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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-07 · Heft 28 (7.7.1885) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 28 (7.7.1885)
Date
1885-07-07
Page
Seite 445 (sequence 5)
Language
German
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1 i i 4 44o beseitigt, welche sich der Entwickelung seines Werkes entgegenj stellten. Diejenigen, welche sich Anhänger des Propheten | nannten, waren meistentheils keine wohlüberzeugten Muselmänner, fast alle hatten enge Beziehungen mit ihren noch dem Heidenthume ergebenen Verwandten bewahrt. Hierzu kamen die Scheinheiligen, die nur Vorgaben, an die Lehre Mahomeds zu glauben, und endlich die erklärten Gegner des Islam, unter welche man die Juden zählte. Diese letzteren' hatten am meisten die Hoffnungen Mahomeds getäuscht. In einem Vertrage, der schon mehrfach abgedruckt worden, regelte er sein Verhältniß zu den Eingeborenen der Stadt und denen, die aus Mekka gekommen, und widmete darin einige Paragraphen den Juden und den Arabern, die sich zum Juden- 1 thum bekehrt hatten. Nun, auch im Orient waren und sind Verträge nur dazu bestimmt, verletzt zu werden. Aber auch die Juden waren ihrerseits in ihrer Erwartung sehr getäuscht. Die Art, in welcher Mahomed die Offenbarung verstand, seine Unwiffenheit und Ungeschicklichkeit in den religiösen Fragen konnten sie nicht ermuthigcn, in ihm ihren Messias zu begrüßen. Er versuchte anfangs, sie durch Sanftmuth und Ueberredung für seine Lehren zu gewinnen; sie antworteten ihm, indem sie ihm neue Fragen stellten; seine Antworten voll grober Jrrthümer erregten ihr Gelächter und ihren Spott. Seitdem natürlich eine tiefe Feindschaft zwischen Mahomed und den Juden, deren einziges Vergehen darin bestand, die Unternehmungen dieses Arabers, der sich den Propheten Gottes nannte, streng zu beurtheilen und sein Betragen lächerlich, sein Wissen falsch, seine Vorschriften unüberlegt zu finden- Dieses Urtheil war an sich begründet, aber thatsächlich ein politischer Fehler, und die Folgen mußten verhängnißvoll fürI eine Minorität ohne Leitung und ohne Zusammenhang sein. Man hat eine lange Liste derer, welche Mahomed verspotteten. Aus derselben ersieht man, wie sehr die Juden sich arabisirt hatten, da nur sehr wenige Namen biblische sind. In der That hätten die Juden Mahomed und seinen Anhängern in jener Zeit nachhaltig widerstehen können, wenn sie zwischen ihren Stämmen Einigkeit nnd Entschlossenheit gehabt hätten. Diese nothwendige Bedingung, einem energisch aufstrebenden Feinde zu widerstehen, fehlte ihnen, und daran gingen sie unter. Hierzu kam Abfall, und zwar sogar einiger einflußreicher Persönlichkeiten, denen dann aus der unwissenden Masse immerhin einige folgten. Unter den Juden, welche arabischen Ursprungs waren und welche Verbindungen mit muselmännischen Verwandten hatten, war der Abfall erklärlich. Dennoch war die Zahl der Apostaten gering. Die Anhänger Mahomeds waren fast alle rohe und brutale Araber, welche selbst die Principien der Religion, der sie sich zngcscllten, nicht kannten. Von dem Augenblicke aber an. wo die Juden dem Mahomed nur Hohn und Spottgedichte entgegenstelltcn, fing Mahomed an, die Ueberredung durch die Gewalt zu ersetzen. Man begann die Juden und die Araber zu prügeln. und Mahomed begünstigte dies durch eine „Offenbarung". Er suchte zwar noch durch Schreiben entfernt wohnende Juden für sich zu gewinnen, indem er sich auf die Thora berief, die ihn voraus verkündet habe, und indem er ihnen viele Versprechen machte. Aber auch dies hatte keinen Erfolg. Die Juden verlangten Wunder, was Mahomed in Verlegenheit setzte. Er begab sich in die Schulen der Juden; aber diese wollten ihn nicht hören, versuchten vielmehr einige arabische Stämme gegen ihn zu verbinden. Mahomed machte von hier ab eine Wendung. Er hatte sich vielen Ceremonien der Juden angeschloffen, jetzt änderte er dies. Er hob z. B. seine Vorschrift, beim Gebet das Gesicht nach Jerusalem zu wenden, auf. und befahl dies nach der Richtung von Mekka zu thun. Er wollte sich damit von den Juden, denen er seine Hauptlehrcn entlehnt hatte, unabhängig erklären und der nationalen Eigenliebe der Araber schmeicheln. Bon nun an kannte Mahomed nur noch die Gewalt. Er ließ Karawanen überfallen, ausplündern und deren Führer tödtcn, und zwar in einem Monat, in welchem nach der alten Sitte der Araber keine Feindseligkeit unternommen werden soll. Mahomed belohnte die; Thäter durch eine „Offenbarung". Diese Art des Prophetismus, Rache zu üben an seinen Gegnern, wenn die Umstände günstig wären, und darüber hinterdrein eine himmlische „Offenbarung" zu geben, verspotteten die Juden. Er dagegen ließ den Dolch gegen diejenigen spielen, welche gespottet hatten. Noch einen Versuch machte er, die Juden zum Islam zu bekehren. Er versammelte sie auf dem Markte der Banu Kei« noka und ermahnte sie, seine Lehren anzunehmen, indem er ihnen die Niederlage der Bewohner Mekka's vorhielt. Die Banu Kcinoka verwarfen seinen Antrag. Jetzt war der Kampf erklärt. Anhänger Mahomeds tödteten einen Juden: die Juden brachten die Mörder um. Zunächst griff Mahomed die Banu Keinoka an, eroberte ihre Schlösser, plünderte ihre Güter und zwang sie, auszuwandern. Dies verminderte schon die Kräfte der Juden. Aber sie hatten es verschuldet, denn die verbrüderten Stämme An-Nadhir und Koreiza hatten jenen nicht den geringsten Beistand geleistet und sahen in ihrer Blindheit nicht ein, daß ihre Interessen dieselben seien. Einzelne arabische Stämme, die sich gegen Mahomed erhoben, wurden von ihm geschlagen, und die Führer anderer sielen unter dem mcuchelmörderischen Dolche der Mahomedaner. Ein ausgezeichneter jüdischer Dichter, Cab, beleidigte die Muselmänner, und Mahomed ließ ihn tödtcn, indem er die dazu verwandte List billigte, und erklärte, daß um Ungläubige zu tödten, jedes Mittel erlaubt sei. Da die Juden bei all' diesen Vorfällen ruhig blieben, beschloß Mahomed sie zu vernichten. Zunächst kamen die An - Nadihr daran. Er belagerte ihre Schlösser und ließ, allen arabischen Sitten

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