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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-07 · Heft 28 (7.7.1885) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 28 (7.7.1885)
Date
1885-07-07
Page
Seite 451 (sequence 11)
Language
German
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451 ober ob er eine Freisprechung damit begründet, daß dem Herrn Hofprediger nicht derjenige Grad von Selbstverantwortlichkeit und Fähigkeit, die Folgen seiner Handlungen zu beurtheilen, innewohnt, der in zahllosen Fällen bei armen Arbeitern vorausgesetzt wird, welche kaum die Volksschule besucht haben, oder kaum des Hochdeutschen so weit mächtig sind, um die ihnen vom Richter vorgelegten Fragen richtig zu erfasse». Die moralische Wirkung einer solchen Freisprericht mit einer energischen Zurückweisung dieser böswilligen Verläumdung. Schon das Statut macht eine solche Leistungsunfähigkeit unmöglich. Denn es werden eben nur die jährlichen Einkünfte in Quoten an die Hülfsberechtigen vertheilt. Es kommt also nur darauf an, ob durch erhöhte Einnahmen die Quoten recht groß werden können. Dasselbe beweist aber auch der Status. Es sind jetzt 27 Mitglieder in der Kasse. — Schmach genug für die Hunderte jüdischer Lehrer in den chung wäre vielleicht noch größer, als die einer Berurtheij beiden Provinzen, daß sie so wenig für sich und die Ihrigen lung. Wohl aber ist die Allgemeinheit lebhaft daran inte-! sorgen. Bon diesen 27 war Niemand in der Lage, eine ressirt, daß in den genannten Bevölkerungsklassen nicht die j Unterstützung zu beanspruchen. Die Kasse hatte also gar mißtrauische Empfindung genährt werde, daß gewisse den keine Leistungen zu machen, und konnte fast die ganze Einhohen Gesellschaftsschichten angehörige Personen für den Arm! nähme — M. 240J zum Fond geschlagen werden, der bereits der Gerechtigkeit überhaupt unerreichbar seien." Bielefeld, 28. Juni. Die Anhänger Stöckers sind verdutzt, aber — spähen nach einem Ausgang oder einer Aus- M. 15 800 beträgt. Erlangen, 25. Juni. (Frank. Cur.) Die 1708 gegründete älteste deutsche Studentenverbindung, das Corps Onoldia, flucht! Die hier erscheinende confervative „Neue Westfälischej hat vor einigen Tagen den Beschluß gefaßt, in Zukunft keine Bolksztg." bringt folgende Notiz: „Herr Hofprediger Stöcker j Studenten israelitischer Confessio» mehr aufznnehmen, obersucht uns, seinen Freunden und Wählern mitzutheilen, daß! wohl es sehr viele Israeliten zu feinen Philistern zählt. Man er in einigen Wochen über die ihm widerfahrenen Ereignisse! sieht, daß die „ Onoldia" seit 1708 ausgezeichnete Fortschritte genaue und ausführliche Auskunft geben wird. Ihm sind die-! gemacht hat, oder vielmehr, das die Periode der Aufklärung selben ebenso unbegreiflich wie uns". Wie naiv! die ,,Er->in eine Periode der Berdununung übergegangen, die jedoch eigniffe", d. h. daß es so kommen mußte, war doch längst j hoffentlich nicht allzulange währen wird, jedem Beobachter des Benehmens Stöckers längst einsichtlich und , Aus Schlefingen, 28. Juni. Es wird eine Aeußerung nur eine Frage der Zeit. aus evangelischen Kreisen unserer Provinz über den Proceß Halle, 28. Juni. Die „ Saale Ztg." vom 25. d. M.! Stöcker interessiren. „Tie Schlesische Kirchenzeitung", redienthält Folgendes: „Als ein Beitrag zu der Frage, wie girt von Diaeonus Just, schreibt: „Ter Proceß Stöckers unser Kronprinz über die agitatorische Thätigkeit des Hofj gegen die „Fr. Ztg." hat die Augen der ganzen Welt auf Predigers Stöcker denkt, kann die folgende uns von zuveri den Manu gerichtet, der im politischen, socialen und kirchläffiger Seite zugehende Mirtheilung dienen: Ein Geistlicher Aichen Parteikampfe seit Jahren im Bordertreffen gestanden in dem Dorfe B. bei Potsdam, der früher als Missionar in; hat. Der Umstand, daß derselbe ein evangelischer Geistlicher, Amerika gewirkt hat, wird von nuferem Kronprinzen hin , ja ein Hofprediger ist, hat das Interesse, das alle Welt an und wieder besucht. Eines Tages fragt auch der hohe Herr, : dem Ausgange dieses Proeeffes genommen hat, noch erhöht, ob der Geistliche mit den kirchlichen Verhältnissen Deutsch-. Im Interesse der evangelischen Kirche wäre zu wünschen lands zufrieden sei. Freimüthig antwortet der Pastor: „Nein,, gewesen, daß der Proceß einen anderen Verlauf genommen Kaiserliche Hoheit! Verschiedene Bestrebungen, die jetzt iu! hätte. Ter verklagte Redaeteur ist wegen der Beleidigungen, unserer Kirche zu Tage treten, besonders das agitatorische I die er Stöcker angethan, zwar zu drei Wochen Gefängnis; Borgehen meines Amtsbruders, des Hofpredigers Stöcker,! verurtheilt worden: aber Stöcker kann sich nur in selbstvergefallen mir gar nicht, ich sehne mich wieder in meine früheren j blendeter Eitelkeit dieses Sieges freuen. Tenn die Berur- Berhältnisse zurück." Ein Lächeln zuckte über das edle Ge-; theilnng ist hauptsächlich wegen der Form erfolgt, in welcher sicht des leutseligen Herrn. „Bleiben Sie nur hier, Herr die Beleidigungen vorgeüracht waren; die Vorwürfe dagegen, Pastor, Stöcker'sche Berhältniffe können nicht ewig bestehen", die der jüdische Redakteur dem evangelischen Prediger gemacht lautete die tröstliche Mahnung des Kronprinzen." 1 hat, hat der Gerichtshof zumeist als berechtigt anerkennen Breslau, 26. Juni. (Privatmitth.) Tie hier domilizirte! müssen. Es war wahrlich kein schönes Charakterbild, das Unterstützungscasse des „Vereins isr. Lehrer in Schlesien und! der weltliche Gerichtshof von einem Manne entwarf, welcher Posen" hat die Rechte einer juristischen Person erhalten und sich oft als den eigentlichen Vertreter des Christenthums geihre Statuten sind von den betr. Ministerien genehmigt worberdet hat, welcher von der Brandenburger Provinzalspnode den. Dennoch'erhob sich gegen diese Kasse die Verleuindung, zum Bieepräsioenten ernannt wurde, der aus Pastoraleon- „die Kasse sei nicht ganz leistungsfähig". Der Vorstand (l>v. serenzen zu dem von Gott legitimirten Parteiführer prokla- Samuelsohn) beginnt deshalb den eben ausgegebenen 5. Beinirt wurde, in dem man die gegenwärtig herrschende!iru)- as*

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