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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-14 · Heft 29 (14.7.1885) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 29 (14.7.1885)
Date
1885-07-14
Page
Seite 458 (sequence 2)
Language
German
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der Sühnplalte und den beiden Cherubim aus dem alten Heiligthum in das All er heiligste des Tempels gebracht. Aber Salomo ließ noch zwei Cherubim von Oelbaumholz, zehn Ellen hoch und die Flügel jedes Cherubs zehn Ellen lang machen, welche ihre Flügel durch den ganzen Raum von einer Wand zur anderen ausbreiteten, und er überzog diese mit Gold (I. Kön. 6, 23.). Außerdem ließ er an allen Wänden des Hauses Cherubim, Palmen und ausbrechende Blumen in Skulpturarbeit, und zwar im Allerheiligsten und Heiligen anbringen, desgleichen aus den zwei Thüren von Oelbaumholz, die Cherubim und die Palmen mit Gold überzogen aber ebenso an den Thüren zum Heiligen, während am Borhange vor dem Heiligen in der Stistshütte keine Cherubim angebracht waren. Ja, an dem Gestelle des „ehernen Meeres" waren an den Leisten Löwen, Rinder und Cherubim in plattirter Arbeit angelöthet. (J, 2y). Man sieht hieraus, daß der eigentliche symbolische Begriff der Cherubim, schon in ihrer Verbindung mit Palmen und sogar mit Löwen und Rindern nicht mehr klar geblieben, und sür Salomon sie mehr zur Ausschmückung als zu einem bestimmten religiösen Gedanken dienten. — Obschon nun lange Zeit hindurch die Vorstellung von den Cherubim mit der Bundeslade verknüpsr blieb, so vergaß man doch der Worte „Bon zwischen den beiden Cherubim her", und dachte sich die Anwesenheit Gottes symbolisch als „aus den Cherubim der Bundeslade thronend" [z'Z~:~ zz"). Man vgl. 1. Sam. 4, 4. 2. Sam. 6, 2. 2. Kön. 18, 15. Jcs. 37, 16. Chron. 13, 6. Von den Cherubim im Tempel besagt 2. Chron. 3, 13, daß sie „aus ihren Füßen standen, ihre Gesichter nach innen gewandt", also immerhin den mosaischen Cherubim ähnlich. Merkwürdig ist 1. Chron. 28, 18, wo die Bundcslade mit einem „Wagen" verglichen wird, in dem die Cherubim „ausgebreitet die Bundeslade bedecken". Bald aber dachte man sich die Cherubim als Träger der Majestät Gottes abgelöst von der Buirdeslade (Psalm 80, 2. i)9, 1) „Gott, rer au, Cherubim thront." Und nun war es in der Phantasie des Dichters nur noch ein Schritt, daß der Cherub überhaupt als Träger der Gottheit sich darstellte und bei den Bewegungen Gottes als solcher gefeiert wurde, wo daun das rrin verwandelt und der Cherub mit dem „Winde" ziemlrch gleichgestellt wurde; so in Psalm 18, 11, der auch 2. Sam. 22, 11 eingeschaltet ist. Der Begriff des Cherubs als Wächter und Abscheider des Göttlichen vom Bienschlichen, wie er uns im ersten und zweiten Buche Mosis erscheint, war also verloren und in die Vorstellung vom Träger der Majestät Gottes übergegangen. Je weiter der mosaische Begriff des Cherubs von jeder Jdentisizirung mit Gott entfernt war, vielmehr an das Menschliche herantrat, um dieses vor jeder Ueberhcbung in das Göttliche zu bewahren, desto anthropomorphistischer ist schon das Bild, das sich der begeisterte Sänger vom Cherub machte, und wir sahen den Weg deutlich, auf welchem der Cherub hierhin gelangte. Aber auch in dieser Auffaffung konnte der einfache Cherub auf der Lade nicht lange genügen, und es war deshalb für den Phrophetcn Ezechiel nicht allzu schwer, die Cherubim in einer neuen reicheren und complicirteren Gestaltung zu schauen. Wiederum waren mehr als vierundeinhalb Jahrhunderte verflossen. Der Fall Jerusalems durch den Ansturm der Chaldäer war nahe. Der König Jojachin war mit 10,00 > Juden von Nebukadnezar nach Babel geführt. Unter diesen befand sich, 25 Jahre alt. Czechiel aus dem Priesterstamme, und hatte seinen Wohnplatz am Strome Chebar in der Stadt Thel Abib, woselbst eine zahlreiche Gemeinde der exulirteu Juden mit Acltesten ansässig war. In seinem dreißigsten Lebensjahre fühlte er in sich die prophetische Begeisterung. Seit Jakob wurden alle, prophetischer Begabung theilhastige Männer in einer besonderen Berufung eingeführt. Diese geschah bereits bei Jesaias in einer Bision, die bei Ezechiel zu einer weit ausgearbeiteten, bis in's Detail geführten, in ihrer Deutung geheimnißvollen Bision wurde, wie sie sich bei keinem anderen Propheten wiedersindet. Ezechiel war der unmittelbaren Theilnahme am Leben und Kampfe des judaischen Bolkes entrückt, nur aus der Ferne konnte er den Gang der Ereigniffe beobachten, und so griff seine prophetische Thätigkeit auch nicht in dieses Leben ein. Sos mußte diese an sich schon mehr den Charakter der in sich gekehrten Reflexion und Phantasie annehmen. Dazu kam der geistige Einfluß des Landes, in welchem er weilte. So erkennen wir in Ezechiel, wie später im Buche Daniel, gerade die Eigenthümlichkeiteu, die man als chaldäisch bezeichnen kann, die Verhüllung des Sinnes in groteske Phantasiegemälde, die Einkleidung des Geschauten in Räthselgesichte, wobei jedoch immerhin bei Ezechiel die klare Anschauung des israelitischen Geistes, die sich in einfachen natürlichen Bildern ausprägt, noch Strömung genug behielt. Kam hierzu nun der Charakter des Propheten selbst, welcher scharf und flliroff, dann aber auch weitläufig und detaillirend seine Gegenstände zur Aussprache brachte, so mußte aus seiner Berufung ein solch' breites phantastisch-groteskes, überwältigendes Bild werden, wie es uns der Anfang seines Buches vorführt. So ist dies uns erklärlich ans dem einsamen Grübeln des gottbegeisterten Mannes, fern von der Heimath, im ^ande der grotesken, ja bizarren Phantasterei. Indem wir über alle Einzelheiten auf unseren Commentar Band II. Seite 1138 verweisen, ist die Vision Ezechiels die folgende. Er sieht 4 Chajoth (lebende Wesen), die er, als die Vision sich ihm wiederholte, nämlich als er den Auszug der göttlichen Herrlichkeit aus dem Tempel schaute, als Cherubim erkannte, er sieht also 4 Cherubim, deren eigentliche Gestalt menschenähnlich, aber vierseitig ist, und an jeder

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