten darüber. Desto schwieriger war cs, die Heilung der Gcbisseuen durch einen Blick auf die kuprerue Schlange zu verstehen, und cs ist darüber viel Sinn und Unsinn geschrieben worden. Die traditionellen Erklärer sagen aus, daß nicht der Anblick der Schlange an sich sondern das damit verbuu-

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