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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-14 · Heft 29 (14.7.1885) · p. Seite 467

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 29 (14.7.1885)
Date
1885-07-14
Page
Seite 467 (sequence 11)
Language
German
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Pest, 27. Juni. (Privatmitth.) Die im Amtsblatte veröffentlichte Liste jener Personen, welche im Sinne des neuen Gesetzes von Sr. Majestät auf Vorschlag der Regierung zu lebenslänglichen Mitgliedern der rcorganisirten Magnaten-! tafel ernannt worden sind, enthält auch die Namen: vr. Ignatz Hirschler, Augenarzt in Budapest, und Karl Svab, Reichstagsabgeordneter. Pest, 1. Juli. Die Regelung der Re chtsverhältnisse der israelitischen Kultusgemeinden bildete, der „N. Fr. Pr." zufolge, seit längerer Zeit den Gegenstand von Verhandlungen zwischen der hiesigen und der Wiener Regierung. Nachdem der zwischen Baron Conrad und Trefort gepflogene Notenwechsel nicht zum gewünschten Resultate führte und in Ungarn sich die Klagen gegen die jüdische Matrikelnsührung täglich mehrten, von einzelnen Municipien sogar diesbezügliche Petitionen an den Reichstag gerichtet wurden, sah sich Kultusminister v. Trefort veranlaßt, zunächst die Regelung des Matrikelnwesens ins Auge zu fassen. Diese Nothwendigkeit ergab sich insbesondere deshalb, weil die von den israelitischen Kultusgemeinden einverlangten Daten klarstellten, daß zahlreiche jüdische Bewohner des Landes gar keiner Kultusgemeinde angehören, ihre Matrikelnsälle nach Belieben bei näher oder entfernder liegenden Gemeinden eintragen lassen, ferner, daß an vielen Orten mehrere israelitische Kultnsgemeiuden bestehen, obschon die daselbst ansässigen Juden kaum in im Stande sind, eine Religions-Genoffenschaft zu erhalten. Auf Grund des eingelangten Materials wurde im Ministerium ein Entwurf für die Ertheilung der Judcngemeindcn in Matrikelnbezirke fertig gestellt, und nachdem die Vorarbeiten beendigt waren, hat der Minister mit Rücksicht daraus, daß derzeit jede Kultusgemeinde berechtigt ist, Matrikeln zu führen, von der Krone sich die Ermächtigung erbeten, die derzeitigen Matrikelnorte auszulaffen und neue Matrikelnbezirke mit neuen Centren zu bilden. Mit kaiserlicher Entschließung vom 17. Juni l. I. hat der Ministers diese Ermächtigung erhalten und aus Grund derselben sämmt-j lichc Municipien in einem Erlasse vom 23. Juni ausgesorderr, daß sie sich bezüglich des vom Ministerium scrtiggesteüten■ Elaborats über die Eintheilung der Matrikelnbezirke bis Ende! August l. I. äußern mögen. Sobald dies geschehen ist, wird der Minister die Bezirke endgültig feststellen. Aula;; zu dieser Reform haben, wie die „Pr." behauptet, die jüdischen Diftrikspräsidenten selbst in einer Eingabe an das Ministerium gegeben. Das Vorgehen des Ministers hat eine große Aufregung, namentlich in den orthodoxen Gemeinden hervorgebracht, welche darin eine Verletzung ihrer Autonomie erblicken. Brünn, 28. Juni. Der Wiener Correspondcut des „Br. Tgbl." schreibt: „Der Federkrieg, der in einzelnen deutschen Blättern über die neulichen Arbeiterunruhen in Brünn ausgebrochen ist, erregt hier nicht geringe Verwunderung. Es widerstrebt mir, zu sagen, wie man es hier nennt, daß die betreffenden Organe die beklagenswerthen Ereignisse in dem „österreichischen Dianchester" zu ihren Parteizwecken „sruktinzircn". Ich will mich an jener Polemik natürlich auch nicht betheiligen und weder für oder gegen die bezüglichen Auslassungen der „Nordd. Allg. Ztg.", noch der ..Germania" oder des „Reichsbotcn" irgend etwas Vorbringen. Dagegen wollen Sie mir einige thatsächliche Bemerkungen gestalten. Die „Germania" sagte, „die Brünner Fabrikanten, besonders die jüdischen, sind mit der Arbeitskraft ihrer Leute in der beutegierigsten Weise umgegangen." Wenn das nicht ans Unwissenheit beruht, so kann es nur eine bewußte Unwahrheit sein. Von den sieben Fabriken, an welchen die Arbeiter in Brünn arge Verwüstungen anrichteten, gehören drei Juden und vier Christen. Bei der Fabrik Kohns, eines Juden, sagten die aufs Höchste erregten Massen: „Dem thun wir nichts, der läßt auch uns leben und behandelt uns menschlich'." Thatsächlich zogen die sanatisirten Hauken vorüber, die Kohnsche Fabrik blieb vollkommen intakt, während die nebengclegene, einem Katholiken gehörende, nahezu demolirt wurde. Ter bekannte Arbeiterführer Höger erzählte mir, daß nach seinen Beobachtungen und seines Wissens die Arbeiter des Herrn Ritter v. Schüller am schlimmsten dran waren und auch am ärgsten wirthschasteten. Ritter v. Schüller aber ist nicht allein vielfacher Millionär, sondern auch ein überaus strenggläubiger Katholik. Wenn die „Germania" wünscht, kann ich mit weiteren Namen dienen, die beweisen, daß keineswegs „besonders die jüdischen" Fabrikanten die Arbeitskraft der Brunner Arbeiter ausbcntetcn. Eine weitere leicht nachweisbare Thatsache ist es ferner, daß der „jüdische" Fabrikant Gomper; in Brünn vor Jahren bereits die Arbeiter-Äraukencaffen in Brünn angeregt und auch durchgesetzt hat, daß derselbe Gomperz auch jetzt zuerst das Entgegenkommen der Fabrikanten beantragte, und das; er mit drei anderen, ebenfalls „jüdischen" Fabrikanten, zuerst einen Vergleich mit den Streikenden bewirkre und zuerst eine kürzere 'Arbeitszeit bei gleichzeitiger Lohnerhöhung bewilligte, als andere, darunter katholische Fabrikanten noch erklärten, eher die Fabriken schließen zu wollen, als daß sie die Forderungen der Arbeiter bewilligten. Weiter ist es eine leicht nachzuweisende Thatsache, das; der strenggläubige, gewiß gut katholische Statthalter in Brünn, Gras Schönborn, die hier erwähnten Umstände ausdrücklich anerkannt und auch den „jüdischen" Fabrikanken, insbesondere dem genannten Gomperz, seinen Tank ausgedrückt hat. Soviel zur Steuer der Wahrheit. Nebenbei mag noch daraus hingewiesen werden, daß, 29*

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