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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-07 · Heft 28 (7.7.1885) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 28 (7.7.1885)
Date
1885-07-07
Page
Seite 447 (sequence 7)
Language
German
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447 Philo?) Bon Adolph Moldauer. Wenn wir von dem Standpunkt des modernen Jndenthums auf die Entwickelung der Gottcsidec von dem Ursprünge unserer Religion bis zu ihrer heutigen Gestaltung zurückschauen, so nehmen wir die Erscheinung wahr, daß der reine Begriff des einigen Gottes, wie er in dem hebräischen Alterthum herrschte, mannigfaltige Wandlungen und Verunstaltungen erlebt hat, um schließlich zu der ursprünglichen reinen Gestalt zurückzukehren. Die Propheten, welche dem ethischen Gehalte des Glaubens näher standen als Moses, haben in der dogmatischen Ausbildung des Gottesbegrifss keinen Fortschritt gemacht; denn ihre Vorstellungen von dem Throne Gottes, den Engeln und den himmlischen Schaaren mußten die reine Erkenntniß verdunkeln, wie sehr sie auch das religiöse Gefühl zu heben geeignet waren.1 2) Noch mehr aber war es der späteren Zeit Vorbehalten, die Vorstellung von Gott und seinem Wesen durch Mystik und Allegorie zu verblaßen und fremdartige Ideen in den jüdischen Gottesbegrifs hineinzutragen. Für uns hat es ein um so größeres Interesse, diesen abnormen Geistesrichtungen des alten und neuen Judenthums zu folgen, weil dieselben nicht bloß von Schwärmern, wie den Kabbalisten, sondern auch von genialen schöpferischen Idealisten genährt und ausgebildet worden sind. Ein solcher war der alexandrinische Jude Philo. Tie in seinen Schriften niedergelegte philosophisch-theologische Anschauungsweise zeigt uns die Verschmelzung dreier Geistesrichtungen, in denen sich sein Zeitalter bewegte. Zuerst und hauptsächlich geht Philo von dem mosaischen Gesetze ans, in welchem er als frommer Jude lebt und wandelt. Tann bringt aber die Berührung mit der griechischen Philosophie, welche zu seiner Zeit in Alexandrien auch unter den Juden ziemlich allgemeine Verbreitung gesunden hatte, jenen Zwie-! spalt hervor, den er, sowie viele seiner Vorgänger und Nachfolger in seinem Innern zu bekämpfen sucht. Und indem ihm endlich die Bereinigung dieser beiden grundverschicdcncii Prinzipien, nach seiner Meinung, gelingt, schasst er in seiner Theorie des Logos einen neuen Gedanken, welchen das junge Christenthnm aufnimmt, und der in dem Johannescvangelium seinen Niederschlag findet. Bevor wir jedoch über die Schriften Philo's und seine Lehre sprechen, wollen wir die Lebensumstände des Mannes, sowcir wir sic kennen, uns vor Augen führen. 1) Wir geben diesen Artikel, weil er als übersichtlich vielen Leiern willkommen sein dürfte, obwohl wir mit mehreren Ansichten des Verfassers nicht überciiistimmcn. Redacüon. 2) Von der anderen Seite erfüllen die Propheten den Gottesbegriff und führen ihn weiter aus. Der Ausspruch des Herrn Verfassers erscheint uns durchaus einseitig. Redact. Unter der Regierung des Kaisers Augustus geboren, war Philo in seiner Vaterstadt Alexandria Zeuge des zwischen den Griechen und Juden seit Jahrzehnten bestehenden Haders, der unter der Regierung des Caligula im Jahre 36 n. Ehr. in blutigen Kamps ausartete. In Folge der bei dieser Gelegenheit offenbarten Willkür des Statthalters Flaccus, der den Juden das bisher unangefochtene römische Bürgerrecht entzog, sandten diese im Jahre 40 drei Gesandte an den Kaiser nach Rom. Unter diesen befand sich der damals schon bejahrte Philo, welcher über den Zweck der Gesandtschaft einen uns noch erhaltenen Bericht erstattete. Die Gesandtschaft richtete im Wesentlichen nichts aus und wurde von dem launischen und despotischen Kaiser mit spöttischen Worten abgefertigt. Jndeffen kam es in Alexandria im folgenden Jahrzehnt nicht zu größeren Unruhen, während sich in Palästina und Jerusalem das Ungewitter drohend zusammenzog. Philo erlebte die traurige Katastrophe nicht mehr, deren An-! lasse er wohl erkennen konnte. Ob er vorausgeahnt, daß die! Weigerung, des Kaisers Bild in den Synagogen aufzustellen,! den Untergang des jüdischen Staates herbeisühren werde, j wißen mir nicht. Wahrscheinlich hat er als Bruder des Alabarchen Alexander seine Stellung und Würde fortdauernd zum Schutze seiner Glaubensgenoffen und zur Herstellung der Eintracht mit den Griechen verwendet. Diesem Bersöhnungszwccke dienen auch in gewissem Sinne seine Schriften, durch welche er eine tiefere Auffassung der Bibel bei seinen Stammesbrüdern zu verbreiten sucht.! Die Zahl der Schriften Philo's ist eine beträchtliche,! obwohl dieselben alle mit Ausnahme zweier biographischer! Bücher nur aus den im Pentateuch niedcrgelegten Glaubensstoff znrückgehcn. Sie zerfallen einerseits in diejenigen Bücher, welche die Schöpfungsgeschichte behandeln und von den ersten Capiteln der Genesis ausgehen, so die „Weltschöpfung Mosis", „Allegorien der nach der sechstägigen Schöpfung gegebenen Gesetze", die „Cherubim und das flammende Schwert", die „Opfer Kain und Abels", der „Landbau Noahs" u. a. In diesen Büchern läßt Philo es sich angelegen sein, die Worte der Bibel allegorisch zu deuten und zu dem Ganzen des Gottesglaubens in eine höhere Beziehung zu setzen. Während j btc bisher genannten Schriften mehr das Gewand einer kosm ogonischcn Philosophie tragen, wird in anderen der engere ' Kreis der jüdischen Urgeschichte, wiewohl in allegorischer Weise, zur Darstellung gebracht, so in dem „Leben des voll-! endeten Weisen", d. i. Abraham, der „Wanderung Abrahams", dem „Leben des Politikers", d. i. Joseph, den drei Büchern des „Leben Mosis" u. a. In ihnen verfährt Philo dergestalt, daß er an einen biblischen Satz, wie z. B. „Und es wurde Vollender der Himmel und all seine Heerschaaren" anknüpft, ■ um in allegorischer Weise die Bedeutung desselben, welche an I sich klar ist, aufzuhellcn oder eben auch zu verdunkeln. So

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